Abstieg: Auf die MSV-Fußballerinnen warten jede Menge Sorgen

Tränen beim MSV Duisburg: Die Fußballerinnen spielen in der kommenden Saison nur noch in der 2. Bundesliga.
Tränen beim MSV Duisburg: Die Fußballerinnen spielen in der kommenden Saison nur noch in der 2. Bundesliga.
Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Vor sechs Jahren gewannen die Duisburger Fußballerinnen den Uefa-Cup und den DFB-Pokal. Jetzt sind sie in die 2. Bundesliga abgestiegen.

Duisburg.. Der größte Tag in der Geschichte des Duisburger Frauenfußballs jährt sich am 22. Mai zum sechsten Mal. Damals, an jenem Freitag im Jahr 2009, waren 28 112 Besucher im Duisburger Stadion Zeugen eines 1:1 gegen den russischen Vertreter Swesda Perm, mit dem der FCR 2001 Duisburg nach dem 6:0 im Hinspiel den Uefa-Cup der Frauen gewann. Acht Tage später folgte ein 7:0-Sieg im Finale des DFB-Pokals gegen Turbine Potsdam.

Am vergangenen Sonntag nun ist der MSV Duisburg, der im Januar 2014 den Platz des insolventen FCR übernommen hatte, aus der Frauen-Bundesliga abgestiegen. Nur sechs Jahre liegen zwischen Triumph und Tiefpunkt.

Die Konstante zwischen beiden Ereignissen heißt Inka Grings. Die 36-Jährige darf als Deutschlands erfolgreichste Torjägerin aller Zeiten gelten, stand bei allen drei Duisburger Pokalsiegen auf dem Platz. Im vergangenen Sommer beendete sie in Köln ihre Laufbahn und wechselte ohne Unterbrechung auf die Trainerbank des MSV.

Eine großartige Idee, fanden jene, die sie als lokale Ikone sahen und dadurch die Identifikation mit einem Verein stärken wollten, mit dem manche FCR-Anhänger nach dem Übergang vom Pleiteklub noch etwas fremdelten. Ein Fehlgriff, meinten die anderen, die ihr mangelnde Erfahrung attestierten und auch auf ihre von zwischenmenschlichen Problemen nicht freie Zeit als Spielerin verwiesen. Die MSV-Führung wischte die Zweifel weg und setzte Vorgänger Sven Kahlert vor die Tür.

Das Problem: Außer Grings gab es im vergangenen Sommer nach dem fast zeitgleichen Abgang von Abteilungsleiter Dieter Weber kaum sportliche Kompetenz im Verein. Vorstandsmitglied Udo Kirmse, mit der Zuständigkeit für den Frauenbereich betraut, eignete sich diese zwar an; gleichwohl fehlten notwendige Vernetzungen. Trotzdem verkündete Inka Grings, sie wolle mit dem MSV bestes Bundesliga-Team aus Nordrhein-Westfalen werden. Sprich: vor der SGS Essen, Bayer Leverkusen und dem Herforder SV landen.

Frauenfussball Das Unterfangen ging vom ersten Spieltag an schief. Das 1:2 gegen Essen gab die Richtung vor, ab der zweiten Runde belegte der MSV dauerhaft einen Abstiegsplatz. Der Kader funktionierte in seiner Zusammensetzung nicht, vor allem das Offensivspiel lahmte. Nur acht Tore fielen bis zum Jahreswechsel. Und das unter einer Trainerin, die 353 Bundesliga-Treffer erzielt hat.

Beim MSV wird alles eine Nummer kleiner

Diese Bilanz wurde in der Rückrunde nicht entscheidend besser. Zehn Tore wurden es da, davon allein vier beim Saisonfinale gegen Herford. Der 4:0-Sieg reichte jedoch nicht mehr. Grings fand, dass man den Klassenerhalt nicht erst am letzten Tag verspielt habe. In der Tat waren daran die teils desolaten Auftritte in der Hinrunde schuld, als die Spielerinnen über den Platz schlichen, während ihre Trainerin sie mit ständigen „Vor! Vor! Vor!“-Rufen von der Seitenlinie malträtierte.

Es passte nicht, es gab Ärger. Wer nicht ins Konzept der Trainerin passte, musste gehen.

Dieses „Gesundschrumpfen“ des Kaders – zeitweise standen nur 14 Kickerinnen bei den Partien auf dem Spielbericht – zeitigte aber insofern Erfolg, dass die Mannschaft sehr spät dann doch noch zusammenwuchs. Spielerische Fortschritte blieben zwar Mangelware, aber wenigstens stimmten nun Defensivverhalten und Einsatzbereitschaft weitgehend. Zu spät. Der Abstieg war nicht zu vermeiden.

Jetzt wird alles eine Nummer kleiner, vor allem der Etat. Die Verträge mit den Spielerinnen sind obsolet, nur Inka Grings hat ein gültiges Arbeitspapier. Man wolle gleich wieder oben angreifen, versprach Kirmse nach dem Abstieg. Ob das dazu passende Personal überhaupt auf dem Markt ist?

Auch das Ambiente wird nur noch zweitklassig sein. Aus dem PCC-Stadion in Homberg, in das zu besten Zeiten rund 3000 Zuschauer kamen, geht es auf die Vereinsanlage des FCR im Stadtteil Hüttenheim. Weit weg von den Zeiten, als die Honoratioren der Stadt sich im Ruhm des Europapokalsieges sonnten und im VIP-Raum den Frauenfußball priesen. Sechs Jahre ist das nur her.