Das aktuelle Wetter NRW 9°C
Kommentar

Löws Elf kann noch deutsch

05.06.2011 | 20:06 Uhr
Bundestrainer Joachim Löw

Wien.   Das Publikum erwartet Tempofußball und spielerische Höhepunkte. Gemessen an diesen Kriterien, war der Auftritt in Österreich enttäuschend. Doch der Erfolg zeigt: Die deutsche Elf hat die alten Tugenden nicht verloren.

Das sei „typisch deutsch“ gewesen, sagte Nationalelf-Manager Oliver Bierhoff nach dem glücklichen 2:1-Sieg der DFB-Elf im EM-Qualifikationsspiel in Österreich. Die entscheidende Frage aber lautet: Wie findet man das?

Früher galt es als deutsche Eigenart, dass die Nationalelf oftmals weder schön noch gut spielte, aber ebenso oft zumindest erfolgreich. Inzwischen aber ist das deutsche Fußball-Publikum verwöhnt, erwartet Tempofußball und spielerische Höhepunkte. Gemessen an diesen Kriterien, war der Auftritt am Freitag in Wien enttäuschend.

Aber andererseits zeigt der Erfolg auch: Die deutsche Nationalelf hat sich in jüngster Zeit fußballerisch entwickelt – ohne zur Not, wie am Freitag, die alten Tugenden zu verlieren. Sie kann auch solche weitgehend schmucklose, hart umkämpfte Partien mit einem Lucky Punch in letzter Minute gewinnen.

„Man kann sich das Glück auch verdienen“, hat Kapitän Philipp Lahm konstatiert. Man kann dies auch als zusätzliche Qualität begreifen. Denn keine Mannschaft der Welt, auch nicht die viel gerühmten Spanier, spielt jede Partie so, als sei sie der FC Barcelona (was nicht einmal Barca selbst schafft). Es gibt also wenig Grund, die deutsche Mannschaft unnötig zu zeihen. Die Truppe schleppt sich nach einer kräftezehrenden Saison ein wenig in die Sommerpause, doch die Statistik stimmt.

Das Beste daran: Nach dem zu erwartenden Sieg in Aserbaidschan am Dienstag und der damit de facto verbundenen EM-Qualifikation hat Bundestrainer Joachim Löw ein Jahr Zeit, sein Team spielerisch, personell fortzuentwickeln, es vorzubereiten auf das Duell mit den Spaniern. Denn der Welt- und Europameister ist der Maßstab, der EM-Titel 2012 der – zugegeben hohe – Anspruch, den Bundestrainer Joachim Löw selbst formuliert hat.

Gomez-Doppelpack sichert glückliches 2:1

Löw hat ganz sicher erkannt, dass ihm noch einige offene Baustellen verbleiben. Die Besetzung der Innenverteidigung darf als offen gelten , nachdem der vormalige WM-Held Arne Friedrich erneut nicht überzeugen konnte. Mit dem zu erwartenden Wechsel von Philipp Lahm auf die linke Außenverteidiger-Position klafft rechts hinten eine Lücke, der über Jahre gesetzte Lukas Podolski verrät auf der linken Außenbahn derzeit einige Schwächen – und niemand weiß, ob das ewige Bankdrücker-Dasein nicht auch bei einem Miroslav Klose Spuren hinterlassen hat.

Löw aber darf beruhigt sein: Die EM-Mannschaft 2012 wird kein Abklatsch der WM-Elf 2010, die weitgehend konkurrenzlos auf Höchstleistung getrimmt werden musste. Die Bundesliga offeriert genügend Spielermaterial, um Alternativen aufzubauen und das Team durch die Konkurrenz-Situation nachhaltig zu verstärken. Die deutsche Elf anno 2012 wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit stärker sein als die Elf 2010 – mit einem Plus an Erfahrung und zudem einer starken Ersatzbank.

Gomez schießt Deutschland zum Sieg

Und dazu kommt dann bei der EM ja noch, na klar, der ewige Mythos der „Turniermannschaft“. Typisch deutsch eben. Schöne Aussichten.

Dirk Graalmann



Kommentare
Aus dem Ressort
Schmidt fordert Rot für Schalkes Höger - Heldt rügt Ayhan
Stimmen
Nach der 0:1-Niederlage des FC Schalke 04 bei Bayer Leverkusen freute sich Leverkusens Trainer Roger Schmidt zwar über die drei Punkte, aber er tadelte Schalkes Mittelfeldspieler Marco Höger für ein Foul in der ersten Hälfte. Schalke-Manager Horst Heldt kritisierte Kaan Ayhan. Wir haben die Stimmen.
Warum sich Huntelaar nach Schalkes 0:1-Pleite Vorwürfe macht
Splitter
Nach der 0:1-Niederlage bei Bayer Leverkusen übte Schalke-Stürmer Klaas-Jan Huntelaar Selbstkritik, weil er in der 35. Minute stehen blieb und nicht versuchte, einen Elfmeter herauszuholen. In unseren Splittern geht es außerdem um Boateng, Matip, Papadopoulos und Tönnies.
Meyer gegen Di Matteo - Droht der erste Schalke-Konflikt?
Meyer
Auch im dritten Spiel unter Roberto Di Matteo saß Schalkes Mittelfeld-Talent Max Meyer zunächst nur auf der Bank. Ein Gespräch mit dem neuen Coach habe er noch nicht geführt, erklärte Meyer nach der verdienten 0:1 (0:0)-Niederlage bei Bayer Leverkusen.
"Der helle Wahnsinn" - Hummels kann BVB-Krise nicht erklären
BVB-Stimmen
Königsklasse hui, Alltagsgeschäft pfui. Nach vier Niederlagen in Serie - der fünften aus den letzten sechs Spielen - versteht Borussia Dortmund die Bundesliga-Welt nicht mehr. Bender spricht von einer "neuen Situation" für die Borussia, über Saisonziele will Marco Reus nicht reden. Die Stimmen.
St. Pauli kassiert deftige Heimpleite gegen den KSC - 0:4
2. Bundesliga
Der FC St. Pauli bleibt kleben im Tabellenkeller der 2. Fußball-Bundesliga. Die Hamburger verloren am 11. Spieltag ihr Heimspiel gegen den Karlsruher SC klar und deutlich mit 0:4. Hiroki Yamada (18., 89.), Rouwen Hennnings (31.) und Selcuk Alibaz (80.) erzielten die Treffer für den KSC.
Umfrage
Dortmund in der Krise - Kann der BVB seine Saisonziele noch erreichen?

Dortmund in der Krise - Kann der BVB seine Saisonziele noch erreichen?