Löw will Spannung in DFB-Elf weiter hochhalten

Deutschland - Oesterreich
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Trotz der souverän gemeisterten EM-Qualifikation fordert Joachim Löw von seiner Elf, auch die zwei noch ausstehenden Spiele zu gewinnnen. Der Bundestrainer über die Gala gegen Österreich, die Konkurrenz im Team und die Chancen für 2012.

Gelsenkirchen.. Herr Löw, Ihre Mannschaft hat vorzeitig die EM-Qualifikation sicher. Wie beurteilen Sie diese Leistung?


Joachim Löw: Wir haben die Qualifikation souverän geschafft, früher geht es nicht. Die Mannschaft hat Großartiges geleistet. Wir können stolz sein, wie wir nach einer anstrengenden und schwierigen WM die Qualifikation gemeistert haben. Wir haben bislang alle acht Spiele in der Qualifikation gewonnen, was absolut bemerkenswert ist. Das ist schon eine Klasseleistung.


Beim 6:2 gegen Österreich brannte Ihre Mannschaft teilweise ein Feuerwerk ab, beim 2:1 im Hinspiel hatte sie sich drei Monate zuvor bedeutend schwerer getan. Können Sie diesen Unterschied erklären?


Löw: Im Juni sind wir nach einer langen Saison auf dem Zahnfleisch gekrochen, und Österreich hat zudem gut gespielt. Diesmal sind wir aber in der Anfangsphase einer neuen Spielzeit und bedeutend frischer. Wir waren Österreich in allen Belangen überlegen. Wir haben den Gegner über 90 Minuten nicht atmen lassen und ihn 90 Minuten unter Druck gesetzt. Die Mannschaft hat klasse umgesetzt, was ich von ihr verlangt habe.


Die EM-Qualifikation ist geschafft, wie planen Sie nun weiter hinsichtlich der Endrunde in Polen und der Ukraine?


Löw: Ich habe jetzt den Vorteil, dass ich das eine oder andere ausprobieren kann. Zudem kann ich einigen Spielern, die zum Beispiel in der Champions League gefordert sind, mal eine Pause geben. Wir wollen aber auch noch unsere beiden letzten Qualifikationsspiele in der Türkei und gegen Belgien gewinnen, denn es ist noch nie einer deutschen Mannschaft gelungen, alle EM-Qualifikationsspiele zu gewinnen. Wir wollen die Spannung weiter hochhalten, auch wenn uns das möglicherweise nicht immer gelingen kann.


Werden Sie möglicherweise schon am Dienstag in Danzig gegen Polen experimentieren?


Löw: Die Wahrscheinlichkeit, dass eine andere Mannschaft als gegen Österreich aufläuft, ist groß. Der eine oder andere Spieler, der gegen Österreich von Beginn an gespielt hat, wird zunächst auf der Bank sitzen.


Inwieweit hat Ihre Mannschaft nach dem dritten Platz bei der WM in Südafrika noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht?


Löw: Wir wollen uns immer weiterentwickeln, das ist ein ständiger Prozess, der schon seit einigen Jahren läuft. Ich habe heute aber im Gegensatz zu früher viel mehr gute Spieler zur Verfügung, was den Konkurrenzkampf erhöht und damit der Leistung förderlich ist.


Vor fünf Jahren haben Sie ebenfalls in Gelsenkirchen beim 3:0 gegen Schweden Ihr Debüt als Cheftrainer gegeben. Was hat sich seitdem verändert?


Löw: Ich habe heute viel mehr Möglichkeiten. Unser Kader ist in der Breite qualitativ sicherlich besser besetzt als damals. Wir können heute jede Position adäquat ersetzen.


Würden Sie schon behaupten, dass Ihre Mannschaft derzeit den besten Fußball in Europa spielt?


Löw: „Wir stehen seit Jahren konstant an der Weltspitze, dadurch sieht man, dass wir eine sehr, sehr gute Mannschaft haben. Wir haben uns sicherlich weiterentwickelt und sind auf einem guten Weg. Aber wir haben in Europa noch einige andere Nationen, die bei der EM zum Favoritenkreis zählen. Dazu gehören Spanien und Holland, die auch permanent ihre Spiele gewinnen. Zudem hat Portugal eine gute Mannschaft, aber auch England und Frankreich sind nach wie vor nicht zu unterschätzen. Aber wir gehören schon auch zu den besten Mannschaften der Welt, das haben wir zuletzt bewiesen.“ (sid)