Kühne-Investition birgt für den HSV auch Gefahren

Steigt bei der HSV-Fußball AG ein und gibt dem Verein seinen alten Stadionnamen zurück: Klaus-Michael Kühne.
Steigt bei der HSV-Fußball AG ein und gibt dem Verein seinen alten Stadionnamen zurück: Klaus-Michael Kühne.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Man gebe einem Klub seinen Stadionnamen zurück - und schon ist ein bisher kritisch beäugter Investor für viele ein Traditionsbewahrer. Ein Kommentar.

Essen.. In Zeiten, da Fußballstadien „Schauinsland-Reisen-Arena“, „Rewirpower Stadion“ oder „Signal Iduna Park“ heißen, kann sich jeder Verein des Beifalls sicher sein, wenn er sich seiner Wurzeln erinnert und seiner Heimstätte ihren Traditionsnamen zurückgibt. Unter Imageaspekten gelang HSV-Investor Klaus-Michael Kühne folglich ein respektabler Coup, indem er den Bundesliga-Dino wieder im „Volksparkstadion“ spielen lässt.

Viel mehr Positives lässt sich freilich am Einstieg des 77-Jährigen Milliardärs in die HSV Fußball AG (noch) nicht entdecken. Sobald im Profifußball von einer „Herzensangelegenheit“ (Kühne) geredet wird, ist eher Skepsis denn Ergriffenheit angesagt. Erhöht sich doch, so es sich um einen Spieler handelt, blitzartig die Wahrscheinlichkeit, dass dessen Herz schon bald für einen anderen Klub schlägt.

Beiersdorfer rühmt Kühne als "echten HSV-er"

Nun ist dies bei Kühne nicht zu erwarten. Aber dass der Unternehmer kühl bis ans Herz agiert, ist unstrittig. Mag ihn HSV-Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer auch als „echten HSV-er, verlässlichen Begleiter und wirklichen Unterstützer“ rühmen – zu allererst hat Kühne, einmal mehr die Notlage des klammen Klubs ausgenutzt, um seine Bedingungen zu diktieren. Sein 7,5-Prozent-Anteil hätte ihn im Dezember jedenfalls mehr Geld gekostet.

HSV Klar: Dass ein Investor Gewinn machen will, liegt in der Natur der Sache. Die Frage ist im Profifußball nur: Wie steht es um das Wohl eines Vereins, der im schlimmsten Fall am Tropf seines vermeintlichen Gönners hängt? Während seiner Geschäftsbeziehung mit Kühne hat der HSV bereits leidvolle Erfahrungen damit gemacht.

Man muss mit BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke nicht immer übereinstimmen. Aber in seiner auf Kühne gemünzten Einschätzung liegt er richtig. Ein Investor, so Watzke unlängst in Sport-Bild, „der lediglich Macht ausspielen möchte“ und „der zu jedem Sachverhalt seinen Senf abgibt, ist für jeden Traditionsklub tödlich.“

Beim HSV, wo die Verantwortlichen seit Jahren keinen Fehler ausgelassen haben, täten sie gut daran, den aktuellen Deal nicht zu laut zu bejubeln. Sondern lieber darauf zu achten, dem plötzlich als Traditionsbewahrer auftretenden Investor Kühne seine Grenzen aufzuzeigen.