Knüwe weg - Mitarbeitern gekündigt
16.05.2008 | 22:15 Uhr 2008-05-16T22:15:34+0200Siegen. Bei Sportfreunde Siegen bleibt derzeit kein Stein auf dem anderen. ...
... Der Sportliche Leiter Heinz Knüwe legte dem Verein am Donnerstag seine sofortige fristlose Kündigung auf den Tisch, am gleichen Tag kündigte der Vereinsvorstand den langjährigen Mitarbeitern in der Geschäftsstelle. Erst der Vorstand, dann Trainer Marc Fascher und nun auch noch der Sportliche Leiter Heinz Knüwe - die Sportfreunde kommen in einer der wichtigsten Phasen der Vereinsgeschichte nicht zur Ruhe. Dass nun auch noch der Sportliche Leiter das Handtuch wirft, ist nur vom Zeitpunkt her eine Überraschung - von der Sache her war die Entscheidung des 52-Jährigen schon beinahe überfällig.
"Gegen meinen Vertrag verstoßen"
Schon beim erzwungenen Rücktritt des Vorstandes um den Ex-Vorsitzenden Christoph Hansen machte Knüwe gute Miene zum Spiel. Als dann aber auch noch - wie erwartet und vom Aufsichtsrat "empfohlen" - Trainer Marc Fascher beurlaubt wurde, ohne dass er als Vorgesetzter des Trainers über die Entscheidung des Vorstandes informiert worden war, machte das Fass randvoll.
Das überlaufende Wasserfass zum Pulverfass machte dann die Entscheidung des jetzigen Vorstandes mit dem neuen Vorsitzenden Manfred Hambloch, den beurlaubten Marc Fascher durch Peter Nemeth zu ersetzen. Heinz Knüwe hatte dem langjährigen Kapitän der Sportfreunde zwar große Verdienste um den Verein zuerkannt, ihm jedoch die Fähigkeiten, eine Mannschaft zu führen und taktisch einzustellen, kurzum Trainerkenntnisse, abgesprochen. Die Zündschnur war gelegt - und dann war es die nicht abgesprochene Verbannung von Abwehrspieler Daniel Bogusz, die die Flamme an die Lunte legte.
Bereits nach dem Spiel gegen den Karlsruher SC II (2. Mai) hatte Heinz Knüwe dem jetzigen Vereinsvorstand mitgeteilt, dass Entscheidungen getroffen wurden, die zum Aufgabenbereich des Sportlichen Leiters gehören, dazu möge sich der Vorstand bitte erklären. Heinz Knüwe gestern gegenüber der WR: "Ich habe die Frist gewahrt. 14 Tage habe ich nichts gehört. Fakt ist: Die Vereinsführung hat gegen wichtige Passagen meines Arbeitsvertrages verstoßen. In der Trainerfrage wurde entschieden, ohne den Sportlichen Leiter zu befragen, das geht einfach nicht. Es gibt keine Basis mehr", sagte der 52 Jahre alte Ex-Profi (210 Bundesliga-Spiele für den VfL Bochum und Hannover 96), der am 8. Mai 2007 in Siegen die Sportliche Leitung als Nachfolger von Harald Gärtner übernommen hatte.
Heinz Knüwe hatte am Donnerstag gegen 16.30 Uhr beim Vorsitzenden Manfred Hambloch um ein Gespräch gebeten - das Dreier-Gespräch mit einem Anwalt hatte dann die sofortige Auflösung des Arbeitsvertrages als Ergebnis.
Dass die Nachricht schon Stunden später wie ein Lauffeuer durchgesickert ist, obwohl im Gespcäh Stillschweigen vereinbart wurde, kommentierte Knüwe so: "Mich wundert das nicht. Interne Aufsichtsratssitzungen, geheime Vorstandssitzungen, in Siegen bleibt keine Entscheidung lange geheim."
Thielmann springt kommissarisch ein
Trainer Peter Nemeth soll die Nachricht vom Weggang seines "Chefs" von einem Fan beim Donnerstagabend-Training erfahren haben. Nemeth musste sich dann vom Vorstandsvorsitzenden Manfred Hambloch die Kündigung Knüwes bestätigen lassen.
Kommissarisch übernimmt Günter Thielmann die Aufgaben des Sportlichen Leiters.
Am Donnerstag wurden aber auch noch andere zukunftsweisende Entscheidungen bei Sportfreunde Siegen getroffen. So ist allen Mitarbeitern der Geschäftsstelle fristgerecht gekündigt worden. Diese Kündigungen betreffen Karin Donath (Buchhaltung), Martin Reimann (Organisationsleiter/Sicherheitsbeauftragter), Fritz Reuter (Marketing/Sponsoring), Reinhold Boldt (Zeugwart) und Manuela Boldt (Wäschefrau). Auf Nachfrage der WR-Sportredaktion teilte Manfred Hambloch mit: "Es sind vorsorgliche Kündigungen, fristgerecht, je nachdem wie lange jemand hier beschäftigt war. Wir wissen ja nicht, wie es sportlich weitergeht."
Diese Kündigungen sind unabhängig von der Liga-Zugehörigkeit. "Dies ist arbeitsrechtlich gar nicht anders zulässig. Wir können da keine Klausel einbauen", so Ham-bloch. Es gebe halt "nicht ein bisschen schwanger". Ob die Mitarbeiter in Liga Drei wieder eine Zukunft im Verein hätten, ließ Hambloch offen.
Eine Auflösung der Geschäftsstelle nach jetzigem Zuschnitt ist zu erwarten.
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