Kimmich: Mär vom Pep-Besuch und Ärger mit dem "h"

Joshua Kimmich nutzte die Gelegenheit, um eine Mär aus der Welt zu schaffen.

Prag.. Es stand geschrieben, erzählte ein Journalist auf der Pressekonferenz der deutschen Fußball-Junioren während der U21-EM, dass Pep Guardiola ihn und seine Eltern im Heimatort Bösingen besucht habe. Wie sei denn der Besuch gewesen? "Das habe ich auch gelesen", sagte Kimmich. "Stimmt aber nicht."

Richtig sei, dass "Herr Guardiola" und Bayerns Sportvorstand "Herr Sammer" persönlich mit dem Mittelfeldspieler, der bei der EM in Tschechien bisher zu den überragenden Figuren im Team von Trainer Horst Hrubesch gehört, und dessen Eltern sprachen. "Da gab's das Gespräch, was mich überzeugt hat", sagte der 20-Jährige. 8,5 Millionen Euro Ablösesumme an Rechte-Inhaber VfB Stuttgart war den Bayern der Sechser angeblich wert. Von RB Leipzig taucht Kimmich in eine "neue Welt" ein.

Besser hätte er den Kontrast nicht beschreiben können. Neben dem großen Talent zeichnen Joshua Kimmich Fleiß und Hartnäckigkeit aus. Auf dem Platz profitieren bei der EM alle Mitspieler. Kimmich füllt die Rolle des Sechsers komplett aus: gutes Stellungsspiel, großes Laufpensum, pfiffiges Zweikampfverhalten, gutes Auge für die Nebenleute und ein guter öffnender Pass.

"Er räumt viel ab und schaltet blitzschnell um. Wenn er sich weiter so entwickelt, kann er für jede Mannschaft der Welt sehr wichtig werden", sagte sein Nebenmann Emre Can dem "Kicker". Can war selbst bei den Bayern und wechselte über Leverkusen nach Liverpool.

Kimmich will sich in München durchsetzen - und bringt dieses Ansinnen auch forsch rüber. "Ich bin ein junger Spieler und möchte spielen - und das auch bei Bayern München. Klar ist Schweini ein großes Vorbild von mir. Ab der kommenden Saison sind wir Mitspieler - und gewissermaßen auch Konkurrenten", sagte er.

Ob er diese Aussage über einen Weltmeister wie Bastian Schweinsteiger bewusst machte, ist nicht bekannt. Seinen Weg ging er bewusst - trotz aller Unbequemlichkeiten. Vater Berthold fuhr ihn täglich von Bösingen zum Training beim VfB Stuttgart - 220 Kilometer. 2013 folgte der Wechsel nach Leipzig, 2014 der Aufstieg in die 2. Liga. Im August jenes Jahres gab es den Erfolg bei der U19-EM im Finale in Ungarn.

Kimmich sagt, dass alles ein Ergebnis harter Arbeit ist. "Es ist wichtig, dass man Ehrgeiz mitbringt. Immer ein bisschen mehr machen, weil es die Voraussetzung ist, sich weiterzuentwickeln und weiterzukommen in dem Sport", sagte er. Sein Weg führt nun aus der Leipziger WG mit dem dänischen Junioren-Nationalspieler Yussuf Poulsen in die Welt der Schweinis, Müllers, Neuers und Götzes. Dort bezieht er eine WG mit Schwester Deborah.

Die Anekdote zu seinem Vornamen bestätigte Kimmich. Das "h" quält Mutter Anja. Kimmich: "Meine Mutter bereut es, dass sie ein 'h' da rein gesetzt hat. Das hatte eher optische Gründe. Sie wollten eigentlich, dass ich Josua heiße, der Name aus der Bibel."