Jupp Heynckes und der letzte Eindruck

Gerührt: Heynckes bei seiner Abschieds-Pressekonferenz in München.
Gerührt: Heynckes bei seiner Abschieds-Pressekonferenz in München.
Foto: Michael Dalder / Reuters
Was wir bereits wissen
Wie jemand wahrgenommen wird, hängt in unserer Gesellschaft vor allem von seinem Erfolg ab. Der persönlichen Entwicklung von Fußballtrainer Jupp Heynckes würde es aber nicht gerecht, seine gestiegenen Sympathiewerte in erster Linie auf die grandiose Bayern-Saison zurückzuführen. Ein Kommentar.

Essen.. Für den ersten Eindruck gibt es zwar, wie ein geflügeltes Wort verheißt, keine zweite Chance. Aber er lässt sich gleichwohl und gottlob im Laufe eines Leben korrigieren. Am Ende gilt: Der letzte Eindruck bleibt.

Auf Jupp Heynckes bezogen, heißt dies: Wäre der Fußballtrainer vor vier Jahren nicht vom FC Bayern aus dem Vorruhestand geholt worden, die Fußballwelt hätte ihn in Erinnerung behalten als Coach mit begrenztem Erfolg, den zuletzt die Zeit überholt zu haben schien. Ein grandioses Jahr in München jedoch hat alles verändert, auch die Wahrnehmung des Menschen Heynckes. Bis dato als eher spröde bis verkniffen geltend, rührte der inzwischen 68-Jährige mit bewegenden Auftritten plötzlich sogar die Herzen von Fans, die dem FC Bayern nicht gerade wohlwollend gegenüberstehen.

Klar, in einer Gesellschaft, die den Erfolg wie einen Götzen anbetet, hängt die öffentliche Bewertung einer Person gerade im Fußball vor allem von Ergebnissen ab. Aber es würde der persönlichen Entwicklung von Heynckes nicht gerecht, seine sprunghaft gestiegenen Sympathiewerte allein auf die selbst für Bayern-Verhältnisse beispiellose Saison zurückzuführen.

Ein Denkmal ist seine Sache nicht

Weil dem Mann seine Distanzierung vom Showbusiness Fußball abzunehmen ist, darf vermutet werden, dass ihm manche Lobeshymne selbst suspekt erscheint. Ein Denkmal, wie es Kaiser Franz in seiner unnachahmlichen Art für König Jupp schon gefordert hat, ist seine Sache jedenfalls nicht. Für die Heiligsprechung in München kommt – wenn man die innige Umarmung des bayrischen Ministerpräsidenten mit dem FC-Bayern-Präsidenten nach dem Pokalfinale in Berlin richtig interpretiert – ohnehin nur eine Person in Frage, die neben Heynckes auf dem Podium der Allianz-Arena saß: Uli Hoeneß.