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Jörg Berger hat bis zuletzt gekämpft

Jörg Berger hat bis zuletzt gekämpft

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Foto: imago sportfotodienst

Essen. 

Jörg Berger, ehemals Fußball-Trainer ist im Alter von 65 Jahren gestorben. Er erlag einem Krebsleiden, gegen das er seit vielen Jahren angekämpft hatte.

Er hat alles versucht – auch wenn die Krebs-Diagnose wenig Raum für Hoffnung ließ. Aber Jörg Berger nahm selten etwas hin, „nur“ weil es unvermeidlich zu sein schien. Über den Fußball-Trainer Jörg Berger, der am Dienstag im Alter von 65 Jahren seinem langen Leiden erlag, wird wohl vor allem der Satz des Frankfurter Eintracht Profis Jan-Aage Fjörtoft in Erinnerung bleiben. „Dieser Mann“, so der Norweger nach dem unglaublichen Finale der Bundesliga-Saison 1998/1999, „hätte auch die Titanic gerettet.“ Aber diesmal gab’s keine Rettung mehr, nicht mal für Jörg Berger.

Als der ehemals designierte Nachfolger von DDR-Staatstrainer Georg Buschner 1979 in den Westen floh, fing er zunächst in der 2. Liga an. Darmstadt 98 und SSV Ulm hießen die ersten beiden seiner zahlreichen Trainer-Stationen. In der Bundesliga kam Berger 1981 als Coach von Fortuna Düsseldorf an.

Was außer den sportlichen Resultaten jener Jahre vielen in Erinnerung blieb: Mit seinem Riesen-Repertoire an DDR-Witzen unterhielt Berger dort auch größere Gesellschaften bis spät in die Nacht.

Auch wenn ihn sein beruflicher Weg später in alle möglichen Städte führte, blieb die Region um Düsseldorf seine Heimat. Ehefrau Chris und drei Kinder bleiben in Duisburg-Rahm zurück.

„Meine zwei Halbzeiten“ heißt die Biografie, die Jörg Berger 2009 veröffentlichte (Verlag Rowohlt), Untertitel: „Ein Leben in Ost und West“. Darin schildert er unter anderem, wie er auch nach seiner Flucht im Visier der Stasi blieb. Sogar einen Giftanschlag sollen Mitte der 80er Jahre die DDR-Fahnder auf ihn versucht haben.

Als Fußball-Trainer blieb Berger stets der „Feuerwehrmann“, der Mann für beinahe hoffnungslose Fälle. Seine besten Resultate: Zwei dritte Plätze in der Bundesliga-Abschlusstabelle mit Eintracht Frankfurt (1990) und dem FC Schalke 04 (1996). Auf seiner allerletzten Trainerstation konnte er aber 2009 den Bundesliga-Abstieg von Arminia Bielefeld nicht verhindern. Allerdings hatten ihn die Ostwestfalen erst vor dem letzten Spieltag verpflichtet.

Bundesliga-Geschichte wird das 5:1 mit Eintracht Frankfurt über den 1. FC Kaiserslautern von 1999 bleiben, durch das die Hessen im letzten Spiel dem fast schon sicheren Abstieg entgingen. „Man muss das Unmögliche anstreben, um das Mögliche zu erreichen“, hatte er einst auf eine Tafel in der Kabine geschrieben. Es war Bergers Lebensmotto. Bis es nicht mehr ging.