Jatta könnte erster Flüchtling mit Profivertrag werden

Offensivspieler Bakery Jatta (r.) trainiert mit dem Hamburger SV.  Der junge Fußballer ist Flüchtling und kommt aus Gambia.
Offensivspieler Bakery Jatta (r.) trainiert mit dem Hamburger SV. Der junge Fußballer ist Flüchtling und kommt aus Gambia.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Bakery Jatta aus Gambia soll einen Profivertrag bei den Fußballern des Hamburger SV unterschreiben. Er dürfte nicht der letzte Zuwanderer sein.

Essen/Belek.. Plötzlich standen sie da. Zwei Flüchtlinge, die Fußball spielen wollten – und das beim Dortmunder Vorortverein Sportfreunde Nette. „Der ganze Klub hat ihnen geholfen, Klamotten gesammelt, sie bei der Wohnungssuche unterstützt“, sagt René Pusch, Trainer der ersten Mannschaft, die in der Kreisliga B antritt. Die beiden wiederum haben dem Team geholfen und Tore geschossen, so dass einer der beiden nun sogar zwei Klassen höher spielt.

Das kleine Dortmunder Fußballmärchen soll sich auf der großen Fußball-Bühne wiederholen. Der Hamburger SV will Bakery Jatta an sich binden: einen Flüchtling aus Gambia, angeblich erst 17 Jahre alt und seit sechs Monaten in Bremen untergebracht. Den Medizincheck hat er erfolgreich absolviert und beim Probetraining überzeugt, nun fehlt nur noch die Vertragsunterschrift. Es wäre der erste Flüchtling, der die Möglichkeit bekommt, Bundesliga-Luft zu schnuppern. Und vielleicht nicht der letzte.

Der Flüchtlingswelle verändert die deutsche Fußball-Landschaft.

Zahl der Ausländer stark gestiegen

30.000 Ausländer haben im vergangenen Jahr einen Spielerpass beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) beantragt. Vor drei Jahren waren es noch 14.000. „Allerdings können wir nicht sagen, ob der Spielerpass für einen Flüchtling oder einen Ingenieur aus Schweden gilt“, erklärt Thomas Hackbarth von der Öffentlichkeitsstelle des DFB. Der Zusammenhang zur Flüchtlingswelle liegt aber nahe.

Der DFB sieht seine 26.000 Vereine als Integrationshelfer, gerade deswegen soll die Spiel-Erlaubnis möglichst unbürokratisch zu beantragen sein.

Kontrolle mit Mängeln

Ein Problem dabei ist die Altersangabe. Damit große Talente nicht als zu jung eingestuft werden, müssen die Profiklubs von der ersten bis zur vierten Liga das Alter eines Flüchtlings überprüfen. Die Anfrage wandert vom Heimatverband zum DFB, der wiederum bei der Fifa die Überprüfung in die Wege leitet. Eine Kontrolle, die Mängel hat. „Aus Syrien und Afghanistan haben wir lange keine Antwort erhalten, die Spieler dürfen nach 30 Tagen trotzdem spielen“, erklärt Hackbarth.

Auch die Vertragsmodalitäten von Bakery Jatta sind kompliziert, einen Profi-Vertrag darf er als Flüchtling vor seinem 18. Geburtstag nicht unterschreiben. Dass ihn dieses letzte Hindernis nicht schocken wird, zeigt die Anekdote vor seinem ersten Einsatz in der U 23 von Werder Bremen. Als ihm sein Betreuer sagte, er brauche nicht nervös zu sein, habe er nur gelacht: Wer Todesangst auf dem offenen Meer verspüre, den beunruhige doch kein Fußballspiel.