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WM 2011

Japan erfreut sich an Sieg gegen Mexiko

01.07.2011 | 23:04 Uhr

Leverkusen.  Die japanischen Fußballfrauen schenken ihrem gebeutelten Land ein bisschen Freude. Diesmal mit einem 4:0 gegen Mexiko in Leverkusen. Homare Sawa erzielte drei Tore - japanischer Rekord.

Taiki und Naotaka haben es gewusst. „Wir finden die Zehn gut“, haben sie gesagt, „und auch noch die Acht.“ Sie haben die Nummern an den Fingern abgezählt und eine kleine Verbeugung dabei gemacht. Was sie vielleicht nicht wussten, diese 13-jährigen Jungs aus Japan, waren die Namen hinter den Zahlen: Homare Sawa und Aya Miyama. Anzunehmen, dass sie die nicht mehr vergessen werden nach dem sechsten Spieltag der WM, denn Homare Sawa hat an diesem Nachmittag in Leverkusen drei Tore geschossen: japanischer Rekord! Zweimal haben die Acht und die Zehn dabei dasselbe gemacht: Miyama flankt von links, Sawa köpft ein.

In der 13. und in der 39. Minute passiert das, das 1:0 und das 3:0 gegen Mexiko. In der 15. marschiert noch Shinobu Ohno furchtlos durch die Abwehr, Sawa macht in der 80. den Sack zu, die vielen Chancen, Außennetze, Latten gar nicht gezählt – und jedes Mal ist da ein Kreischen und Jubeln, dass man sich ein wenig wundern will. Aber Taiki hat auch das vorausgesehen: „Natürlich“, hat er gesagt, eines der deutschen Wörter, die der Schüler aus Osaka kann, „Japaner feiern genauso wie ihr.“

Im Kimono oder Kagawa-Trikot

Und es sind viele gekommen zur dritten Partie der Gruppe B, im Kimono oder im schwarz-gelben Trikot des Shinji Kagawa, im blauen Leibchen ihrer Fußballdamen oder im weißen der Herren, mit Flaggen und Fähnchen. Und nur ganze vier von ihnen reisten dafür dieselben 9000 Kilometer wie ihre Mannschaft, die da unten den Mittelamerikanerinnen kaum die Luft zum Atmen lässt, geschweige denn zum Angreifen. Die vier können nicht erzählen warum, sie sprechen kein Englisch und haben auch gerade keine Zeit; sie müssen trommeln und „Go, go, Nippon!“ rufen. Die anderen kommen aus Düsseldorf. Eine Ehrensache für die japanische Gemeinde, für die japanische Schule, für den japanischen Club, alle da, sie fotografieren viel und telefonieren viel und erfüllen damit wenigstens ein paar Klischees.

„Wir sind da, um Japan zu unterstützen“, sagt Yukari Uchima. Sie findet, das Land brauche endlich gute Nachrichten statt immer nur tragische, das Beben, die Welle, der Gau – ein zweiter Sieg nach dem über Neuseeland wäre „eine gute Gelegenheit zum Aufmuntern“.

"Yes, we can!"

Dass dieser Sieg kommen würde, hat auch Yukari vorher gewusst, obwohl sie noch nie eine Weltmeisterschaft gesehen hat. Oder Naotoka mit seinem „Yes, we can“! Ishikawa, der hätte noch einen Gegentreffer erlaubt, „einen darf man kassieren“, der Japaner an sich ist ja bescheiden. Chigusa sagt, dass sie Fußball mag, aber noch nie Frauen hat spielen sehen, aber für den guten Zweck . . . „Japan ist sehr down“, sagt sie, die gerade Europa bereist (Rom, Zürich, Leverkusen), „wir wollen Hoffnung.“

Die hatte auch Mexiko noch vor dem Anpfiff, „wir können hier etwas Besonderes erreichen“, sagte Trainer Leonardo Cuellár nach dem Unentschieden gegen England. Aber dann sieht man ihn schimpfen am Spielfeldrand, wütend schlägt er die Hände auf die Knie, als bei seinen Frauen nach vorn einfach nichts gehen will und selbst Maribel Dominguez, die sie doch „Marigol“ nennen daheim, dem Tor nicht einmal nahe kommt. Und Kollege Norio Sasaki sitzt da so höflich auf der Bank und applaudiert den Toren.

Hauptsache Leverkusen

Im Stadion sind die „Mexiko-Rufe“ da fast verstummt, sie sind hier jetzt alle Japaner, man ist da flexibel bei so einer Frauen-WM. Für wen soll man sein, wenn man von 22 Spielerinnen keine kennt, an diesem Tag ist Roter Punkt gegen Sombrero, das Team „Nagashiko“ gegen die Mannschaft „El Tri“, Peter Alexanders „Mexiko Mi Amor“ gegen Alphavilles „Big in Japan“. Japan oder Mexiko, Hauptsache Leverkusen. Man muss sich bloß entscheiden.

Eine Grundschulklasse hat kurzfristig Seiten aus dem Matheheft gerissen und Buchstaben gemalt: „M-E-X-I-C-O“, das Adenauer-Gymnasium sowie der SV Geilenkirchen lassen sich indes von den japanischen Trommeln anstecken. Und irgendwann tun das eben alle. „We are all you!“, steht auf einer Japan-Fahne, die japanische Gemeinde feiert und isst Currywurst. Nur der Trainer klagt über Fehlpässe: „Wir sind noch nicht bei hundert Prozent!“ Aber natürlich geht jetzt wieder das Wort vom „Geheimfavoriten“ um. Wobei man durchaus fragen darf, wo da das Geheimnis sein soll.

Annika Fischer

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