Italiens erste Pleite unter Conte hat Folgen

Seine erste Niederlage unter Nationalcoach Antonio Conte kassierte Italien in einem eigentlich unbedeutenden Testspiel - das aber schmerzhafte Konsequenzen haben könnte.

Rom.. Denn durch das 0:1 (0:0) gegen Portugal sind die Azzurri bei der Auslosung der Gruppen für die Qualifikation zur Fußball-WM 2018 in Russland vermutlich nicht als Gruppenkopf gesetzt. Der "Corriere dello Sport" schimpfte am Tag nach der Niederlage: "Der Fehltritt schließt uns von den Gruppenköpfen für die WM-Qualifikation aus", während "Tuttosport" kommentierte: "Conte, der erste K.o. könnte teuer werden."

Die "Gazzetta dello Sport" titelte: "Pleite in einem Match, das alles andere als ein Freundschaftsspiel war. Schmerhafter K.o. für Conte". Der Trainer wollte der Niederlage durch ein Tor von Sporting Bragas Eder (52. Minute) jedoch nicht zu viel Bedeutung beimessen. "Ich bin überhaupt nicht enttäuscht", sagte er. "Diese Spiele sind wichtig, weil sie uns helfen, zu wachsen und viele Dinge zu verstehen."

Für Conte, der mit seinem Team erstmals seit 39 Jahren wieder gegen Portugal verlor, war das Ranking für die WM-Qualifikation kein Thema. "Ich weiß nicht, warum Italien im Ranking hinter einigen Nationen steht, es muss an den Leistungen der Vergangenheit liegen", kommentierte er. "Natürlich freue ich mich nicht über die Niederlage, aber manchmal sind sie Teil eines Lernprozesses." Stürmer Manolo Gabbiadini ergänzte: "Es stimmt, dass es auch für das Ranking wichtig war, aber diese Partien sind dazu da, Erfahrungen zu sammeln."

Viel Kritik gab es im Land des viermaligen Weltmeisters vor allem am Sturm um Bundesliga-Profi Ciro Immobile von Borussia Dortmund. "Es ist offiziell: Vorne haben wir ein Problem. Der gefährlichste war mit Bonucci ein Verteidiger", spottete die "Gazzetta dello Sport". Der in München geborene Angreifer Nicola Sansone, der eingewechselt wurde und sein Debüt in der Nationalelf feierte, gab zu: "Wir hätten mindestens ein Tor machen müssen und den Ausgleich schaffen können."

Für die Portugiesen war der Triumph hingegen viel mehr als nur ein Testspielsieg - auch, weil der Prestigeerfolg ohne den geschonten Weltfußballer Cristiano Ronaldo gelang, der sein Team erst am Samstag in der EM-Qualifikation in Armenien mit einem Dreierpack zu einem 3:2-Sieg verholfen hatte. Trainer Fernando Santos kommentierte: "Man spricht immer so viel über unsere angebliche Ronaldo-Abhängigkeit. Heute haben wir aber gezeigt, dass wir ein echtes Team sind, wir haben mit und ohne Ball sehr gut gespielt und verdient gewonnen."

Mit Blick auf die EM 2016 in Frankreich warnten die Portugiesen die Konkurrenz: "Wir werden immer besser", meinte Torwart Beto, und Abwehrroutinier Bruno Alves schlug in die gleiche Kerbe: "Wir wachsen und wachsen. Es ist sehr wichtig, solche Spiele zu gewinnen. Man gewinnt so an Status." Auch Coach Santos hielt sich mit Lobeshymnen nicht zurück: "Der Geist im Team ist fantastisch. Diese Mannschaft will alles gewinnen und spürt, dass sie es auch schaffen kann."