Das aktuelle Wetter NRW 13°C
Nationalelf

In DFB-Team sind kaum noch Profis aus der früheren DDR

12.11.2012 | 23:16 Uhr
In DFB-Team sind kaum noch Profis aus der früheren DDR
Der Leipziger Rene Adler ist gerade in die Nationalelf zurückgekehrt.Foto: Joern Pollex/Getty Images

Essen.   Das DFB-Team ist zu einer Integrationsauswahl geworden – mit Spielern, die polnische, tunesische, ghanaische und bayerische Wurzeln haben. Nur Ostdeutsche sind kaum zu finden. Den Klubs im Osten fehlen sportliche und wirtschaftliche Möglichkeiten.

Wenn Franz Beckenbauer spricht, hört Deutschland zu. Sein Wort hat Gewicht. 1990, nach dem Gewinn des WM-Titels in Rom und kurz vor der am 3. Oktober vollzogegenen Einheit zwischen BRD und DDR, erklang die Stimme des Fußballkaisers. Mit damals noch dunkler Lockenpracht auf dem Kopf blickte er auf die blühenden Landschaften im deutschen Fußball: „Wir sind Nummer 1 der Welt. Jetzt kommen die Spieler aus Ostdeutschland dazu. Es tut mir leid für den Rest der Welt, aber wir werden in den nächsten Jahren nicht zu besiegen sein.“ Eine Aussage mit Nachhall.

Profis aus neuen Bundesländern avancierten zu DFB-Leistungsträgern

Nationalelf
DFB hilft gegen Niederlande wohl nur ein gutes Spiel

Es gibt Ärger um den Testspiel-Termin gegen die Niederlande. Und auch um die vielen Absagen von Spielern. Zudem sorgt der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger für Misstöne. Ein Kommentar.

Die Unschlagbaren wurden natürlich nicht unschlagbar. 1992 gab es eine Niederlage im EM-Finale. Bei der WM 1994 war im Viertelfinale Schluss. Immerhin: Profis aus den neuen Bundesländern avancierten beim DFB zu Leistungsträgern: Matthias Sammer, Ulf Kirsten, Jörg Heinrich oder Steffen Freund waren aber schnell zu Westklubs gewechselt und verdienten danach meist im Süden harte Währung. Ihnen folgte Michael Ballack, Kapitän und prägende Figur der Nationalelf.

Seit Ballack gibt es wenig Neues aus dem Osten. Das DFB-Team ist zu einer Integrationsauswahl geworden – mit Spielern, die polnische, tunesische, ghanaische und bayerische Wurzeln haben. Nur Ostdeutsche sind kaum zu finden, obwohl die nicht mehr ganz neuen Bundesländer mit 13,5 Millionen Bürgern eine respektable Personalbasis bieten. Bei der EM 2012 waren lediglich der gebürtige Magdeburger Marcel Schmelzer (24) und der Greifswalder Toni Kroos (22) im Kader. Beide kennen die DDR nur noch aus Geschichtsbüchern. Beide wechselten als Teenager, der Perspektive wegen, nach Dortmund (Schmelzer) und zu den Bayern nach München (Kroos).

Hertha BSC verabschiedete sich in die Zweitklassigkeit

Im Osten fehlen sportliche und wirtschaftliche Möglichkeiten sowie fußballerische Vorbilder. Nach dem Abstieg von Energie Cottbus 2009 ist keinem Klub aus den neuen Bundesländern der Schritt in die erste Liga gelungen. Zuletzt verabschiedete sich Hertha BSC Berlin, das im Osten Deutschlands liegt, aber nicht als Ostklub wahrgenommen wird, in die Zweitklassigkeit. Dort spielen vier Klubs aus der ehemaligen DDR, fünf weitere sind in der 3. Liga. „Es ist schade, dass es keinen Ostverein in der 1. Liga gibt“, sagt Andreas Rettig, designierter DFL-Geschäftsführer. Klubs in Dresden, Chemnitz oder Halle haben zwar Tradition und Fans, aber „nur dort wo die größte Wirtschaftskraft ist, wird sich am Ende der Erfolg einstellen“, weiß Rettig. Nur haben selbst die Euro-Millionen von Brausegigant Red Bull den Leipziger „Rasen-Ballsportlern“ bislang nicht die erhofften Flügel verliehen. Immerhin: der Leipziger Rene Adler, Vor-Wende-Jahrgang 1985, ist gerade in die Nationalelf zurückgekehrt. Allerdings war der Sachse bereits als 17-Jähriger zu Bayer Leverkusen gewechselt.

Thorsten Schabelon



Kommentare
14.11.2012
14:37
In DFB-Team sind kaum noch Profis aus der früheren DDR
von Koenigsblau204 | #2

Viel Wind um nichts...

In ein paar Jahren haben wir doch mit RB Leipzig einen Ost-Klub in der Bundesliga. Ob das die Fußballfans mehrheitlich wünschen wage ich zu bezweifeln. Aber auch dann ist es kein klassischer Ost-Klub.

Und das es nur an der wirtschaftlichen Situation liegt wage ich zu bezweifeln. Zumindest Dresden ist eine eher aufsteigende Großstadt, mit der auch eine wirtschaftliche Basis einkehren wird. Das müßte nur kanalisiert werden.

Und warum der Erfolg, sich dauerhaft mind. in Liga 2 zu positionieren, bei Energie Cottbus möglich ist, aber nicht z.B. bei den traditionellen Clubs in Leipzig oder Magdeburg liegt ggfs. auch am Management! Und mieses Management kann jeden Club, unabhängig von der Geographie, treffen
Rot Weiss Essen lässt grüßen, den Essen liegt nicht im Osten, leidet aber an jahrelangem Missmanagement.

14.11.2012
13:10
In DFB-Team sind kaum noch Profis aus der früheren DDR
von Bramarbas | #1

Ausgehend von ca. 80mio Einwohnern und 22 Kadermitgliedern, entspricht eine mio ca. 0,275 Spielern.

Bei 13,5mio Einwohnern in der ehem. DDR macht das also rechnerisch 3,7 Spieler (0,275 x 13,5). Demnach blieben 18,3 Spieler für die alte BRD.

Aktuell haben wir mit Adler, Schmelzer und Kroos drei relativ gesetzte Spieler dabei. Demnach gibt es das hier beschriebene Problem eigentlich garnicht...

Aus dem Ressort
Sebastian Kehl war der Stabilisator im Spiel des BVB
Kehl
Beim Dortmunder 3:0-Erfolg in der Champions League gegen den belgischen Meister RSC Anderlecht fiel der 34-jährige Sebastian Kehl in seinem ersten Spiel nach zweiwöchiger Verletzungspause mit einer guten Leistung auf. Wir haben ihm nach dem Spiel genau zugehört.
BVB-Trainer Klopp nach 3:0-Sieg: "Das war knallharte Arbeit"
Stimmen
Nach dem souveränen 3:0-Sieg im zweiten Champions-League-Gruppenspiel beim RSC Anderlecht freute sich BVB-Trainer Jürgen Klopp über einen "großen, wichtigen Schritt". Der Coach lobte Pierre-Emerick Aubameyang. Wir haben die Stimmen zum Spiel.
BVB stellt mit 3:0-Sieg Weichen fürs Achtelfinale  
Fußball
In der Bundesliga außer Tritt, in der Champions League voll auf Kurs: Mit dem verdienten 3:0 (1:0)-Erfolg beim RSC Anderlecht hat Borussia Dortmund frühzeitig die Weichen zum Einzug ins Achtelfinale gestellt.
Arsenal überzeugt gegen Istanbul - Real gewinnt knapp
Fußball
Der FC Arsenal hat mit den Weltmeistern Mesut Özil und Per Mertesacker in der Fußball-Champions-League seine Chance auf das Achtelfinale gewahrt.
Leverkusener Powerfußball - 3:1 gegen Benfica Lissabon
Fußball
Bayer Leverkusen hat mit beeindruckendem Powerfußball das ersehnte Erfolgserlebnis in der Champions League gefeiert. Der endlich wieder einmal restlos überzeugende Bundesligist ließ Benfica Lissabon keine Chance und gewann nach einer starken Vorstellung hochverdient mit 3:1 (2:0).
Umfrage
Bastian Schweinsteiger ist neuer Kapitän der Nationalmannschaft - eine richtige Entscheidung?

Bastian Schweinsteiger ist neuer Kapitän der Nationalmannschaft - eine richtige Entscheidung?