Das aktuelle Wetter NRW 10°C
Kommentar

Hoffenheim ist ein künstliches Produkt ohne Seele geblieben

01.09.2012 | 22:09 Uhr
Hoffenheim ist ein künstliches Produkt ohne Seele geblieben
Daniel Williams (r.) und Eren Derdiyok von 1899 Hoffenheim sitzen enttäuscht auf dem Rasen nach dem 0:4 gegen Frankfurt.Foto: Alex Domanski / Reuters

Köln.  Mit 0:4 ging 1899 Hoffenheim gegen Eintracht Frankfurt unter - und die einzig wahrnehmbare Emotion ist Schadenfreude. Dem überwiegenden Anteil der Fußball-Fans ist der Verein immer fremd geblieben. Ein Kommentar.

Als die sich TSG Hoffenheim jüngst in der 1. DFB-Pokalrunde beim kleinen, unterklassigen  Kielklub Berliner AK sensationell mit 0:4 blamierte, kam der treffendste Kommentar wieder einmal vom ewig twitternden Scherzkeks Hans Sarpei: „Überraschend? Nein. Im DFB-Pokal scheiden in der Regel die Dorfklubs aus.“ Damit ist das Dilemma des Vereins aus dem Kraichgau weitgehend beschrieben. Dem weit überwiegenden Anteil der Fußball-Fans ist dieser Verein immer fremd geblieben.

Fußball-Bundesliga
Bremen gewinnt Nordderby - Hoffenheim steckt in der Krise

Werder Bremen feierte im 97. Nordderby gegen den Hamburger SV einen 2:0-Sieg. 1899 Hoffenheim ging im Spiel gegen Aufsteiger Eintracht Frankfurt 0:4 unter. Bayer Leverkusen besiegte den SC Freiburg 2:0 und betrieb Wiedergutmachung für die Auftaktniederlage.

Aus heutiger Sicht erscheint das logisch, gar zwangsläufig, aber zur Wahrheit gehört auch, dass es einen Moment gab, wo die TSG Hoffenheim anzukommen schien in der Bundesliga, und, ja auch das, in den Herzen mancher Menschen. Der Klub, gepäppelt und alimentiert vom Milliardär Dietmar Hopp, kam in die Liga, eroberte die Beletage im Sturm. Einen Sommer, einen Herbst lang. Und für eine kurze Phase, im Spätherbst, im Winter 2008, sah es so aus, als würden die deutschen Fußball-Fans ihren Frieden manchen können – es war jener Moment, als Hoffenheim, geprägt vom beigeisternden Hochgeschwindigkeits-Fußball unter Trainer Ralf Rangnick, gegen die Bayern antrat. Vermeintlich auf Augenhöhe. Tempi passati.

Es folgte der Absturz, Dietmar Hopp zog halbherzig etwas Kapital aus dem Klub, um dem scharfen Vorwurf, ein verkappter Scheich zu sein, der sich einen Retorten-Klub erschaffen habe, zu erwehren. Doch was bleib, ist ein Hülle. Ein Verein, der selbst nicht so recht weiß, welche Rolle, welche Nische er besetzen möchte in der Eliteliga des deutschen Fußballs. Eine leere Hülle.

Über Tim Wiese wurde in der Fußball-Branche herzlich gelacht

Selten wurde zuletzt in der Fußball-Branche so herzlich gelacht wie in jenen Tagen, als Werder-Torwart Tim Wiese ankündigt, seine sportliche Heimat Bremen zu verlassen, um sich einem Klub anzuschließen, der um Titel mitspielt, die Champions League in Angriff nimmt – um dann in Hoffenheim zu stranden. Nach dem 0:4-Heimdebakel gegen den Aufsteiger Eintracht Frankfurt ist der Fehlstart perfekt - und die einzig wahrnehmbare Emotion ist: Schadenfreude. Die TSG Hoffenheim ist ein künstliches Produkt geblieben – ohne Seele, dafür nun mit einem Nationaltorwart im Kasten und einem Trainer auf der Bank, den manche vor nicht allzu lange zu Höherem berufen sahen: Markus Babbel. Warum eigentlich? Weil er mit Hertha BSC Berlin aufgestiegen war? Babbels offenbar größtes Pfund – er spielte lange beim FC Bayern München, ist also offenbar im Besitz dieses ominösen und vermeintlich Erfolg garantierenden Bayern-Gens. Diese These sollte mal dringend überprüft werden.

Denn einzig für die lange verworfene These, dass ein sehr guter Spieler nicht zwangsläufig ein sehr guter Trainer sein muss, liefert Markus Babbel grade eindrucksvolle Argumente. Wie übrigens auch sein Bayern-Kumpel Thorsten Fink beim HSV. Aber das ist eine andere Geschichte. 

Dirk Graalmann



Kommentare
03.09.2012
07:55
Hoffenheim ist ein künstliches Produkt ohne Seele geblieben
von tomatenkiller_neo | #3

Schlimmer noch ist Wolfsburg, das nur als Privatspielzeug eines
VW-Vorsitzenden dient ...

02.09.2012
15:46
Hoffenheim ist ein künstliches Produkt ohne Seele geblieben
von buntspecht2 | #2

Hopp lässt sei Spielzeug absaufen

01.09.2012
22:20
Hoffenheim ist ein künstliches Produkt ohne Seele geblieben
von marwang | #1

habe immer viel von babel gehalten, aber wie er sich zuletzt gegen über spielern verhalten hat war schon sehr armselig jetzt sieht man seine früchte die er durch seine arroganz erntet

2 Antworten
kein Wunder
von derpfleger | #1-1

bajuwarische Schule

Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #1-2

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Aus dem Ressort
"Der helle Wahnsinn" - Hummels kann BVB-Krise nicht erklären
BVB-Stimmen
Königsklasse hui, Alltagsgeschäft pfui. Nach vier Niederlagen in Serie - der fünften aus den letzten sechs Spielen - versteht Borussia Dortmund die Bundesliga-Welt nicht mehr. Bender spricht von einer "neuen Situation" für die Borussia, über Saisonziele will Marco Reus nicht reden. Die Stimmen.
St. Pauli kassiert deftige Heimpleite gegen den KSC - 0:4
2. Bundesliga
Der FC St. Pauli bleibt kleben im Tabellenkeller der 2. Fußball-Bundesliga. Die Hamburger verloren am 11. Spieltag ihr Heimspiel gegen den Karlsruher SC klar und deutlich mit 0:4. Hiroki Yamada (18., 89.), Rouwen Hennnings (31.) und Selcuk Alibaz (80.) erzielten die Treffer für den KSC.
Real Madrid zurück im Rennen - 3:1 über Barça im Clásico
Clásico
Real Madrid hat den 229. Clasico gewonnen und Spitzenreiter FC Barcelona die erste Saison-Niederlage in der spanischen Fußball-Meisterschaft zugefügt. Die Königlichen kamen am Samstag nach Toren von Ronaldo, Pepe und Benzema zu einem 3:1 und rückten damit zumindest für 24 Stunden auf Platz zwei vor.
Warum Zorc nicht über die BVB-Saisonziele sprechen will
Zorc
Der Frust ist groß bei Borussia Dortmund. Gegen Hannover 96 setzte es die vierte Niederlage in Folge für den BVB – Neuland für den Klub in der jüngeren Vereinsgeschichte. Michael Zorc will nicht mehr über das Saisonziel Champions League sprechen. Fünf Fragen an den Sportdirektor.
Erste Pleite für Di Matteo - Schalke mit 0:1 in Leverkusen
9. Spieltag
Schalkes neuer Trainer Roberto Di Matteo musste beim Auswärtsspiel in Leverkusen die erste Pleite bei seinem neuen Klub einstecken. Bei der Werkself unterlagen die Königsblauen mit 0:1. Hakan Calhanoglu erzielte das Tor des Tages mit einem Traum-Freistoß.
Umfrage
Dortmund in der Krise - Kann der BVB seine Saisonziele noch erreichen?

Dortmund in der Krise - Kann der BVB seine Saisonziele noch erreichen?