Hertha BSC - ein Abstieg auf allen Ebenen

Betretene Mienen, aber von Selbstkritik keine Spur: Michael Preetz (l.) und Hertha-Präsident Wernder Gegenbauer.
Betretene Mienen, aber von Selbstkritik keine Spur: Michael Preetz (l.) und Hertha-Präsident Wernder Gegenbauer.
Foto: Bongarts/Getty Images
Was wir bereits wissen
Wenigstens die Mitglieder entwickelten am Ende Sensibilät für den Zeitpunkt, wann es genug ist. Den verheerenden Eindruck, den Hertha BSC seit geraumer Zeit macht, konnten sie damit jedoch auch nicht kaschieren. Ein Kommentar.

Essen.. Den Worten des Aufsichtsrats-Vorsitzenden wäre eigentlich nichts hinzuzufügen. „Hertha bietet ein Bild großer Zerrissenheit“, befand Bernd Schiphorst und verband seine für den Verein verheerende Analyse mit der Konsequenz: „So weitermachen wie bisher kommt nicht in Frage.“ Doch die Jahreshauptversammlung sendete das gegenteilige Signal aus und entlarvt den Traditionsklub als Absteiger auf allen Ebenen. Statt des notwendigen Neuanfangs ein „Weiter so“ mit einer Vereinsführung, die den Verein nach einem kleinen Zwischenhoch mit geradezu selbstzerstörerischer Energie wieder auf den in Berlin über Jahrzehnte gepflegten Chaos-Kurs zurückgeführt hat.

Hertha BSC Bemerkenswert vor allem die Haltung von Michael Preetz, der sein Festhalten an seinem hoch dotierten Job damit begründete, sich nicht aus der Verantwortung stehlen zu wollen. Und dabei doch nichts anderes tut. Denn wäre sich der Sportdirektor, der in drei Jahren fünf Trainer verschlissen und eine in jeder Beziehung unglückliche Figur abgegeben hat, seiner Verantwortung bewusst, hätte er zwingend persönliche Konsequenzen ziehen müssen.

So schwer verständlich der neue Vertrauensbeweis für die alte Hertha-Führung auch sein mag – ein gutes Signal ging dann doch noch von den Vereinsmitgliedern aus. Weil diese im juristischen Tauziehen um das Relegationsspiel in Düsseldorf immerhin erkannten, wann es denn genug ist. Damit erteilten sie ihren Vertretern, die sich bis zuletzt weigerten, die Zeichen zu erkennen, eine Lektion, nach der es sich Werner Gegenbauer und Co. kaum mehr leisten können, die Hängepartie zum Schaden des deutschen Fußballs weiter zu verlängern.

Der DFB wäre gleichwohl gut beraten, über seine Rechts- und Verfahrensordnung bzw. den Instanzenweg nachzudenken. Dass sich Streitfälle über Wochen und Monate hinziehen und damit zu einer eigenen Wettbewerbsverzerrung führen können, ist nicht im Sinne des Sports.