Gutes Ende, schlechtes Ende - die Bilanz im Fußballrevier

Der ewige Zweikampf im Revier: Schwarz-Gelb gegen Königsblau, Schalke gegen BVB, wird auf Jahre hinaus das Duell bleiben.
Der ewige Zweikampf im Revier: Schwarz-Gelb gegen Königsblau, Schalke gegen BVB, wird auf Jahre hinaus das Duell bleiben.
Foto: Franz-Peter Tschauner / dpa
Was wir bereits wissen
Richtig gefeiert wird am Fußball-Saisonende nur beim Zweitliga-Aufsteiger MSV Duisburg und beim Champions-League-Starter Borussia Mönchengladbach.

Essen.. Schauen Sie mal nach links auf unsere Saisonbilanz: Sie finden Bundesligisten, Zweitligisten, Dritt- und Regionalligisten dicht an dicht. Keine andere Region in Deutschland kommt da mit, nirgendwo sonst ballt sich so viel Tradition, so viel Geschichte – und auch immer noch so viel fußballerische Qualität auf so engem Raum.

Das macht den großen Reiz der Fußball-Region aus, auch wenn der eine oder andere Verein im Verdrängungswettbewerb auf die Nase gefallen ist. Und sich, wie der MSV Duisburg, gerade erst wieder erholt. Oder wie Rot-Weiss Essen und Rot-Weiß Oberhausen die Rückkehr zu besseren Zeiten wieder mal um ein Jahr verschieben muss. Das ist der Preis, den die Ausnahmestellung von Schalke und Dortmund kostet, die einen Großteil der Wirtschaftskraft und des Fan-Potenzials in der Region abgreifen.

Was man leider auch nicht übersehen darf: Längst hat der Fußball alles andere verdrängt. Wo zum Beispiel ist der Handball-Bundesligist des Reviers? Wo ist das Basketball-Team? In den populärsten Sportarten hinter dem Fußball herrscht im Spitzensport unserer Region Fehlanzeige.

Mit allen Vor- und Nachteilen: Hier hat der Fußball sein Revier. (Klaus Wille)

Borussia Dortmund (Bundesliga) - BVB kommt mit einem blauen Auge davon

Sicher ist schon, dass Borussia Dortmund die Saison mit einem blauen Auge verlassen wird. Weil der Ball noch fliegt, lässt sich allerdings die Farbsättigung nicht genau bestimmen. Ein Sieg am Samstag beim letzten Bundesligaspiel gegen Werder Bremen – und es handelt sich wegen der dann garantierten Teilnahme an der Europa League nicht mehr um ein gefährlich dunkles Blau. Ein Sieg im Pokalfinale in Berlin am 30. Mai gegen den VfL Wolfsburg – und die Schwarzgelben feiern lässig rund um den Borsigplatz, lichtes Blau hinter den fetten Sonnenbrillen.

Doch, welche Farbsättigung auch immer, verkorkst bleibt die Saison auf jeden Fall. Champions League nicht erreicht, Erfolgstrainer Jürgen Klopp verabschiedet sich: Das erhöht nicht gerade die Chance auf eine rosigere nächste Spielzeit. (Frank Lamers)

FC Schalke 04 (Bundesliga) - Diese Saison wird auf Schalke lange nachwirken

Der FC Schalke 04 wird diese Bundesliga-Saison auf einem Europa-League-Startplatz beenden – andere Vereine wie 1899 Hoffenheim oder Werder Bremen wären froh, wenn sie den sicher hätten. Doch die Schalker waren mit anspruchsvolleren Zielen gestartet: Mit ihrem Vorhaben, erneut in die Champions League einzuziehen, sind sie krachend gescheitert.

Der im Oktober vorgenommene Trainerwechsel von Jens Keller zu Roberto Di Matteo verpuffte wirkungslos, unter dem Italiener spielte die Mannschaft vor allem in der Rückrunde erschreckend uninspiriert. Mehr noch: Weil Basistugenden wie Kampfkraft und Leidenschaft fehlten, protestierten die Fans. Diese Saison wird auf Schalke noch lange nachwirken. (Peter Müller)

Mönchengladbach (Bundesliga) - Gladbach gehört dank Favre zu den Top-Teams

Das wird eine Party im Borussia-Park: Ob Mönchengladbach die Saison am Samstag nun auf Platz drei oder sogar als Vizemeister beenden wird, spielt keine Rolle mehr. Hinter den Gladbachern liegt schon jetzt eine Saison, in der das Team alle Erwartungen übertroffen hat. Lohn ist die direkte Qualifikation für die Champions League. Zu verdanken hat der Verein das vor allem Trainer Lucien Favre. Der Schweizer hat die Borussia 2011 am Abgrund zur Zweitklassigkeit übernommen. Danach hat der Taktiker seiner Elf erst das Kontern beigebracht. Heute gehört die Mannschaft zu den Top-Teams, die auch ein Spiel mit viel Ballbesitz und schneller Passfolge aufziehen können.

Sollte diese Saison überhaupt einen Nachteil haben, dann den, dass Gladbach künftig für Spieler tiefer in die Tasche greifen und im Umfeld gestiegene Erwartungen moderieren muss. (Klaus Wille)

VfL Bochum (2. Bundesliga)

Die gute Nachricht vorweg: In dieser Zweitliga-Saison muss der VfL Bochum nicht zittern. Mit dem Abstiegskampf hat der einst langjährige Bundesligist nichts mehr zu tun, er steht vor dem letzten Spieltag auf Platz elf im gesicherten Mittelfeld.

Die schlechte Nachricht: Von den Rängen, die zum Aufstieg in die Bundesliga berechtigen, ist der VfL deutlich weiter entfernt als zur Abstiegszone. Eine Vorwärtsentwicklung, wie sie angestrebt worden war, ist also trotz vorzeitiger Rettung nicht zu erkennen.

Unter großem Brimborium hatte sich der VfL im Dezember von Trainer Peter Neururer getrennt. Dem Mann, dem der Klub 2014 den Klassenerhalt zu verdanken hatte, wurde vereinsschädigendes Verhalten vorgeworfen. Sein Nachfolger wurde der Niederländer Gertjan Verbeek, der offensiven und attraktiven Fußball spielen lassen wollte. Es gab zwar zum Teil torreiche Spiele, doch der Mannschaft fehlten Konstanz, Stabilität und Effektivität. Verbeeks Idealvorstellung ist noch lange nicht verwirklicht. (Peter Müller)

Fortuna Düsseldorf (2. Bundesliga)

Hinter Zweitligist Fortuna Düsseldorf liegt ein verlorenes Jahr. Eines, das im Niemandsland der Tabelle enden wird und das Opfer gekostet hat. Trainer Oliver Reck musste im Laufe der Spielzeit ebenso gehen wie Sportdirektor Helmut Schulte.

Auf der Strecke geblieben sein soll laut Insidern auch der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft sowie in den Führungsgremien des Vereins. Auch zwischen Fans und Team bröckelte es zuletzt, ob noch einmal 22 000 Dauerkarten wie vor dieser Saison verkauft werden können, erscheint derzeit fraglich.

Aber es gibt auch Lichtblicke. In der kommenden Spielzeit wird an der Seitenlinie Frank Kramer das Sagen haben, er gilt als einer der hoffnungsvollen jüngeren Trainer in der Branche. Zur Seite steht ihm mit Peter Herrmann ein ausgefuchster Assistent, der Erfahrungen bei Bayern München und Bayer Leverkusen gesammelt hat. Was fehlt, sind Hoffnungsträger auf dem Platz. Bislang überwiegen die Abgänge, zu ihnen gehört auch Ewig-Fortune An­dreas „Lumpi“ Lambertz. (Klaus Wille)

MSV Duisburg (3. Liga) - Der MSV hat die Lizenz und will Kölns Stürmer Bröker

Vier Tage nach dem Zweitliga-Aufstieg durften die Fußballer des MSV Duisburg ein zweites Mal jubeln. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) erteilte dem MSV die Lizenz für die neue Saison ohne Bedingungen. Vor zwei Jahren hatte die DFL dem MSV die Zweitliga-Lizenz wegen schwerer Formfehler entzogen. Der Absturz in die 3. Liga war die Folge, im zweiten Anlauf schafften die Duisburger nun die Rückkehr in die Zweitklassigkeit.</p><p>„Dass wir die Lizenz ohne Bedingungen erhalten, ist ein großer Erfolg. Das hat es beim MSV lange nicht mehr gegeben“, freut sich Geschäftsführer Bernd Maas. Der MSV muss der DFL allerdings regelmäßig Bericht über die wirtschaftliche Situation erstatten.

Trotzdem müssen die Duisburger bei einem leicht erhöhten Etat von fünf Millionen Euro mit dem Geld sparsam haushalten. „Unser Ziel ist es, am Ende über dem Strich zu stehen“, setzt Sportdirektor Ivica Grlic auf den Klassenerhalt. Als Neuzugang ist Stürmer Thomas Bröker (1. FC Köln) im Gespräch. (Dirk Retzlaff)

Rot-Weiss Essen (Regionalliga) - RWE enttäuscht, holt aber den Pokal

Die Tabellenführung zur Winterpause ließ die Fans vom Aufstieg träumen, am Ende war es wie immer zuletzt: RW Essen hofft auf eine bessere Zukunft. Die Saison war gewohnt ereignisreich bis turbulent: Erst die Dopingsperre für Cebio Soukou, dann mussten Trainer Marc Fascher und Sportvorstand Uwe Harttgen ihre Posten räumen. Am Ende blieb das Erreichen des Minimalziels Top 5 sowie ein fetter Trostpreis im Niederrheinpokal: Nach dem 1:0-Finalsieg über RWO und dem Einzug in die erste DFB-Pokalhauptrunde wurde wild gefeiert. Immerhin. (Ralf Wilhelm)

Rot-Weiß Oberhausen (Regionalliga) - Eine unvollendete Spielzeit

Unterm Strich bleibt’s eine unvoll­endete Spielzeit. Die Aufstiegsmöglichkeit nahm sich Rot-Weiß Oberhausen selbst, aus finanziellen Gründen wurde kein Antrag für die Dritte Liga gestellt. Zum bilanziellen Aufhübschen sollte das Niederrhein-Pokalfinale mit dem erhofften Sieg gegen RW Essen und dem Erreichen der ersten DFB-Pokalrunde dienen. Das wurde nichts, im Elfmeterschießen lag der Namensvetter vorn. So bleibt der Blick nach vorn. Für die kommende Spielzeit wird alles unternommen, um ganz oben mitzuspielen. (Peter Voss)

Wattenscheid 09 (Regionalliga) - Wattenscheid muss zittern

Ein Punkt im Saisonfinale gegen Wiedenbrück am Samstag wird der noch immer hoch verschuldeten SG Wattenscheid 09 wohl reichen, um die Regionalliga zum zweiten Mal in Folge zu halten. Nach einer – mal wieder – unheimlich turbulenten Saison mit Geld- und Führungsproblemen sowie einem Trainerwechsel würde das schon an ein kleines Wunder grenzen. Während Kooperationspartner Galatasaray Istanbul regelmäßig von der Dritten Liga schwadroniert, befindet sich die SG 09 in Wahrheit in einem dauerhaften Existenzkampf. (Felix Groß)

FC Kray (Regionalliga) - Der kleine FC Kray hat es allen gezeigt

Sie sind die Fußball-Helden von Essen: Das „kleine gallische Dorf“ Kray mit den Feierabend-Kickern schaffte die Sensation und schon am vorletzten Spieltag den von der Konkurrenz kaum für möglich gehaltenen Klassenerhalt. Das Team von Trainer Michael Lorenz und Präsident Günther Oberholz lehrte die Großen das Fürchten: Wer in den Partien gegen die Meisterschafts-Mitfavoriten RWE und Aachen von möglichen zwölf Punkten zehn Punkte ergatterte, der durfte einfach nicht absteigen. Hochachtung vor der Arbeit in der KrayArena! (Ralf Wilhelm)