Warum Gladbach keine Eintagsfliege in der Ligaspitze mehr ist

Zwei haben verlängert, der Dritte soll auch bleiben: Patrick Herrmann (von li.) und Granit Xhaka wollen in die Champions League, am liebsten mit Max Kruse.
Zwei haben verlängert, der Dritte soll auch bleiben: Patrick Herrmann (von li.) und Granit Xhaka wollen in die Champions League, am liebsten mit Max Kruse.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Borussia Mönchengladbach klopft wie schon 2012 an der Tür zur Königsklasse an. Mit einem feinen Unterschied: Diesmal wollen die Stars auch den Weg mitgehen.

Mönchengladbach.. Patrick Herrmann ist ein gelehriger Schüler, auf und neben dem Platz. Am Mittwoch hat der gebürtige Saarländer seinen Vertrag in Mönchengladbach bis 2019 verlängert, als bislang letzter in einer beachtlichen Reihe treuer Borussen-Kicker. Kurz darauf ging der 24 Jahre alte Flügelflitzer seiner täglichen Arbeit nach. Und als er den Trainingsplatz am Borussia-Park wieder verließ, erklärte Herrmann zu den spätestens mit dem 2:0-Sieg bei den Bayern heftig erblühten Champions-League-Träumen der Gladbacher: „Wir sollten nicht so viel davon reden, sondern einfach weiter unsere Leistung bringen.“

Gladbach Der brave Satz könnte eins zu eins aus dem Munde von Lucien Favre oder Max Eberl stammen. Chefcoach und Sportdirektor der Niederrheinischen haben es in den letzten Jahren geschafft, den Rautenklub mit gewitzter Demut wieder dorthin zu manövrieren, wo er im Frühjahr 2012 schon stand: an der Eingangspforte zur Königsklasse. Allerdings läuft der aktuelle Höhenflug in einer veränderten Stimmungslage ab: Zum gleichen Zeitpunkt vor drei Jahren wussten die Gladbacher längst, dass ihre sportlichen Korsettstangen Marco Reus, Dante und Roman Neustädter zur Konkurrenz abwandern würden. Beim Playoff-Aus gegen Kiew war Trainer Favre schon mitten in der Umformung seines Teams.

Gladbach will mit Demut zum alten Erfolg

Dieses Los wird dem ehrgeizigen Schweizer diesmal erspart bleiben. Zwar kehrt der für zwei Jahre in Leverkusen entliehene Christoph Kramer im Sommer zu seinem Stammverein zurück. Alle übrigen Leistungsträger dagegen bleiben nicht nur, sondern haben sich langfristig an die Borussia gebunden. So unterschrieben vor Herrmann unter anderem Granit Xhaka (bis 2019), Martin Stranzl (2016) oder Tony Jantschke (2018) neue Arbeitspapiere.

Interview Dabei haben die VfL-Verantwortlichen seit 2012 offenkundig zweierlei vollbracht: Ihre Top-Spieler halten Gladbach nicht mehr für eine Eintagsfliege in der Ligaspitze. Zudem verfügt der Verein inzwischen über die finanziellen Mittel, den beim FC Chelsea zunächst entliehenen Thorgan Hazard für rund acht Millionen Euro bis 2020 fest an sich zu binden. „Ich will dazu beitragen, Borussia wieder an die alten Erfolge heranzuführen“, betont der jüngere Bruder des belgischen Starspielers Eden Hazard – und liegt damit voll auf einer Linie mit Patrick Herrmann.

Herrmann peilt DFB-Rückkehr an

Denn den 14-maligen U-21-Nationalspieler, der in dieser Saison einen enormen Leistungssprung hingelegt hat, treibt noch immer der Ehrgeiz auf eine Zusatz-Karriere in der DFB-Auswahl um. Auch Spieler wie Jupp Heynckes, Rainer Bonhof oder Berti Vogts hätten nicht zuletzt wegen ihres langjährigen Engagements bei der Borussia international reüssiert, argumentiert Herrmann – und macht deutlich: „Wer wie ich einmal im Nationalteam dabei war, will da wieder hin.“

Matchwinner Regelmäßige Auftritte in der Champions League wären auf dem Weg dorthin außerordentlich hilfreich. Mit dem vor zwei Wochen in München in Perfektion praktizierten Konterfußball haben die Borussen die Leverkusener, ihre schärfsten Konkurrenten im Kampf um Platz drei, zwei Punkte auf Distanz gehalten. Max Eberl spricht von einer „günstigen Konstellation“, die man nun in die Partie bei der TSG Hoffenheim (Samstag, 15.30 Uhr/bei uns im Live-Ticker) „mitnehmen“ müsse. „Ein Punkt beim Tabellensiebten“, sagt er, „wäre schon ein Erfolg.“

Granit Xhaka mag es nicht ganz so bescheiden. „Wer die Bayern 2:0 schlägt, muss auch in die Champions League, keine Frage“, stellte der 22 Jahre alte Schweizer nach dem Coup beim Rekordmeister klar. Zehn Tage später kommentierte Patrick Herrmann seine Vertragsverlängerung in Gladbach so: „Hier entsteht etwas Großes – und den Weg will ich weiter mitgehen.“ Ein wuchtiges Statement, das Lucien Favre und Max Eberl sehr gerne hören, aber nie so vollmundig formulieren würden.