Das aktuelle Wetter NRW 4°C
DFL-Konzept

Warum Gladbach für das DFL-Sicherheitskonzept stimmen will

11.12.2012 | 15:23 Uhr
Warum Gladbach für das DFL-Sicherheitskonzept stimmen will
Gladbachs Geschäftsführer Stephan Schippers hofft, „dass die Mitgliederversammlung des Ligaverbandes das Papier bestätigt und es verabschiedet wird“.Foto: imago

Mönchengladbach.  Am Mittwoch wird in Frankfurt über das DFL-Konzept „Stadionerlebnis“ entschieden. Borussia Mönchengladbach wird dafür stimmen. Geschäftsführer Stephan Schippers über Präventivarbeit mit Fußballfans, „Chaoten“ in den Kurven und Vollkontrollen vor dem Stadion.

Stephan Schippers, am Mittwoch wird in Frankfurt über das DFL-Konzept „Stadionerlebnis“ entschieden. Fan-Initiativen protestieren seit Wochen gegen eine Umsetzung. Nun mehren sich die kritischen Stimmen der Vereinsvertreter. Zuletzt hat der HSV-Vorstandsvorsitzende Carl Jarchow gesagt, dass sein Klub das Papier ablehnen wird. Wie stehen Sie zu dem Konzept?

Stephan Schippers: Wir hoffen, dass die Mitgliederversammlung des Ligaverbandes das Papier bestätigt und es verabschiedet wird. Wir werden dafür stimmen.

Die aktiven Fans glauben, dass dieses Konzept das Ende der Fankultur sein wird, wie wir sie heute kennen. Sie teilen diese Befürchtungen also nicht?

Gefunden auf...
Gefunden auf...

Schippers: Wir glauben nicht, dass dieses Papier dazu geeignet ist, die Fankultur zu zerstören. Im Gegenteil: Wir werden es mit diesem Konzept schaffen, den friedlichen Stadiongängern – und das sind mehr als 99 Prozent – ein sicheres Fußballspiel weiterhin zu ermöglichen.

Die aktiven Fans monieren, dass sie nicht in die Erarbeitung der Thesen involviert waren. Wie sehen Sie die Genese des Papiers?

Schippers: Es gibt sicherlich Kritikpunkte. Grundsätzlich denken  wir aber, dass die Erarbeitung richtig war. Wenn ich auf einem grünen Feld starte und dann sage: „Lasst uns mal alles sammeln, was euch einfällt“, komme ich nie zu einem Ergebnis. Wenn ich aber einen Katalog mit Grundgedanken versende und die Vereine auffordere, diesen mit ihren Fans zu diskutieren und Meinungen oder Gedankengänge dazu zu äußern, bin ich zuerst einmal auf einem guten Weg. Zumal sich durch diese Dialoge ja de facto Änderungen ergeben haben.

Haben Sie mit den Fans von Borussia Mönchengladbach gesprochen?

Schippers: Es hat einen regen Austausch mit dem Fanprojekt und den Fanbeauftragten gegeben. Wir haben die verschiedenen  Fassungen des Konzepts ausgiebig diskutiert, einige Thesen wurden auch kritisiert. Noch immer gibt es Punkte, die man im Laufe des angestrebten Prozesses verfeinern kann.

Welche Punkte halten Sie weiterhin für diskussionswürdig?

DFL-Sicherheitspapier
Alles über das DFL-Sicherheitskonzept

Am 12. Dezember stimmen die 36 Profi-Klubs der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga über insgesamt 16 Anträge ab. Klicken Sie sich durch die wichtigsten Anträge und eine Chronik der Sicherheitsdebatte im deutschen Fußball.

Schippers: Dem Konzept zufolge sollen die ersten Ergebnisse in drei Jahren evaluiert werden. Wir finden, dass man das schon sehr viel früher machen kann. Ansonsten können wir mit den drei Kernaussagen sehr gut leben. Das Papier positioniert sich gegen Rassismus, gegen Gewalt und plädiert für die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen. Darunter fällt auch das Verbot von Pyrotechnik. Darüber hinaus verbessert es insgesamt die Rahmenbedingungen, zum Beispiel durch regelmäßige Schulungen der Ordnungskräfte. 

Die Fans ziehen drei andere Kernaussagen aus dem Papier: Es geht zum Beispiel um eine Reduktion der Gästekarten, wenn ein Spiel als »Risikospiel« deklariert wird. Die Fans tragen Sorge, dass die Heimvereine so die Möglichkeit haben, willkürlich »Risikospiele« auszurufen, um mehr Tickets für Heimfans zur Verfügung zu haben. Wie stehen Sie zu der Aussage?

Schippers: Zunächst einmal war diese Reduktion bislang auch ohne DFL-Papier möglich, denn in Paragraph 32 der Richtlinien zur Verbesserung bei Bundesligaspielen ist dieser Punkt bereits verankert. Im aktuellen Papier ist sie eher zugunsten der Fans verfeinert worden, denn Gegenstand dieses Punktes sind nicht mehr nur die Steh- sondern auch die Sitzplätze. So wie in der Vergangenheit auch werden aber Vereine und Verbände sehr behutsam mit der Möglichkeit der Reduktion umgehen, und diese nicht willkürlich einsetzen.

Weiterhin fehlt den Fans in dem Papier ein klares Bekenntnis zu den Stehplätzen.

Schippers: Ligapräsident Reinhard Rauball hat mehrfach betont, dass die Stehplätze nicht zur Disposition stehen. Ist das etwa ein halbherziges Bekenntnis? Auch wir finden nicht, dass die Abschaffung ein probates Mittel ist, um die Stadien zu befrieden. Aber dies ist auch in keiner Weise Gegenstand des Antragspaketes. Im Gegenteil: Die Stehplätze gehören zur Fußballkultur!

DFL-Sicherheitskonzept
Fußball-Fan-Forscher hält Druck der Politik für überzogen

Am Mittwoch beraten die Mitgliedsvereine der Deutschen Fußball-Liga in Frankfurt am Main Über ein neues Sicherheitskonzept. Der Fanforscher Harald Lange spricht über Fehler in der Kommunikation mit den Fußballanhängern und den massiven Druck der Politik.

Haben die Vereine und Verbände nicht die Macht, sich gegen die Politik zu stellen? Der DFB ist immerhin der größte Sportverband der Welt.

Schippers: Hier geht es nicht um irgendeine Konfrontation, sondern einzig um die Weiterentwicklung und Sicherheit der Spiele. Wenn wir es als Vereine schaffen, dass wir gemeinsam die geforderten Mindeststandards verankern, dann ist die Abschaffung der Stehplätze kein Thema in der Politik. Denn auch die Politik hat kein Interesse, die Fußballkultur anzugreifen, nur weil einige wenige das friedliche Stadionerlebnis gefährden.

  1. Seite 1: Warum Gladbach für das DFL-Sicherheitskonzept stimmen will
    Seite 2: Gladbachs Geschäftsführer Schippers plädiert für „präventive Arbeit“

1 | 2



Kommentare
12.12.2012
16:23
Warum Gladbach für das DFL-Sicherheitskonzept stimmen will
von Der.Luedenscheider | #6

#4:

Wie war das noch mit dem Tal der Ahnungslosen...?

11.12.2012
18:43
Warum Gladbach für das DFL-Sicherheitskonzept stimmen will
von finnisworld | #5

Meine Güte...stellt euch einfach zuhause vor eure Glotze und lasst die friedlichen Fans in Ruhe sitzen...

11.12.2012
18:29
Warum Gladbach für das DFL-Sicherheitskonzept stimmen will
von Kikifax | #4

@ Luedenscheider

Sie kommen wohl aus dem Tal der Ahnungslosen.
Natürlich kann der Bund in Abstimmung mit den Ländern, im Bundesrat Gesetze beschließen, die auch die Interessen der Bundesländer tangieren.
Darum geht es hier aber gar nicht.
Die Situation ist ganz einfach zu beschreiben:
Jeder Besitzer einer Immobilie kann bestimmen wie sie genutzt werden soll.
Wenn also eine Stadt, ein Privatinvestor, oder ein Fußballverein entscheidet,
nur noch Sitzplätze im Stadion zu installieren, so ist das ihr gutes Recht.
Und diese Entscheidung braucht natürlich nicht mit einer "Lebensgefährdung"
begründet werden. Mit "Bestandsschutz" Hat diese Sachlage überhaupt nichts zu tun.
Aber wenn man keine Ahnung hat ....

1 Antwort
Warum Gladbach für das DFL-Sicherheitskonzept stimmen will
von Der.Luedenscheider | #4-1

Falsch. Können nur die Länder. Der Bund hat nix zu melden. Die Punkte, die ich genannt habe, stammen aus der Begründung der Bundesregierung. Bauordnungsrecht is Länderangelegenheit. Können Sie aber gerne mit der Bundesregierung besprechen, da Sie ja so freundlich sind und mich als ahnungslos bezeichnen.

Und nach Gesetzeslage darf ausschliesslich nur bei nachgewiesener Gefahr für Leib und Leben der Bestandsschutz seitens der Länder angegriffen werden. Zusätzlich müsste jedes Land nach heutigem Recht für jedes einzelne Stadion eine eigene Begründung beibringen, warum von Stehplätzen eine solche Gefahr ausgeht. So schnell bekommen die Länder diese Gesetze nicht geändert, denn die betreffen dann nicht nur Fussballstadien.

11.12.2012
18:01
Warum Gladbach für das DFL-Sicherheitskonzept stimmen will
von suendenbock | #3

@2
Lieber Lüdenscheider, der "Druckmacher" für die DFL ist die Konferenz der Länderinnenminister, nur so zur Zuständigkeit. Die Clubs wollen Stehplätze ja behalten, aber aus Sicht der Sicherheit sind die Stehplatzkurvev
a) Aufmarschfeld der Chaoten, weil sie sich hier im Schutz und mit weitgehender Duldung versammeln können,
b) Rückzugsraum, weil nach jeder Aktion (Werfen, Pyros usw) die Fanblocks mit den Bannern und Großfahnen genutzt werden, um unerkannt zu bleiben.

Es ist zeit, dass sich die Fans von den Chaoten trennen!

1 Antwort
Warum Gladbach für das DFL-Sicherheitskonzept stimmen will
von Der.Luedenscheider | #3-1

Selbst die Innenminister der Länder können da nocht so einfach dran. Dazu müsste massiv die Gesetzelage in jedem Land einzeln geändert werden. Das ist in Deutschland nicht so einfach. Denn die Änderung würde dann nicht nur für Stadien, sondern viele andere Einrichtungen und Gebäude betreffen.

Widersprechen möchte ich ganz klar Punkt a). Die Stehplätze sind kein Aufmarschfeld der Chaoten. Das ist zu pauschal. Ich stehe z. B. in Dortmund im 13er mitten drin und da sind keine Chaoten. Da passiert auf der Süd nichts, aber auch gar nichts gewalttätiges.

11.12.2012
17:32
Warum Gladbach für das DFL-Sicherheitskonzept stimmen will
von Der.Luedenscheider | #2

Mal so nebenbei: Der werte Herr Friedrich hat sich mit dem Rückbau der Stehplätze ein Eigentor geschossen. Das kann er gar nicht bestimmen. Die Bundesregierung hat gerade eingeräumt, dass die sichere Nutzung von Versammlungsstätten Gegenstand des Bauordnungsrechts ist. Und das ist eine Länerangelegenheit, der Bund hat hier nix zu melden. Selbst die Länder werden es schwierig haben, denn ein Rückbau von Sthplätzen kann nur gefordert werden, wenn direkt eine Lebensgefährdung besteht. Und das muss nachgewiesen werden. Hängt mit dem Bestandschutz zusammen. Somit ist das Stehplatzthema erst mal vom Tisch.

Das war eine Luftblase von Herrn Friedrich. Da sieht man mal, wie gut er vorbereitet war....

11.12.2012
15:56
Warum Gladbach für das DFL-Sicherheitskonzept stimmen will
von f.densborn | #1

Herr Schippers dann sollt unsere Borussia mal ein Zeichen setzten gegen unsere Eventorientierten " Fans " in Block 16 oder besser Blog1900 , anstatt diesen Chaoten auch noch entgegen zu kommen , erst von Block16 in den Oberrang wegen der besseren Stimmung die DK-Besitzer dort werden umgesiedelt und in dieser Saison wieder zurück in Block 16 und wieder verlieren jede Menge DK-Besitzer Ihre Karten , wegen der noch besseren Stimmung . Und nächstes Jahr auf die Haupttribüne vor den Vip-Loungen kann man mit viel Platz konrolliert PYROS abbrennen.

Aus dem Ressort
Gladbach mit neuem Selbstvertrauen gegen den VfL Wolfsburg
Bundesliga
Vor dem Bundesliga-Spitzenspiel zwischen dem VfL Wolfsburg und Borussia Mönchengladbach schwächeln beide Vereine in der Europa League und verpassen den vorzeitigen Einzug in die Endrunde. Gladbach tankt allerdings durch das Unentschieden in Spanien nach zwei Pleiten wieder Selbstvertrauen.
2:2 - Gladbach verpasst vorzeitigen Sprung in Zwischenrunde
Europa League
Borussia Mönchengladbach hat seine Ergebniskrise auch in der Europa League fortgesetzt und den vorzeitigen Sprung in die nächste Runde verpasst. Der Bundesliga-Dritte schaffte beim FC Villarereal nur ein 2:2 und benötigt nun im letzten Spiel gegen den FC Zürich mindestens einen Punkt.
Gladbach will gegen Villareal den Gruppensieg klar machen
Europa League
Borussia Mönchengladbach kann den Einzug in die nächste Runde der Europa League mit einem Sieg gegen den FC Villareal vorzeitig perfekt machen. Gegen die Spanier müssen sich die Favre-Schützlinge aber erheblich steigern, um die Pleitenserie der letzten Wochen zu beenden.
Warum Christoph Kramer für Gladbach nicht zu halten ist
Kramer
Nach zwei Spielzeiten dürfte für Christoph Kramer Schluss sein bei Borussia Mönchengladbach. Denn der Weltmeister ist von Bayer Leverkusen nur ausgeliehen. Dass er über den Sommer 2015 hinaus in Gladbach bleibt, ist unwahrscheinlich. Denn Bayer will ihn keinesfalls an einen Bundesligisten verlieren.
Gladbach-Co Geideck: „Erfolg ist die Vermeidung von Fehlern“
Interview
Für den gegenwärtigen Erfolg von Borussia Mönchengladbach ist ein Mann hauptverantwortlich: Trainer Lucien Favre. Einer seiner engsten Mitarbeiter ist Frank Geideck, sein Co-Trainer. Im Interview spricht er über die Kommunikation mit Favre, den Spielern und die Evolution von Taktiken.
Umfrage
Max Kruse darf nicht bei Stefan Raab pokern. Hat Borussia Mönchengladbach übertrieben reagiert?

Max Kruse darf nicht bei Stefan Raab pokern. Hat Borussia Mönchengladbach übertrieben reagiert?

 
Fotos und Videos
Kramers 40-Meter-Eigentor
Bildgalerie
Abgerutscht
BVB schlägt Gladbach mit 1:0
Bildgalerie
Borussen-Duell
Favres Fohlen auf Rekordkurs
Bildgalerie
Gladbach