Überflieger Gladbach will die Bodenhaftung bewahren

Das Gladbacher Erfolgsduo: Trainer Lucien Favre (l.) und Sportdirektor Max Eberl (r.).
Das Gladbacher Erfolgsduo: Trainer Lucien Favre (l.) und Sportdirektor Max Eberl (r.).
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Borussia Mönchengladbach ist erstmals direkt für die Champions League qualifiziert. Doch Sportdirektor Max Eberl will seine sachliche Personalpolitik fortführen.

Mönchengladbach.. Lucien Favre lässt nicht locker. Sein Team hat Platz drei sicher, niemand kann Fußball-Bundesligist Borussia Mönchengladbach am letzten Spieltag noch die Teilnahme an der Champions League vermiesen. Aber Favre arbeitet wie immer: Er studiert auch jetzt noch die Aufnahmen vom 2:0-Sieg in Bremen. Immer auf der Suche nach dem besseren Pass, dem besseren Schuss, der besseren Idee.

Kaderplanung Auch Max Eberl lässt nicht locker. Gladbachs Sportchef könnte sich genüsslich zurücklehnen und die Tage genießen. Borussia wird die Saison als Dritter beenden, vielleicht als Zweiter. Sie hat sich seit dem Beinahe-Abstieg vor vier Jahren atemberaubend entwickelt, was viel mit Eberls glücklichem Händchen bei Transfers und sehr viel mit Lucien Favres Qualität als Trainer zu tun hat.

Ein Geheimnis gibt es nicht

Man könnte jetzt auf große Ideen kommen, die Champions League wird ja mindestens 20 Millionen Euro in die Kassen spülen. Aber Max Eberl will davon nichts wissen. Seine Art, nicht locker zu lassen, heißt, gebetsmühlenartig einen Satz zu wiederholen: „Wir knallen jetzt nicht durch.“

Negativserien Gladbach, das ist die Geschichte einer Saison, die alle staunen lässt. Irgendwo muss das Geheimnis dieses Sturms auf Platz drei liegen. Dritter: Schalke hat man dort vor der Saison erwartet, Dortmund, Wolfsburg. Aber nicht die Borussia. „Das eine Geheimnis“, sagt Eberl, „gibt es nicht. Diese Saison ist die Summe unserer jüngeren Geschichte.“ Diese Geschichte heißt: das Machbare tun, das Glück zwingen, die Spinnereien lassen.

Die Qualitäten von Gladbach-Trainer Lucien Favre

Mönchengladbach war so gut wie abgestiegen, als Eberl vor vier Jahren Lucien Favre holte. Der Trainer hielt das Team über die Relegation gegen den VfL Bochum in der Liga, sofort danach schoss die Borussia nach oben, sie wurde besser und besser. Platz drei und die Qualifikation für die Champions League sind der Höhepunkt dieser Entwicklung.

Das klingt nach einem Aufstieg wie von Zauberhand, aber Max Eberl hat ein paar handfeste Erklärungen: „Wir haben über die Jahre Qualität aufgebaut“, sagt er, „der Kader hat Tiefe. Und in der Rückrunde spielt die Elf technisch und taktisch nahezu perfekt, dazu wird sie von einem großen Selbstbewusstsein getragen.“

Königsklassen-Einzug Noch etwas kommt dazu: Die Konkurrenz hat in dieser Saison gepatzt. „Wenn Bayern, Schalke, Dortmund, Wolfsburg und Leverkusen es gut machen, dann werden wir mit der gleichen Arbeit, die wir jetzt abliefern, Sechster. Und das wäre übrigens auch ein tolles Ergebnis.“ Eberl muss den Zeigefinger übrigens gar nicht heben, die Tabelle verrät, wer von den fünf großen Teams der Liga es in dieser Saison überhaupt nicht gut gemacht hat.

Eberl glaubt fest an die tiefere Wahrheit seiner Aussage: Wirtschaftlich sei die Liga ganz oben zementiert.

Deshalb beharrt er auf seinem Standpunkt: „Wir stehen vor einer Saison mit Dreifachbelastung, die Champions League ist auch noch Neuland für uns. Aber wir knallen deshalb auf dem Transfermarkt nicht durch.“ Gladbachs Taktik bleibt die der jüngsten Vergangenheit: verstärken, ergänzen, dabei den Gehaltsrahmen intakt halten.

Gladbach sucht noch einen Innenverteidiger und einen Stürmer

So lässt sich die Personalpolitik vor dem aufregendsten Jahr seit seligen Fohlen-Zeiten betont sachlich an: Gladbach wird Christoph Kramer an Leverkusen und Stürmer Max Kruse an Wolfsburg verlieren. Dafür kommt Hannovers Kapitän Lars Stindl. Ein Spieler, wie ihn Trainer Lucien Favre mag: technisch stark, spielintelligent und im Mittelfeld auf mehreren Positionen einsetzbar.

Saisonfinale Kommen soll ein so junger wie guter Innenverteidiger, kommen soll ein Stürmer. Diese beiden Transfers, weiß Eberl, werden sitzen müssen. Für den Angriff ist nach Bremens Franco di Santo, Hoffenheims Kevin Volland und Anderlechts Aleksandar Mitrovic nun der Mainzer Shinji Okazaki im Gespräch. Acht Millionen Euro würde der Japaner kosten. Es wäre eine Summe, die ins Gladbacher Budget, ins Gladbacher Selbstverständnis passt.

Sich weiter entwickeln, nicht durchknallen eben: Da lässt Max Eberl einfach nicht locker.