Trainer Favre hat bei Gladbach einen Plan
21.08.2011 | 20:50 Uhr 2011-08-21T20:50:29+0200
Mönchengladbach. In Gladbach hat sich seit der letzten Saison Vieles verändert- dank Trainer Lucien Favre. Nach der Gala gegen den VfL Wolfsburg lobten die Spieler ihren detailverliebten Trainer. Vor allem Raul Bobadilla freute sich über seine zweite Chance.
Thorben Marx kam gerade vom großen Jubel auf dem Rasen des Borussia-Parks. Er schwitzte ein wenig, ging noch einmal alle wichtigen Szenen des grandiosen 4:1 der Mönchengladbacher gegen den VfL Wolfsburg durch und sagte dann den entscheidenden Satz: „Wir wissen einfach, was wir vorhaben.“
Genau deshalb grüßt die Borussia nach drei Spieltagen mit sieben Punkten von der Spitze der Tabelle und hat seit zehn Pflichtspielen nicht mehr verloren. Die Gladbacher Gala gegen Felix Magaths Chaos-Wölfe riss alle 43 000 Zuschauer von den Sitzen – auch die Zuschauer, die in den vergangenen Jahren fast nur zum Meckern ins Stadion gekommen waren. Doch das ist jetzt anders. Weil einer einen Plan hat – Trainer Lucien Favre.
Tausendmal im Training geübt
Dessen Training ist eine Wucht – sagen zumindest die Spieler. „Wir haben sehr viel von dem umgesetzt, was wir im Training erarbeitet haben“, sagte Stürmer Mike Hanke. „Zum Beispiel das vierte Tor von Marco war so ein Spielzug.“ Roman Neustädter leitete den Treffer im Mittelfeld mit einem Pass auf die rechte Seite ein, dort schaute Juan Arango einmal kurz und flankte präzise auf den langen Pfosten. Dort stand Marco Reus und hämmerte den Ball volley ins Tor (4:1/67.). Tausendmal im Training geübt.
Überhaupt Marco Reus. Kaum zu glauben, dass Gladbach Schwierigkeiten bekommt, wenn der Noch-nicht-ganz-Nationalspieler alle Gegner so narrt wie die Wolfsburger. Der Volleyschuss war der Höhepunkt des Abends, zuvor hatte Reus schon das 1:1 erzielt (15.) und den Elfmeter herausgeholt, den Filip Daems zum 2:1 verwandelte (33.). Und auch Reus lobte den detailverliebten Trainer – wenn auch nur indirekt. „Wir haben alle hart an uns gearbeitet“, erklärte der Dribbler.
Favre gab Bobadilla eine zweite Chance
Dass neben Reus aber noch ein weiterer Spieler brillierte, hatte nicht einmal Bastler Favre eingeplant. „Er hat alle überrascht, mich inbegriffen“, sagte der Trainer über Stürmer Raul Bobadilla. Den hatte Gladbach im Winter, als alle schon über die 2. Bundesliga diskutiert, nach mehreren Eskapaden aussortiert und für ein halbes Jahr nach Saloniki in Griechenland geschickt. Beim ersten Training in dieser Saison tauchte Bobadilla wieder auf und Favre gab ihm eine neue Chance. Die nutzte Bobadilla. Zweikampfstark, torgefährlich, mannschaftsdienlich. Klasse, wie er Marco Reus vor dem 1:1 sah, hervorragend, wie er selbst per Kopf zum 3:1 traf (45.). „Ich bin wieder da“, erklärte Bobadilla nach dem Spiel. Strahlend.
Und doch – bei allem Jubel über den Gladbacher Fohlen-Gedächtnisfußball – erinnert ein vergleichbares Ergebnis an das beinahe furchtbare Ende der vergangenen Saison. Vor fast genau einem Jahr, am zweiten Spieltag war das, gewannen die Gladbacher in Leverkusen mit 6:3. Beim späteren Vizemeister. Der bittere Verlauf der Saison ist bekannt. Genau deshalb betont Favre: „Es wird eine extrem schwere Saison. Wir müssen von Anfang an um jeden Punkt kämpfen.“
Wobei kaum zu glauben ist, dass Gladbach in diesem Jahr ähnlich einbricht. Denn Favre, dieser zurückhaltende Fußball-Lehrer , weiß einfach, was er vorhat. Auch nächste Woche. Dann geht’s für Gladbach nach Schalke.

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