Sieg für Gladbachs Marco Reus
31.10.2011 | 00:53 Uhr 2011-10-31T00:53:52+0100
Mönchengladbach. Beim 2:1-Erfolg von Mönchengladbach gegen Hannover 96 war Marco Reus nicht nur wegen seiner zwei Tore das Hauptthema. Die Begehren des FC Bayern München schüren Borussias Urängste.
Eine gute Wahl. Auf dem Titelblatt des aktuellen Stadionheftes von Borussia Mönchengladbach ist ein Foto von Marco Reus zu sehen. Er blickt über seine linke Schulter, grinst und strahlt Optimismus aus. So als wolle er sagen: Keine Sorge Leute, das wird schon klappen gegen Hannover 96. Und diese Interpretation wird nur wenige Seiten weiter von Schlagzeilen untermauert, die den Profi als „Rakete“, „Retter“ oder „Zauber-Zwerg“ feiern.
So viel Kult um einen Spieler ist wirklich selten, aber eben so selten dürfte sein, dass genau dieser Spieler dann hergeht, alle Lorbeeren bestätigt und ein Fußballspiel beinahe im Alleingang entscheidet. Borussia Reus siegt 2:1 gegen Hannover 96 hieß es am Ende einer Bundesligapartie, in dem der Gladbacher Mittelfeldmann nicht nur mit Toren bestätigte, wie ungeheuer wertvoll er für sein Team ist.
„Er hat zwei Tore gemacht“, freute sich Lucien Favre und fügte hinzu: „Eins mit links, eins mit rechts, fehlt nur noch ein Kopfballtor.“ Das war als Scherz gedacht, andererseits: Würde sich wirklich jemand wundern, wenn Gladbachs Techniker demnächst auch noch mit dem Kopf trifft?
„Für uns ist wichtig, dass Marco so weiterspielt“, ergänzte der Fußball-Lehrer, der am Samstag sehr deutlich machte, wie ungern er seinen Motor verlieren würde. „Er kann hier noch viele Fortschritte machen, deshalb möchte ich mit ihm noch vieles individuell trainieren.“
Borussen-Fans befürchten Reus' Abschied
Es ist mal wieder so. Die Begehren der Bayern schüren Borussias Urängste. Sie haben Lothar Matthäus an die Münchner verloren, gleich zweimal mussten sie Stefan Effenberg zu den Bayern ziehen lassen, und zuletzt wählte Alexander Baumjohann das rote Trikot, obwohl er sich gerade erst in Gladbach zu einer festen Größe entwickelt hatte. Soll das ewig so weitergehen, fragen die Fans? Soll mit Marco schon wieder der wichtigste Mann gen Süden ziehen?
Wenn es stimmt, was der 22-Jährige erklärt, dann hat er in seinem bis 2015 laufenden Vertrag eine Ausstiegsklausel, die ihm ermöglicht, 2013 für eine festgeschriebene Summe den Klub zu verlassen. Kurzum: Sollten die Münchner den Blondschopf früher haben wollen, und sollte Reus zugleich zum Wechsel bereit sein, würde der beträchtliche Preis (angeblich 18 Millionen Euro) nochmals steigen.
Interessant in diesem Zusammenhang: Brauchen die Bayern, die auf den Außenpositionen mit Franck Ribery, David Alaba, Thomas Müller und Arjen Robben über unglaubliche Qualität verfügen, tatsächlich noch einen weiteren Flügelmann? Und: Will sich der Gladbacher, der sich bei Borussia ausgesprochen wohl fühlt, wirklich das Abenteuer München schon mittelfristig antun? Reus selbst äußerte sich auch am Samstag so, wie es klug ist. Er habe einen Vertrag mit der Borussia, er gebe alles für den Verein, ihn freue das Münchner Lob, er könne ohnehin nicht beeinflussen, was alles geschrieben würde und zusammenfassend: „Das ist alles sehr schön, aber ich finde, wir sollten uns darauf konzentrieren, was jetzt ist.“+
Gladbach will mit breiter Brust nach Berlin fahren
Aktuell steht Gladbach auf dem fünften Tabellenplatz. Mit dem Erfolg gegen die 96er hat das Team eine Durststrecke mit nur einem gewonnen Punkt aus den vergangenen drei Spielen beendet. „Dieser Sieg war sehr, sehr wichtig für uns“, sagte Trainer Favre und atmete entsprechend auf. Gerade vor dem Auswärtsspiel bei seinem Ex-Klub Hertha BSC, mit dem ihm eine „Super-Erinnerung verbindet“, wollte er keinen weiteren Rückschlag hinnehmen.
Mit breiter Brust nach Berlin soll das Motto sein. Und Favre hätte bestimmt nichts dagegen, wenn Hertha-Trainer Markus Babbel am nächsten Wochenende so schwärmen würde, wie es diesmal Hannovers Mirko Slomka getan hat: „Marco Reus ist ein toller Spieler, gegen ihn kann man nicht alles verhindern.“

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