Mit Glück und Geduld wird Gladbach Derby-Sieger gegen Köln

Schiedsrichter Deniz Aytekin zeigt Kölns Kevin Wimmer die Gelbe Karte. Der FC-Abwehrspieler ärgerte sich über die spielentscheidende Szene in Gladbach.
Schiedsrichter Deniz Aytekin zeigt Kölns Kevin Wimmer die Gelbe Karte. Der FC-Abwehrspieler ärgerte sich über die spielentscheidende Szene in Gladbach.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Borussia Mönchengladbach tat sich gegen Köln ähnlich schwer wie vor einer Woche auf Schalke. Eine diskutable Standardsituation entschied das Derby.

Mönchengladbach.. Das Fußballblog „Spielverlagerung.de“ hat an solchen Spielen große Freude: Taktik aus dem Lehrbuch, ausgetüftelte Kniffe der Trainer und defensive Detailverliebheit bis in den letzten Grashalm – da blühen die Experten auf, die den Fußball entschlüsseln wollen. Für Zuschauer und Fans sind Spiele wie die Partie zwischen Schalke und Borussia Mönchengladbach, in der die Königsblauen „fast einen Bus vor das Tor stellen“ (Granit Xhaka), eher ein Graus. Auch das 82. Rheinische Derby zwischen der Fohlenelf und dem 1. FC Köln war wahrlich kein Leckerbissen für die Fans.

Die Gäste aus der Domstadt verteidigten mit Mann und Maus, standen in einem eng geschnürten 4-4-2-System tief in der eigenen Hälfte und machten kaum etwas für die Offensive. Der Bus war eher eine komplette KVB-Straßenbahn, ein Kölner Bollwerk, dass für Gladbach nicht überwindbar schien. „Wir werden aus dem Spiel lernen“, versprach Borussias Torwart Yann Sommer nach der 0:1-Pleite auf Schalke und seine Mannschaft zeigte tatsächlich neue Ansatzpunkte.

Gladbach versucht Kölns Abwehr zu knacken

Variantenreicher waren die Versuche der Hausherren gegen die verteidigenden Gäste, die sich auf Stabilität und Passivität eingeschossen hatten. Gladbach versuchte mit Patrick Herrmann und Ibrahima Traoré über die schnellen Außen hinter die Verteidigungslinie zu kommen, traute sich mit Granit Xhaka und Max Kruse auch immer wieder zu, aus der Distanz zu schießen, um die Abwehr aus ihrem Reserve zu locken, suchte den Weg direkt durch die Mitte oder spielte von hinten über Christoph Kramer und Roel Brouwers lange Bälle in die gegnerische Hälfte, um für schnellen Raumgewinn zu sorgen. Einzig die Power und das Tempo im Vorwärtsgang fehlte der Borussia bei ihren Offensivaktionen – das war auch das Problem vor einer Woche in Gelsenkirchen. Derby-Chaoten

Das Derby wurde schließlich durch eine Standardsituation entschieden. Freilich ein probates Mittel, wenn nichts anderes hilft. Allerdings sorgte die Szene in der Nachspielzeit für gehörig Ärger bei den Kölnern. Kevin Wimmer foulte Branimir Hrgota auf dem rechten Flügel – eine Szene, die der FC-Abwehrspieler komplett anders interpretierte. „Wir wussten alle, dass es sich um die letzten Szenen des Spiels handelt. Deswegen bin ich extra zurückgeblieben. Ich habe nichts gemacht. Er hakt sich selbst bei sich ein“, analysierte Wimmer sauer. „Er erwischt mich unten am Fuß“, erklärte der Gefoulte selbst und ergänzt: Ein Kölner wäre auf der anderen Seite in so einer Situation „auch gefallen.“Derbyheld

„Arrogant“- FC-Spieler beklagen spielentscheidende Fehlentscheidung

Peter Stöger zürnte nach der spielentscheidenden Szene: „Schauen Sie sich's an“, forderte der Kölner Coach. „Auch ich habe da kein Foul gesehen. Mit einem 0:0 hätten wir sehr gut leben können“, erklärte FC-Manager Jörg Schmadtke recht ruhig. Weniger gelassen war Wimmer: „Arrogant“, meckerte der Verteidiger und meinte den Schiedsrichter-Assistent Markus Häcker. Der habe das vermeintliche Foulspiel in der Nachspielzeit gesehen, „da frage ich mich, bei welchem Spiel er war. Aber sie lassen nicht mit sich reden. Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben“, so Wimmer weiter.

Gladbachs Trainer Lucien Favre gab zu: „Dass wir letztlich durch einen Freistoß zum Siegtreffer kommen, ist sicherlich etwas glücklich“, so der Schweizer, der den Freistoß-Pfiff nicht kommentieren wollte. Mit Schiedsrichter-Entscheidungen befasst sich übrigens Spielverlagerung.de eher selten. Da kommen „Collinas Erben“ ins Spiel.

Kölner Problemfans: Platzsturm und Pezzoni-Hetze

Beim Platzsturm in Mönchengladbach ist die Kölner Fangemeinde nicht das erste Mal unangenehm aufgefallen. In der Vergangenheit hatte es eine Reihe an Vorfällen gegeben, die dem Club schon Strafen einbrachten. Eine Auflistung der größten Verfehlungen von Kölner Fans in der jüngeren Vergangenheit:

14. Februar 2015: Nach dem Spiel bei Borussia Mönchengladbach (0:1) stürmen rund 25 Vermummte den Platz und liefern sich auf dem Rasen heftige Rangeleien mit Polizisten und Sicherheitskräften. Außerdem wurden im Kölner Block während des Spiels Pyrotechnik und Böller gezündet.

19. März 2014: Das DFB-Sportgericht verurteilt den FC zu einer Geldstrafe von 50 000 Euro und einem für neun Monate zur Bewährung ausgesetzten Zuschauer-Teilausschluss. Die Strafen werden wegen des Einsatzes von Pyrotechnik sowie des Werfens von Gegenständen und Böllern in neun verschiedenen Fällen verhängt.

August 2012: Kölner Anhänger hetzen im Internet gegen FC-Spieler Kevin Pezzoni und lauern ihm vor der Wohnung auf. Der Verteidiger löst zum 31. August seinen Vertrag in Köln auf.

5. Mai 2012: Zum Ende des Spiels gegen den FC Bayern München (1:4), das den FC-Abstieg besiegelt, werden im Kölner Block schwarze Rauchbomben gezündet. Außerdem stürmen Chaoten den Platz. Schiedsrichter Florian Mayer beendet die Partie einige Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit, damit die Profis beider Teams sicher in die Kabinen kommen. Das DFB-Sportgericht verhängt eine Geldstrafe von 40 000 Euro und einen Teilausschluss im ersten Saison-Heimspiel 2012/13.

4. März 2012: FC-Hooligans bedrängen in drei Autos einen Fanbus von Borussia Mönchengladbach auf der Autobahn und zwingen den Fahrer zum Halt auf der Raststätte Siegburg-Ost. Dort greifen sie den Bus mit Ziegelsteinen und Schlagstöcken an. Verletzt wird niemand.

13. August 2011: Kölner Fans werfen beim Auswärtsspiel auf Schalke Becher mit Urin und Fäkalien in den gegnerischen Block. (Auflistung: dpa)