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Michael Frontzeck - ein unaufgeregter Typ

12.02.2010 | 07:12 Uhr
Michael Frontzeck - ein unaufgeregter Typ

Mönchengladbach. Bei Borussia Mönchengladbach wird derzeit mal nicht der Trainer in Frage gestellt - das liegt an 25 Punkten und an der ruhigen und konsequenten Art von Michael Frontzeck. Am Freitagabend möchte Gladbach das Heimspiel gegen Nürnberg gewinnen.

Es erforderte Mut. Keine Frage. Denn natürlich gab es ganz andere Kandidaten, die man mit weit weniger Vorbehalten empfangen hätte. Aber daran hat sich Max Eberl nicht gestört, als er die Entscheidung zu treffen hatte, wer Borussia Mönchengladbachs neuer Trainer werden soll. Der Sportdirektor wollte Michael Frontzeck, und keinen anderen, obwohl er genau wusste, dass der Mann schon längst seinen Stempel weg hatte. Die einen sprachen vom Abstiegstrainer, die anderen spekulierten über einen Ehemaligen-Bonus, und die Zahl derer, die keine Bedenken hatten, gingen unter in der allgemeinen Besorgnis.

Das alles war kein Wunder, weil es zuvor so turbulent zugegangen war. Kaum war ein Fußball-Lehrer nach Mönchengladbach gekommen, war er auch schon wieder weg. Ein Kommen und Gehen wie in einer Drehtür. Neun Trainer seit 2003, die Interimslösungen nicht mitgezählt. Warum also sollte es ausgerechnet Michael Frontzeck länger auf diesem Schleudersitz aushalten? Damals, im vergangenen Sommer, drängte sich die Frage auf. Mittlerweile wird sie nicht mehr gestellt.

438 Einsätze in der Bundesliga

Natürlich liegt das an der ordentlichen Ausbeute: 25 Punkte bis heute, vor dem Spiel gegen den 1. FC Nürnberg (20.30 Uhr/Sky), sind nicht schlecht für einen Klub, der als Bundesligist in den vergangenen Jahren stets in höchster Abstiegsgefahr schwebte. Aber mehr noch dürfte die Tatsache, dass der Trainer nicht mehr in Frage gestellt wird, mit der Person Frontzeck selbst zusammen hängen.

Der 45-Jährige kennt das Geschäft wie kaum ein anderer in seinem Alter. Er hatte 438 Einsätze in der Bundesliga, 54 in der Zweiten Liga, 19 in der Nationalmannschaft, und er hat in seiner langen Karriere Trainertypen wie Jupp Heynckes, Christoph Daum, Volker Finke oder Hans Meyer erlebt. Da bleibt was hängen, bestimmt mehr als nur die Einsicht, dass das Geschäft ungemein aufgeblasen ist.

„Wissen Sie, ich nehme mich in dem ganzen Zirkus nicht besonders wichtig”, versicherte er unlängst, als er gefragt wurde, ob Gladbach die entscheidende Station in seiner Karriere ist. Das klingt lässig, unaufgeregt, wenn man will sogar cool, genau nach den Attributen, die man Michael Frontzeck in Gladbach gerade anpappt.

Er arbeite ohne Brimborium, er bewahre die Ruhe, er behalte das Wesentliche im Auge, er zeige Vertrauen und vor allem sei er konsequent, loben die Journalisten der örtlichen Zeitungen, die tagtäglich mit ihm zu tun haben. Als Michael Bradley einmal „unprofessionel reagierte”, wie es hieß, als er nicht in der Startelf stand, durfte er sich das Heimspiel gegen Mainz von der Tribüne aus ansehen. Ebenso erging es Raul Bobadilla, der vor dem Spiel gegen Hannover 96 aus dem Kader flog, weil er einen Massage-Termin verpasst hatte.

Kein Harakiri, aber auch kein Riegel

Das nennt man Konsequenz, und wer so konsequent handelt, verschafft sich Respekt. Es gibt klare Spielregeln, die Bradley und Bobadilla begriffen haben. Mit vollem Ehrgeiz kamen die beiden ins Team zurück, so dass Michael Frontzeck keine Probleme hatte, die Vorfälle als „abgehakt” zu betrachten. Es geht Frontzeck um Disziplin, die er für unabdingbar hält, wenn das Kollektiv funktionieren soll.

Disziplin neben, aber vor allem auch auf dem Rasen. Max Eberl hat Frontzeck auch deshalb geholt, weil jene Teams, die der Trainer früher betreute, mit einer klar erkennbaren Ordnung auftraten. So war es in Aachen, in Bielefeld, und so ist es jetzt in Mönchengladbach, wo er viel mehr spielerische Qualität auf den Rasen schicken kann.

Die Idee ist klar. Kein Harakiri, aber auch keinen Riegel. Zwei Sechser, zwei Außenstürmer, Borussia spielt ein 4-4-2-System mit der Vorgabe, aus einer kompakten Defensive anzugreifen, möglichst schnell und präszise. Das gelingt mal mehr und mal weniger gut. Holprig war es besonders im Herbst, als Borussia sechs Pflichtspiele am Stück verlor und der Sportchef schon rigoros erklären musste, dass man sich auf gar keinen Fall eine Trainerdiskusion aufzwingen lasse.

Die Pläne sind ganz andere. Es soll Kontinuität in den Klub, es soll etwas wachsen, der Trainer soll diesmal ausreichend Zeit bekommen, um ein Team finden und formen zu können. In der Winterpause hat der Klub nicht einen neuen Spieler geholt. „Wir haben optimale Bedingungen, und wir haben genügend Qualität”, so Michael Frontzeck gegenüber dem Bonner General-Anzeiger. „Wenn drei Viertel der heutigen Spieler in drei Jahren noch auf dem Foto sind, dann kann man sicher sein, dass hier etwas gewachsen ist.” Drei Viertel der Spieler, aber vor allem wohl der Trainer.

Artur vom Stein

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