Meistertrainer Lucien Favre
22.01.2012 | 23:14 Uhr 2012-01-22T23:14:03+0100
Mönchengladbach. Beim 3:1 gegen den FC Bayern München war Borussia Mönchengladbachs Trainer Lucien Favre der haushohe taktische Sieger. Favre hat sein System mittlerweile so perfektioniert, dass der Ausfall eines Leistungsträgers wie Dante nicht mehr auffällt. Ein Kommentar.
Vielleicht kann man darüber streiten, welchen Sinn es macht, ein Trainingslager vor dem Rückrundenstart euphorisch zu feiern und als die beste Vorbereitung seiner Karriere zu würdigen. Weniger streiten dürfte man allerdings über die Frage, warum Bayerns Trainer Jupp Heynckes plötzlich hingeht und Manuel Neuer einen grundsätzlichen Nachteil bescheinigt: „Sein Problem ist, er will das Spiel zu schnell machen, er muss ruhiger und konzentrierter werden.“
Bayern lieferten ein negatives Bild ab
Wohlgemerkt, gemeint ist jener Torwart, der von Experten unaufhörlich gelobt wird: Weil er so modern spielt, weil er als Libero gefährliche Situationen entschärft, weil er kreativ ist und ungemein schnell und präzise einen Spielzug einleiten kann. Kurzum: Der ehemalige Schalker ist zum besten Keeper in Deutschland geworden, weil er super hält, fix im Kopf ist und das Spiel nicht verlangsamt.
Borussia Mönchengladbach will sich dauerhaft in den einstelligen Tabellenrängen der Bundesliga etablieren - aber nicht zehn bis zwölf Millionen in nur einen Spieler investieren. Das sagte Sportdirektor Max Eberl zwei Tage nach der 3:1-Gala gegen den FC Bayern.
So gesehen hat Heynckes tatsächlich Neuers Stärken kritisiert. Und das passt ins negative Bild, das die Bayern ablieferten. Wieder einmal taten sie sich schwer damit, eine Niederlage anzuerkennen. Philipp Lahm wollte nichts davon hören, gegen ein besseres Team verloren zu haben, Heynckes mäkelte über falsche Abseitsentscheidungen und Bastian Schweinsteiger fiel nichts anderes mehr ein, als sich über den Zustand des Rasens zu mokieren.
Kein gutes Zeichen. Es wirkt ratlos, wenig konstruktiv, da der Kern des Problems nicht einmal gestreift wird. Ballbesitz ist kein Selbstzweck. Wenn man verhalten aufstellt, den eher defensiven Timostschuk ins Mittelfeld bringt für Kroos, der wiederum die Ribery-Lücke auf der linken Seite zu füllen hat, darf man sich nicht über ein breites Spiel und wenig Chancen wundern. Erst recht nicht gegen Gladbach.
Haushoher taktischer Sieger an diesem Abend war zweifelsfrei Borussias Trainer Lucien Favre, der sein System mittlerweile so perfektioniert hat, dass selbst der Ausfall eines Leistungsträgers wie Dante überhaupt nicht mehr auffällt. Eine bessere Visitenkarte kann man als Fußball-Lehrer kaum abgeben. Spätestens am Freitag werden das auch die Bayern erkannt haben, die genau wissen, wie schwierig es ist, einen passenden Coach zu finden. Auch das hat der Abend gebracht: Bei allem Jubel über den Sieg ist die Sorge der Gladbacher nicht kleiner geworden, auch Lucien Favre mittelfristig zu verlieren.

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