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Trainingslager, Tag 8

Lucien Favre ist "extrem zufrieden" mit dem Gladbach-Kader

18.07.2013 | 13:43 Uhr
Trainer Favre will in der kommenden Saison weder Rücksicht auf Namen noch auf Ablösesummen nehmen.Foto: Imago

Rottach-Egern.  Borussia Mönchengladbach hat sein Trainingslager am Tegernsee beendet. Trainer Favre will in der kommenden Saison weder Rücksicht auf Namen noch auf Ablösesummen nehmen, kündigt sogar mögliche Überraschungen für den Bundesliga-Auftakt beim FC Bayern München an.

Auch nach dem Testspiel gegen den 1. FC Nürnberg in Grassau strahlt Lucien Favre. Klar, Borussia Mönchengladbach hatte gerade die Partie gegen den Bundesliga-Konkurrenten mit 3:0 ungefährdet gewonnen, aber der Perfektionist Favre hatte früher immer Kleinigkeiten gefunden, mit denen er nicht zufrieden war, die ihn beschäftigten und die seine Stimmung bestimmten.

Favre hätte vor einem Jahr selbst an einem Kickertisch die Figuren abmontiert, um an taktischen Stellschrauben zu drehen. Nach sieben Tagen Trainingslager am Tegernsee lacht der Schweizer mit der Sonne um die Wette. Freunde und Kenner wie Ex-Hertha Manager Dieter Hoeneß behaupten, dieser Tage einen völlig "neuen Lucien Favre" kennenzulernen.

Was mögen die Gründe für den Stimmungswechsel des Trainers sein? Am Kickertisch im Pressebereich des Luxushotels Überfahrt in Rottach-Egern wird es deutlich. Die taktische Formation (2-5-3!) bleibt wie sie ist - Favre ändert nicht die Taktik, sondern würde einfach die Spieler austauschen, falls es nötig wäre. Denn diese Möglichkeiten hat der 55-Jährige in der kommenden Spielzeit. Lucien Favre ist "extrem zufrieden mit dem Kader"

Max Kruse und Raffael "bringen mehr Flexibilität"

Max Kruse und Raffael "bringen mehr Flexibilität", freut sich Favre über die etablierten Neuzugänge und erklärt gleichzeitig: "Keiner hat seine Garantie zu spielen". Borussia Mönchengladbach erlebt eine ganz neue Art des Konkurrenzkampf, der in der zurückliegenden Saison nur theoretisch vorhanden war. "Extrem zufrieden" ist Favre mit dem Kader. Der Plan von Sportdirektor Max Eberl, die namhaften Abgänge von Marco Reus, Roman Neustädter und Dante "in zwei Sommertransferperioden aufzufangen" ist vollzogen und der Manager macht seinen Coach damit glücklich. "Wir haben gute Spieler verpflichtet und auch ein paar Nachwuchsspieler, die nicht schlecht sind", lobt Favre die Perspektive des Klubs, die "mittel- und langfristig wichtig für Gladbach" ist.

Gladbach
Gladbach besiegt Nürnberg 3:0 im letzten Trainingslager-Test

Auch im letzten Test hat Gladbach die positive Stimmung nach sieben Tagen Trainingslager am Tegernsee bestätigt. Mit 3:0 besiegten sie den Ligakonkurrenten 1. FC Nürnberg und brachten dem "Club" damit seine erste Niederlage in der Vorbereitung ein. Patrick Herrmann überzeugte mit zwei Toren.

Der Fußballlehrer will in der kommenden Saison weder Rücksicht auf Namen noch auf Ablösesummen nehmen, kündigt sogar mögliche Überraschungen für den Bundesliga-Auftakt beim FC Bayern München an. Ein oder zwei Nachwuchsspieler werden im Kader bleiben und "sind nicht weit davon entfernt, zu spielen". Christoph Kramer, laufstarker Mittelfeldspieler vom VfL Bochum, ist einer der Kandidaten. Oder der erst 17-jährige Mo Dahoud, der ebenfalls im Mittelfeld schon Glanzlichter setzte. "Und vergessen Sie nicht Hrgota", hebt Favre den Zeigefinger und weiß um den Entwicklungssprung, den der schwedische Youngster Branimir Hrgota gemacht hat - nicht erst seit seinem rotzfrechen Elfmeter beim FSV Mainz im Mai. Favre verteile keine Geschenke; die Spieler seien dabei, "weil sie was leisten".

Gute Erkenntnisse gewonnen

Auch Favre leistet gute Arbeit. Nach verhindertem Abstieg, einem sensationellen vierten Platz vor zwei Jahren und einem guten achten Platz zuletzt, wolle der Trainer den Aufbau weiter vorantreiben. Von den Top-Neuzugängen der vergangenen Saison - Granit Xhaka und Luuk de Jong erwartet der Coach einen Sprung nach vorne. "Ich spreche viel mit Granit", erklärt Favre: "und zeige ihm, was er unbedingt verbessern muss". Sein Landmann habe die Spielintelligenz, die er sich wünsche und sei Defensiv stark verbessert. Auch de Jong habe "einen sehr guten Eindruck im Trainingslager" und auch beim Test gegen den Club hinterlassen. Alvaro Dominguez habe schon eine gute Saison gespielt und müsse nur noch "im Aufbau Fortschritte machen".

Gladbach
Gladbach-Trainer Favre hat "keine Angst" vor den Bayern

Am kommenden Samstag startet im Gladbacher Borussiapark der Telekom Cup. Fohlen-Trainer Lucien Favre freut sich auf eine "fantastische Fan-Feier". Vor Top-Gegnern wie den Bayern und Borussia Dortmund zeigt der Bundesliga-Trainer im Interview keine Angst - im Gegenteil.

An den Fortschritten hat Gladbach sieben Tage in Rottach-Egern hart gearbeitet. "Wir haben sehr intensiv trainiert" sagt Favre der sich sogar den magath'schen Beinahmen "Quälix" verdiente. "Gute Erkenntnisse", habe er gewonnen und "sehr gute technische Kombinationen im Training" gesehen, seine Spieler waren "engagiert und korrekt in den Zweikämpfen" - jetzt gilt es, "die Automatismen zu finden".

Über Saisonziele will der Schweizer nicht sprechen

Über Saisonziele will der Schweizer nicht sprechen, lieber redet er weiter vom Aufbau der Mannschaft und der großen Konkurrenz von Leverkusen und Schalke. So weit sei die Borussia noch nicht, man müsse "geduldig sein". Borussia Dortmund oder der Triple-Sieger aus München seien eh nicht der Maßstab, mit dem sich die Fohlen messen werden.

Gladbach am Tegernsee - Tag 5

 

Am 9. August wird sich Gladbach zwangsläufig mit den Münchenern messen müssen - der Spielplan sieht es so vor. "Vielleicht ist es ein Vorteil für uns, so früh gegen Bayern zu spielen", bestätigt Favre die Aussage von Innenverteidiger Dominguez. Aber er habe den Rekordmeister gegen Rostock spielen sehen und die Mannschaft habe das Konzept von Pep Guardiola "jetzt schon sehr gut interpretiert".

Man müssen so oder so gegen die Elf vom spanischen Top-Trainer spielen und "wir haben keine Angst vor Bayern". Lucien Favre sieht das gelassen, wie so viele Dinge in der Vorbereitung auf die Saison. Stillstand durch Zufriedenheit wird es am Niederrhein aber nicht geben - da kann der Trainer dann doch nicht aus seiner Haut.

David Nienhaus


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