Kopfballungeheuer Xhaka hat Worten Taten folgen lassen

Am Ende war nur Jubel: Granit Xhaka rennt nach seinem 1:0-Siegtreffer für Borussia Mönchengladbach im Derby gegen Köln über den ganzen Platz.
Am Ende war nur Jubel: Granit Xhaka rennt nach seinem 1:0-Siegtreffer für Borussia Mönchengladbach im Derby gegen Köln über den ganzen Platz.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
An sein letztes Kopfballtor konnte sich Borussia Mönchengladbachs Derbyheld Granit Xhaka nicht erinnern. Gegen Köln traf der Schweizer mit Köpfchen.

Mönchengladbach.. Hier noch ein Pinselstrich, dort noch ein Farbtupfer und fertig ist das Gemälde vom Gladbacher Derbysieg gegen den 1. FC Köln. In der Bildmitte: Granit Xhaka, wie er gleich gegen die komplette gegnerische Abwehrreihe hochsteigt und den Ball wuchtig aus zehn Metern unhaltbar in die Maschen köpft. Ein Stillleben. So ein Kunstwerk wirkt wohl eher im popkulturellen Stil. Bunt, vielleicht mit Marvel-Comic-Elementen. Allzu romantisch gar im Biedermeier-Stil wäre fehl am Platz.

Granit Xhaka wird seine eigene Vorstellung davon haben, wie er dieses Tor, dass das 82. Rheinische Derby entschieden hat, auf einer Leinwand verewigen wird. „Vielleicht werde ich ein Bild malen lassen mit dem Jubel oder dem Kopfballtor“, überlegt der Derbyheld nach der Partie. „Diesen Tag werde ich nicht vergessen“, erklärt der 22-Jährige.

Kein Kraut gewachsen gegen Kölns Defensive

Dieser Tag, er war wie gemalt für Borussia Mönchengladbach. Selbst schlug die Mannschaft von Trainer Lucien Favre den Rheinrivalen aus der Domstadt in einem Geduldsspiel in der Schlusssekunde mit 1:0. Dann verloren sämtliche Konkurrenten der Borussia im Kampf um die Champions-League-Plätze. Bayer Leverkusen (gegen Wolfsburg), der FC Augsburg (in Bremen) und am Abend auch noch der FC Schalke (in Frankfurt) ließen Punkte liegen und Gladbach sprang mit dem Dreier gegen Köln wieder auf Rang drei der Bundesliga-Tabelle.

Dabei sah es lange nicht nach einem Erfolg für die Fohlenelf aus. Zwar war die Borussia wie auch auf Schalke in den meisten statistischen Werten überlegen, gegen hartnäckig verteidigende Kölner aber schien kein Kraut gewachsen zu sein. Allen Angriffsbemühungen zum Trotz musste eine Standardsituation die Entscheidung herbeiführen. Der eingewechselte Branimir Hrgota wurde gefoult – die Kölner beklagten sich nach dem Spiel über die Entscheidung des Schiedsrichters – Thorgan Hazard flankte den Ball in die Mitte und dort stand Xhaka ebenso goldrichtig wie wuchtig.

Xhaka wird Gladbachs Derbyheld

Der Schweizer Nationalspieler sprintete jubelnd über den kompletten Platz in die Arme von Landsmann und Torhüter Yann Sommer, mit dem er den Siegtreffer vor der Gladbacher Nordkurve feierte. „Ich war eigentlich schon ein paar Minuten vorher total schlapp und konnte nicht mehr, weil es enorm schwer gewesen sei gegen so defensive Kölner“, wunderte sich Xhaka über seine Sprintreserven. „Wie Usain Bolt“ sei der Derbyheld übers Feld gerannt, lachte Ibrahima Traoré. Derby-Chaoten

„Der Mann, der am meisten redet“, habe heute das Spiel entschieden, grinste Xhaka. „Ich rede und tue das, was ich gesagt habe“, erinnerte der Schweizer Nationalspieler an seine Kritik nach der Pleite auf Schalke. „Ja, man kann es so auslegen, dass er hat Taten folgen lassen“, sagte Gladbachs Manager Max Eberl locker dazu.

"Es war ein wunderschönes Derby"

Xhaka hatte die meisten Torschüsse seiner Mannschaft, ebenso die meisten Ballkontakte und trieb die Borussia immer wieder nach vorne, um das Kölner Abwehrbollwerk aus Granit zu überwinden. Dass das klappt, wusste er schon vor dem Spiel. „Entweder ich hole die Rote Karte und ich treffe“, hatte er dem Mannschaftsarzt vor dem Spiel prophezeit. So wie es gelaufen ist, sei es natürlich die deutlich bessere Variante gewesen. Eingebung. So wie seine Entscheidung, in der Schlussminute im Strafraum aufzutauchen. „Ich war eigentlich gar nicht eingeplant im Sechszehner“, verriet Xhaka. „Ich habe Tony Jantschke gesagt, er solle hinten absichern, dass der Trainer auch mal meine Qualitäten vorne im Strafraum sehen kann.“ Flanke Hazard, Tor Xhaka. Wie gemalt.

„Es war ein wunderschönes Derby. Hätte man vorab ein Buch darüber schreiben müssen, es hätte wohl genauso geendet“, sagte Sommer nach dem Spiel.

Ein Bild, ein Buch. Der Schweizer ist eben ein Kunstliebhaber.