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Königstransfer de Jong lässt Gladbach strahlen

18.07.2012 | 18:27 Uhr

Mönchengladbach.   Lange hat es gedauert, nun ist Stürmer Luuk de Jong ein Gladbacher. Die Borussia aus Mönchengladbach glaubt, den richtigen Nachfolger für Marco Reus gefunden zu haben.

Max Eberl ist mit seinen 38 Jahren einer der Jungen im Manager-Geschäft der Bundesliga. Vielleicht stiehlt sich deshalb dieses Lausbuben-Lächeln auf sein Gesicht.

So lächelt Eberl, wenn er sich über etwas freut. Am Mittwoch hat er oft und lange gelächelt: Seine Mönchengladbacher Borussia hat ihren, hat seinen Königstransfer vorgestellt. Man wollte den Niederländer Luuk de Jong haben, er soll die überlebensgroße Lücke schließen, die Marco Reus mit seinem Abgang nach Dortmund gerissen hat. Nun ist de Jong da. Es war nicht einfach, es war ziemlich teuer, ihn zu holen. Aber er, Max Eberl, hat diesen Transfer gestemmt. Er hat vorher schon zwei Hochkaräter geholt, er hat auch noch den Vertrag seines umworbenen Trainers Lucien Favre verlängert. Es ist, Matthias Sammer hin und Bayern München her, der Sommer Max Eberls.

Gladbachs Luuk de Jong (4.v.r.) im Kreise seiner neuen Teamkollegen.Foto: Getty

Im Grunde hatte er auch keine andere Wahl, als mit hohem Einsatz zu arbeiten. Borussia Mönchengladbach hat ein aufregendes Jahr hinter sich, Trainer Lucien Favre, der Held des Niederrheins, hat ein Team auf Platz vier geführt, dem man das nicht zugetraut hatte. So etwas weckt immer Begehrlichkeiten. Erst ging Marco Reus, der Beste, zu Borussia Dortmund. Dann griff sich Schalke 04 Roman Neustädter, am Ende holte Bayern München Abwehrchef Dante.

Abgänge spülten 20 Millionen Euro in die Kasse der Borussia

Das waren drei herbe Verluste, die auch Lucien Favre zu denken gaben. Sie singen in Gladbach das Hohelied auf diesen Trainer, er hat Borussia im Sommer 2011 gerettet und im Sommer 2012 auf Platz vier geführt. Favre gilt als überragender Taktiker. Aber auch als einer, der sich jeden Schritt zweimal überlegt, und der den Borussen intern zu verstehen gab: Ich will nicht hinter das Niveau von 2012 zurück. Gleicht mir die Abgänge aus.

Das war eine Menge Holz für Eberl. Aber wenn die Verluste der drei Spieler ein Gutes hatten, dann das: Sie spülten Gladbach über 20 Millionen Euro in die Kasse, die Eberl in die Mannschaft stecken konnte. Granit Xhaka, der 19 Jahre junger Schweizer, soll der neue Neustädter sein, Alvaro Dominguez, 23 und aus Spanien, kam für Dante. Und nun Luuk de Jong, der Reus-Nachfolger.

Gladbach treffsicher

Wochenlang hat Eberl mit dem FC Twente Enschede verhandeln müssen. Twentes Präsident Joop Munstermann gilt als schwieriger Gesprächspartner. Nun ist de Jong, der in der abgelaufenen Saison 25 Tore für Twente schoss, da. Man redet von 14 Millionen Euro Ablösesumme, für Gladbach ein riesiger Betrag. De Jong gibt sich bescheiden, sagt, dass er sich entwickeln möchte, treffen möchte und dass es ihn beeindruckt habe, wie sehr sich Eberl um ihn bemüht habe. Was man als neuer Spieler eben so sagt.

Realistisch für Gladbach? Platz acht

Eberl betont, er könne eine Ablösesumme von 14 Millionen Euro nicht bestätigen. Man habe nichts Verrücktes machen wollen. Bloß keine neuen Schulden. Gladbach hat ja die Teilnahme an der Europa League im Sack, so habe man auch kalkuliert. Ende August spielt die Borussia in der Qualifikation zur Champions League. Dort gäbe es das ganz große Geld. Aber das sei keine seriöse Kalkulation, sagt Eberl. Es sei ein Traum.

Kommentar
Gladbachs Mut zum Risiko

Mit den Reus-Millionen im Rücken und unter dem Druck, die Wünsche des umworbenen Trainers zu erfüllen, ist Max Eberl in diesem Sommer auf große Einkaufstour gegangen. Und scheute dabei kein Risiko. Ein Kommentar

Dabei muss er sich längst vorkommen wie im Traum. Max Eberl hat dieser Tage gesagt, er staune selber, dass es gelingen könne, drei Wunschspieler zu haben und alle zu bekommen. Mit Xhaka, Dominguez und de Jong hat er seinen Trainer geknackt: Lucien Favre bleibt bis 2015. Und jetzt träumen die ersten von einer goldenen Zukunft.

Da lächelt Max Eberl übrigens ein einziges Mal nicht mehr. Er erinnert an die Abgänge, er bittet um Zeit für die neue Elf. Er sagt: Platz vier war ein Ausreißer. Platz acht sei realistisch. Dann ist es zurück, das Lächeln. Man sieht: Da freut sich einer diebisch über diesen Sommer. Seinen Sommer.

Klaus Wille

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