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Kabinenpredigt von Gladbach-Trainer Favre nach 0:4-Klatsche

21.10.2012 | 16:35 Uhr
Trainer Lucien Favre von Borussia Mönchengladbach.Foto: Getty Images

Bremen.  Borussia Mönchengladbach leistete sich bei der 0:4-Klatsche in Bremen katastrophale Fehlpässe und Stellungsfehler. Trainer Lucien Favre faltete seine Spieler noch in der Kabine nach dem Spiel zusammen. „Wir vergessen momentan zu häufig zu verteidigen – und dafür bezahlen wir teuer“, erklärte er.

Lucien Favre eilt durch die Mixed Zone des Weserstadions in Bremen, greift sich jeden seiner Spieler, die niedergeschlagen den Journalisten Auskunft geben und verschwindet mit der Mannschaft in der Kabine. Gerade als Thorben Marx von „Panik“ bei gegnerischen Standardsituationen spricht, kommt die Ansage vom Trainer: Mitkommen. Auch Martin Stranzl, gerade im Interview mit einem Fernsehteam, wird von Pressesprecher Markus Aretz in die Kabine geholt. Nach der 0:4-Klatsche bei Werder herrscht dicke Luft bei Borussia Mönchengladbach. Binnen drei Woche kassieren die Fohlen 13 Gegentore und der 2:0-Sieg gegen Frankfurt vor der Länderspielpause muss damit als Ausrutscher nach oben gewertet werden.

Eberl spricht von „Kopflosigkeit“ und „Sorglosigkeit“

Gladbach
Wieder verloren - Gladbach kann Werder-Fluch nicht beenden

Es bleibt dabei: Borussia Mönchengladbach kann in Bremen nicht gewinnen. Die Favre-Elf unterlag Werder am Samstagabend deutlich mit 0:4 (0:2). Seit mehr als 25 Jahren warten die Fohlen nunmehr auf einen Erfolg an der Weser. Am Samstag blieben sie allerdings chancenlos.

Über 20 Minuten lässt sich kein Gladbacher mehr bei der Presse sehen. Nur Sportdirektor Max Eberl steht Rede und Antwort. Eine wirkliche Erklärung will dem ehemaligen Abwehrspieler für die katastrophale Defensivleistung seiner Mannschaft aber auch nicht einfallen. Eberl spricht von „Kopflosigkeit“ und „Sorglosigkeit“ und prangert die fehlenden Tugenden, die Kompaktheit und den Defensivgeist des Teams an.

Das Spiel ist schnell zusammengefasst: Nach einer halben Stunde auf Augenhöhe mit den allenfalls durchschnittlichen Bremern, brach der Europapokal-Teilnehmer ein, leistet sich katastrophale Fehlpässe. Stellungsfehler und Auflösungserscheinungen machten sich breit. „Die Basis zum Erfolg ist Kompaktheit und mannschaftliche Geschlossenheit, aber offensichtlich ist das noch nicht bei allen angekommen“, ärgerte sich Stranzl in dem kurzen TV-Interview, Zwei Attribute, die Gladbach nach Europa und in die Spitzentruppe der Bundesliga katapultierte.

Einzelkritik
Sieben Mal die Note 5 für desolate Gladbacher

Abgesehen vom leidtragenden Schlussmann Marc-André ter Stegen zeigte Gladbach in Bremen beinahe durchweg eine desolate Leistung. Sowohl defensiv als auch offensiv lief fast nichts bei den Fohlen zusammen. In der Einzelkritik bedeutet dies: sieben Mal die Note 5.

Spielte die Borussia vor einem Jahr noch wie im Rausch, befindet sie sich in dieser Saison fast hilflos in einer fast kritischen Abwärtssprirale. „Wir müssen alle wissen, dass es jetzt gefährlich werden kann“, mahnte Kapitän Filip Daems und Eberl ergänzte: „Wir sollten uns jetzt mit so vielen Gegentreffern, wie auch in Dortmund, nicht in eine Situation bringen, in der auch die Tordifferenz irgendwann einen Punkt bedeuten kann.“ Die Tendenz bei Borussia Mönchengladbach ist heikel. Bei den Fohlen steht schon nach acht Spieltagen Abstiegskampf auf der Agenda. Auch wenn dieses Wort noch keiner in den Mund nehmen wollte.

Gladbachs Trainer Favre wirkte gefasst und ruhig

Auch nicht der Trainer, der auf der Pressekonferenz nicht konsterniert, sondern gefasst und ruhig wirkte. „Wir vergessen momentan zu häufig zu verteidigen – und dafür bezahlen wir teuer“, erklärte der Schweizer. In dieser Woche müsse er viele Gespräche führen. Die Kabinenpredigt, die natürlich intern bleib, reichte ihm offenbar nicht. „Man kann den Trainer verstehen“, erzählte Torwart Marc-André ter Stegen kurz bevor er im Mannschaftsbus verschwand, „er hat uns einige Takte zum Spiel gesagt hat. Ich hoffe“, so der Nationaltorwart und korrigierte sich direkt: „Ich denke, dass das alle verstanden haben.“

Am Donnerstag empfängt Mönchengladbach den Tabellenzweiten der französischen Ligue 1. Die Borussia hat „gegen Olympique Marseille nichts mehr zu verlieren" (Eberl). Man müsse „alles in die Waagschale werfen, um das Spiel positiv zu gestalten“ – sonst droht die nächste Kabinenpredigt von Trainer Lucien Favre.

Gladbach verliert in Bremen

David Nienhaus



Kommentare
21.10.2012
23:48
Favre muss endlich die Zügel in die Hand nehmen - Jugend forscht ist gescheitert!
von Borussenecho | #1

Es ist nun an Favre grundlegendes bei der Borussia zu ändern. Er kann sich nicht weiter damit herausreden, dass er bei der Zusammenstellung der Mannschaft auf Eberl und das Scoutingsystem der Borussia vertraut. Es ist an ihm, ein System aufzubauen, dass seiner Philosophie entspricht und er nicht der Nachlassverwalter von schlechten und wenig vorausschauenden Entscheidungen ist.
Wer 30 Millionen Euro in neue Spieler investiert um wichtige Abgänge zu kompensieren, kann dies nicht mit jungen Nachwuchsleuten tun, die sofort den Qualitätsverlust ausgleichen müssen.
Da sollte die Kritik nicht an die Spieler selbst sondern an die handelnden Personen richten.
Borussia ist dabei, eine historische Chance zu verspielen und sich längerfristig im oberen Drittel der Bundesliga zu etablieren.
Schade!
Favre ist der einzige, der diese Tendenz noch zu stoppen vermag!

1 Antwort
Kabinenpredigt von Gladbach-Trainer Favre nach 0:4-Klatsche
von dibrink | #1-1

Wenn man beobachtet, wie Borussias Abgänge bei Ihren neuen Vereinen einschlagen, sieht man, dass die 3 Leistungsträger Borussia verlassen haben. Das kann man nicht mit viel Geld kompensieren. Die Neuzugänge müssen auch in das Schema passen. Das augenblickliche Management ist offensichtlich weder in der Lage, Leistungsträger zu halten, noch adäquaten Ersatz zu besorgen. Das kann einfach nicht gut gehen.

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