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Interview

Hans Meyer lobt Bundestrainer Löw und erklärt den Weltmeistertitel

24.07.2014 | 17:41 Uhr
Hans Meyers Unterschrift auf dem Trikot ist genauso begehrt wie die der Gladbach-Spieler. Das Präsidiumsmitglied von Borussia Mönchengladbach im Interview.Foto: David Nienhaus

Rottach-Egern.   Seit Mittwoch steht fest: Bundestrainer Joachim Löw bleibt bis 2016 in der Verantwortung bei der Nationalmannschaft. Hans Meyer freut das. Der ehemalige Trainer und jetzige Vorstand von Borussia Mönchengladbach spricht im Interview über seine Vorahnung in Sachen Löw, den WM-Titel und kritisiert ganz nebenbei die Medien.

Hans Meyer kommt in die Lobby des Luxushotels "Hotel Überfahrt" am Tegernsee. Braun gebrannt, gut gelaunt und im kurzen T-Shirt nimmt das Präsidiumsmitglied von Borussia Mönchengladbach im schwarzen Ledersessel Platz. Unser Redakteur David Nienhaus spricht mit dem 71-jährigen ehemaligen Bundesligatrainer über die Fußball-Weltmeisterschaft, Christoph Kramer und natürlich Gladbachs Erfolgsarchitekten Lucien Favre und Max Eberl .

Herr Meyer, vor vier Jahren haben Sie Bundestrainer Joachim Löw als "hervorragenden Trainer" bezeichnet und in höchsten Tönen gelobt. Haben sie immer an den Erfolg dieses Nationaltrainers geglaubt?

Hans Meyer: Das ist gar nicht meine Art. Die Medien übertreiben immer gleich. Ich habe nur meine Meinung gesagt und Sie wissen gar nicht, was bei mir "in höchsten Tönen" ist. Ich habe realistisch festgestellt, dass man nicht genau sagen kann, von wem in der Ära Jürgen Klinsmann und Joachim Löw als Bundestrainer die größeren Impulse ausgegangen sind. Klinsmann hat eine klare Auffassung vom Leistungsfußball und das muss man auch hoch anrechnen.

Aber?

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Meyer: Schon 2004, als die beiden das Amt übernommen haben, wusste man nicht, wer mehr von seinen Stärken einbringt. Da war ich schon damals der Meinung, dass sich Jürgen Klinsmann nicht zufällig den Löw zur Seite genommen hat. Klinsmann hat aus taktischen Dingen schon vom Jogi profitiert.

Der Weltmeistertitel unter Bundestrainer Löw ist für Sie also keine Überraschung?

Meyer: Wenn man im Fußball tief drin steckt und den deutschen Fußball ein kleines bisschen über Jahrzehnte beobachtet, ist das, was jetzt passiert ist, die Krönung mit dem Weltmeistertitel, kein Zufall. Wir haben in den vergangenen 15 Jahren richtig etwas unternommen in unseren Förderbedingungen im Nachwuchsbereich. Dadurch haben wir eine Breite an hochklassigen Spielern hervorgebracht, so dass jeder Trainer, der im deutschen Fußball arbeitet, daran seine Freude hat.

Wenn sie die zehn Jahre unter Joachim Löw Revue passieren lassen , zu welchem Schluss kommen Sie?

Meyer: Der Weg von Klinsmann und vor allem Löw war keine kontinuierliche Linie. Ich glaube sogar, dass er es als Rückschlag genommen hat, was bei der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine passiert ist (Deutschland schied im Halbfinale gegen Italien aus, Anm. d. Red.). Das wird er schon genau analysiert haben, ohne dass er mit den Medien darüber gesprochen hat.

Was waren die Fehler damals?

Meyer: Löw hat es immer geschafft, ein fantastisches Team zu schaffen. Da stimmt es immer in der Mannschaft. Aber genau dieser Punkt hat 2012 nicht gestimmt. Der Einzige, der es angesprochen hat, war Bastian Schweinsteiger Monate später.

Lucien Favre hat Christoph Kramer Selbstvertrauen mitgegeben - und mehr

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Meyer: Das sah man an solchen Situationen, als Mesut Özil damals dem Nationaltrainer bei der Auswechslung den Handschlag verweigert hatte. Das haben die Medien nicht vernünftig kommentiert. Dieser junge Mann, der froh sein kann, auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen, verweigert dem Trainer die Hand. 2010 sind dieser Özil und Toni Kross nicht einmal nach einem Ballverlust stehen geblieben, zwei Jahre später kam das reihenweise vor.

Aber kurioserweise haben diese Spieler jetzt den Titel geholt.

Meyer: Das ist doch unabhängig voneinander. Ich habe doch nur gesagt, dass es damals im Team nicht gepasst hat.

Und das hat Löw wiederum zwei Jahre später wieder gerade gerückt.

Meyer: Dass ich 2010 genauso positiv über ihn spreche, wie heute auch, hängt damit zusammen, dass er weiß, was er will und dass er das Wichtigste beherzigt: Er lässt das spielen, was er an Spielern zur Verfügung hat. Außerdem trifft er mutige Entscheidungen.

Inwiefern?

Meyer: Ich weiß nicht, wie die Medien reagiert hätten, wenn das schief gegangen wäre. Den Mut zu haben, im Endspiel den jungen Mann von uns, Christoph Kramer, aufzustellen, obwohl noch andere, erfahrenere Spieler draußen auf der Bank saßen, das ist eine ganz große Sache. Da gehört Mut dazu, diese Entscheidung durchzusetzen. Natürlich spricht das auch für unseren jungen Mann und übrigens auch für unseren Trainer Lucien Favre, der Christoph innerhalb eines Jahres so viel Selbstvertrauen und auch andere Dinge mitgegeben hat. Das ist eine Sensation . Die Medien sprechen so oft von "Sensationen" - DAS ist eine Sensation, was sich bei Kramer in der Zeit getan hat.

 

Gladbach schwitzt am Tegernsee

Kommentare
25.07.2014
22:23
Hans Meyer lobt Bundestrainer Löw und erklärt den Weltmeistertitel
von Melitaman2 | #8

Er könnte gut als Super-Experte beim Doppelspass anfangen.

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Hans Meyer lobt Bundestrainer Löw und erklärt den Weltmeistertitel
Hans Meyer lobt Bundestrainer Löw und erklärt den Weltmeistertitel
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2014-07-24 17:41
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