Gladbachs Xhaka bläst nach Europa-League-Aus zum Kampf auf die Königsklasse

Granit Xhaka gehörte im Rückspiel gegen den FC Sevilla zu den besten Spielern von Borussia Mönchengladbach - bis zu seinem Platzverweis.
Granit Xhaka gehörte im Rückspiel gegen den FC Sevilla zu den besten Spielern von Borussia Mönchengladbach - bis zu seinem Platzverweis.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Granit Xhaka wurde im Europapokalspiel gegen Sevilla zum tragischen Helden von Borussia Mönchengladbach. Den Kopf lässt der Schweizer aber nicht hängen.

Mönchengladbach.. „Das war wieder der alte Xhaka.“ Dieser Satz rutschte einem Journalisten in der Mixedzone nach dem Spiel raus, um ihn im direkten Atemzug schnell zu korrigieren. Der „alte Xhaka“ ist der Xhaka aus der Spielzeit 2012/13, als er aus Basel zur Borussia aus Mönchengladbach wechselte und sich in seinem ersten Jahr in der Bundesliga erst einmal zurecht finden musste. Damals preschte der junge Schweizer mit großen Tönen nach vorne, die Leistung auf dem Platz aber brachte Youngster eher selten. Xhaka sammelte mehr Gelbe Karten als Einsatzminuten, ihm unterliefen haarsträubende Fehler im Spielaufbau und seine selbstbewussten Kampfansagen verhallten im nirgendwo.

Xhaka wird zum tragischen Helden der Fohlenelf

Der Xhaka der Gegenwart war auch am Donnerstagabend im Europa-League-Spiel gegen den FC Sevilla präsent. Der Schweizer Nationalspieler gehört seit Monaten zu den besten Spielern der Borussia, spielt klug, mit enormen Willen und zeigt, dass er aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat. Einzig sein Temperament ging mit ihm durch. Gegen das Team aus der Primera Division krempelte er von Beginn an die Ärmel hoch, war Spielantreiber im Mittelfeld und ließ sich selbst durch die hartnäckige Manndeckung der Spanier nicht abschütteln; nur leicht provozieren. Der 22-Jährige war der Antreiber seiner Mannschaft und schoss die Borussia wieder ins Spiel, als das ganze Stadion nach dem frühen Rückstand in Schockstarre zu fallen drohte.

„Wir haben große Moral nach zwei Rückständen bewiesen“, erklärte Xhaka nach dem Spiel. Reflektiert, analytisch und sachlich. Zum Schiedsrichter wollte er sich eigentlich gar nicht groß äußern, auch hatte er „keinen Bock“ über die schauspielernden Spanier zu sprechen. „Wir hatten leider das Glück nicht auf unserer Seite“, war seine erste Antwort auf die Frage nach seiner Rolle bei der unglücklichen Niederlage gegen den amtierenden Titelträger. Interview

Natürlich folgten Nachfragen. Schließlich wurde Xhaka zum tragischen Helden der Fohlenelf beim Spektakel gegen Sevilla. Nach zwei mündlichen Ermahnungen von Schiedsrichter Marijo Strahonja sah der Gladbacher schließlich doch Gelb in der ersten Halbzeit. Doch Xhaka hielt Adrenalin und Aggressivität ähnlich hoch, wie seine umgekrempelten Ärmel am Europapokal-Trikot der Borussia. Ein unnötiges Einsteigen in den Gegenspieler Höhe der Mittellinie besiegelte aber Xhakas Schicksal in diesem Spiel. Gelb-Rot. Duschen. Tatsächlich war das ein kleiner Rückfall in alte Zeiten.

Xhaka ist stolz auf die Gladbacher Mittspieler

„Es ist bitter, dass ich die Mannschaft so im Stich gelassen habe“, sagte Xhaka reumütig, der sich die letzten 20 Minuten im Fernsehen angucken musste. „Enorm stolz“ sei er auf die Mannschaft, die auch ohne ihn noch gekämpft hat. Den Platzverweis wollte er nicht kommentieren, erklärte nur das Zustandekommen der beiden Karten: „Ich musste vorhin lachen und ich muss jetzt noch mal lachen“, sagte der Mittelfeldmann nachdem er die TV-Bilder gesehen hatte. Beim ersten Foul soll er den Gegenspieler mit dem Ellbogen getroffen haben, „beim zweiten stehe ich beim Landen im Zweikampf auf dem Fuß des Gegners. Dass er dann zehn Minuten liegen bleibt, als hätte ich ihm das Bein gebrochen, hat mit Fairplay nichts zu tun.“ Kruse

Der „alte Xhaka“ hätte nicht so besonnen geklungen.

Der Satz, mit dem der Artikel beginnt, birgt aber tatsächlich ein wenig Wahrheit. Der „alte Xhaka“ richtet nach dem Ausscheiden in der Europa League den Blick gleich wieder nach vorne. Vollmundig und selbstbewusst wie eh und je. „Wir wollen in die Champions League“, sagte der Schweizer. Klare Aussage; da hat sich Xhaka nicht verändert. Der Xhaka der Gegenwart darf das.