Gladbachs Thorgan Hazard glaubt an die Champions League

Unser Redakteur Michael Ryberg (links) mit Gladbachs Thorgan Hazard.
Unser Redakteur Michael Ryberg (links) mit Gladbachs Thorgan Hazard.
Foto: FUNKE
Was wir bereits wissen
Seinen Wechsel vom FC Chelsea zu Fußball-Bundesligist Borussia Mönchengladbach hat Thorgan Hazard nicht bereut. Der 22-jährige Belgier glaubt fest an die Qualifikation zur Champions League.

Mönchengladbach.. Thorgan Hazard hat eine Wette laufen. Welcher der drei Profifußball spielenden Hazard-Brüder die wenigsten Liga-Saisontreffer erzielt, muss im Sommer die Familie zu einem großen Abendessen einladen. Mönchengladbachs Mittelfeld-Belgier liegt mit einem Treffer und drei Vorlagen in der Mitte. Kylian (20) hat für Ujpest Budapest schon drei Tore erzielt. 70-Millionen-Euro-Kicker und Hazard-Star Eden (26) steht allerdings nach 26 Premier-League-Einsätzen für Chelsea bei – Null! „Sieht so aus, als müsste ich nicht zahlen“, betont Thorgan Hazard (22) im Interview vor dem Gladbacher Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr, Borussia-Park/live in unserem Ticker) gegen Eintracht Frankfurt.

Herr Hazard, haben Sie per Telefon Ihren Bruder Eden getröstet, der sich mit Chelsea aus der Champions League verabschiedet hat?

Gladbach Thorgan Hazard: Ja, ich habe ihm nach dem 1:2 noch am späten Abend eine Nachricht geschickt. Paris St. Germain besitzt aber auch eine starke Mannschaft, die es bis ins Finale schaffen kann.

Ist Gladbach in der nächsten Saison auch wieder in der Königsklasse dabei?

Thorgan Hazard: Unser Ziel ist es, auch in der kommenden Saison im Europapokal zu spielen. Ich persönlich setze mir hohe Ziele. Ich glaube fest an die Königsklasse für uns und denke nicht an die Europa League.

Dann würde es aber vermutlich nichts mit einem Bruderduell mit Eden, oder?

Thorgan Hazard: Auch ein Start in der Europa League wird für Chelsea schwer, ist aber noch machbar.

Wäre ein Hazard-Duell reizvoll?

Thorgan Hazard: Auf jeden Fall. Eden ist mein Vorbild. So wie es Ronaldinho und Zinedine Zidane gewesen sind, als ich ein kleiner Junge war.

Bei Chelsea standen Sie und Eden gemeinsam unter Vertrag. War es ein Fehler bei Chelsea mit 19 Jahren unterschrieben zu haben?

Thorgan Hazard: Nein, ich wusste ja bei der Unterschrift, dass ich verliehen würde. Dann hat es in Mönchengladbach einfach gepasst, und ich habe für fünf Jahre unterschrieben. Chelsea hat zwar die Option, mich zurückzukaufen. Aber darüber mache ich mir gar keine Gedanken. Ich möchte in Gladbach noch mehr zeigen, was ich kann.

Sie scheinen ja in den jüngsten Spielen schon auf dem richtigen Weg zu sein.

Stranzl Thorgan Hazard: Stimmt. Und es ist bei Gladbach superschwer, sich auf der Außenbahn im Mittelfeld durchzusetzen. Wenn Patrick Herrmann und André Hahn nach ihren Verletzungen nun auch noch dabei sind, hat der Trainer die Qual der Wahl.

Bedrückt es Sie, dass Sie mit Ibrahima Traoré ausgerechnet Ihren besten Freund im Team aus der Startelf verdrängt haben?

Thorgan Hazard: Nein, wird haben ein sehr gutes Verhältnis. Außerdem kann sich das Blatt ja auch schnell wenden. In den ersten fünf Saisonspielen unter Lucien Favre habe ich links gestartet. Mit dem Trainerwechsel wurde umgestellt. Das Team hat dann eine Siegesserie hingelegt. Ohne mich. Nach der Winterpause habe ich meine Chance genutzt und jetzt sechsmal in Serie in der Startelf gestanden. Diesmal aber auf der rechten Seite.

Streckenweise hat Sie Trainer Schubert ja auch vorn spielen lassen im 3-4-3-System.

Thorgan Hazard: Ich fühle mich auf der Zehner-Position in der Mitte hinter den Spitzen am wohlsten. Im 4-4-2 müsste ich dann Angreifer spielen. Mit Raffael und Lars Stindl habe ich da allerdings zwei verdammt gute Jungs vor der Nase.

Vor Gladbach haben Sie erfolgreich in der belgischen Jupiler League beim SV Zulte Waregem gespielt. Was ist der große Unterschied zur Bundesliga?

Gladbach-Analyse Thorgan Hazard: In Mönchengladbach wird intensiver und länger trainiert. Daran musste ich mich gewöhnen. Natürlich sind die Spiele auch schneller und physisch härter in der Bundesliga. Die ist neben der Premier League die stärkste Liga der Welt. Ich bin froh, dass ich hier meinen Platz gefunden habe.

Wird Belgiens Nationaltrainer Marc Wilmots auf Sie deshalb auch noch aufmerksam?

Thorgan Hazard: Vor vier Monaten hätte ich „nein“ gesagt. Jetzt glaube ich wieder an meine Chance. Ich habe zwar zum Trainer keinen Kontakt, weiß aber, dass seine Späher mich schon mehrmals beobachtet haben.

Ein Start bei der EM 2016 in Frankreich ist also noch drin?

Thorgan Hazard: Ich muss einfach daran glauben.