Gladbachs Raffael ist der Passkönig der Bundesliga

Überzeugt bei Borussia Mönchengladbach: Raffael.
Überzeugt bei Borussia Mönchengladbach: Raffael.
Foto: firo / Sebastian El-Saqqa
Was wir bereits wissen
Seit dem Weggang seines Mentors Lucien Favre blüht Raffael auf. Gladbach hofft auch Sonntag in Augsburg auf die Zuverlässigkeit des Brasilianers.

Mönchengladbach.. Es fing an mit einem hitzigen Wortgefecht zwischen Gladbachs Lars Stindl und Kölns Dominic Maroh. Dem folgten zwei Verwarnungen gegen die rheinischen Streithähne. Und das Ganze führt dazu, dass einmal mehr die große Stärke von Raffael Caetano de Araújo zum Tragen kommt – seine tiefenentspannte Flexibilität. Denn Stindl, mit Raffael in den vergangenen Monaten zu einem exzellenten Angriffsduo zusammengewachsen, ist Sonntag (15.30 Uhr) in Augsburg gesperrt. Doch in dem vorübergehenden Verlust des Sturmpartners sieht der 30-jährige Brasilianer keinen Grund zu verzagen, stattdessen kommt sein Mantra zum Einsatz.

Zehn Assists in dieser Saison

„Wenn einer weg ist, heißt das nicht, dass ich nicht mit anderen da vorne spielen kann“, lautet Raffaels Motto – dem er gerade mit erstaunlicher Konsequenz nachgeht. Seine zehn Assists in dieser Saison verteilte der filigrane Südamerikaner auf acht Kollegen, nur Mahmoud Dahoud und Granit Xhaka profitierten als Torschützen zwei Mal von seinen Pässen. Für die Partie beim frisch aus der Europa League verabschiedeten FCA könnte es nun zu einem Sturmduo mit Raffael und dem zuletzt verbesserten Thorgan Hazard kommen.

Auch Angreifer Branimir Hrgota brennt angesichts von Stindls Sperre auf eine seiner seltenen Chancen. Eine weitere Alternative ist Flügelflitzer Patrick Herrmann, der zuletzt gegen Köln nach überstandenem Kreuzbandriss erstmals wieder im Kader stand und zu Zeiten von Trainer Lucien Favre den Job im Sturmzentrum schon einige Male erfolgreich interpretierte. Doch für wen auch immer Chefcoach André Schubert sich entscheidet – in Raffael wird der Auserwählte einen wertvollen Partner an seiner Seite haben.

Elvedi Borussias Spielmacher wirkt mit seiner dynamischen, aber zugleich kontrollierten Eleganz wie eine Beruhigungstablette für das oft etwas wilde Spiel der Schubert-Elf. Das jüngste Beispiel lieferte er am Samstag, als er in der spielentscheidenden Szene drei Kölner auf sich zog, im richtigen Moment auf Dahoud querlegte, der zum 1:0-Sieg im Derby traf.

Paradoxerweise fiel Raffaels verspätete Ankunft in der Saison, beim 4:2 im Hinspiel gegen Augsburg, mit dem Ende der Favre-Ära in Gladbach zusammen. Zuvor war Raffael völlig aus dem Tritt, gegen das Team von Markus Weinzierl lief plötzlich alles wie am Schnürchen – drei seiner zehn Assists inklusive. Und all das drei Tage nachdem Favre, entnervt von fünf Niederlagen, das Handtuch geworfen hatte – der Mann, der Raffael zum FC Zürich, zu Hertha BSC und im Sommer 2013 schließlich auch vom FC Schalke zur Borussia geholt hatte und als dessen Ziehvater gilt.

In Schwung kam Borussias Nummer elf aber erst, als sein Mentor weg und Schubert am Werk war. Diese seltsame Erfahrung machte den Brasilianer, der bislang vergeblich auf eine Berufung in die Seleção wartet, mit Blick auf fehlende Gewissheiten im Fußball noch eine Spur entspannter. Schließlich war ihm zu Saisonbeginn schon der nach Wolfsburg gewechselte Max Kruse abhanden gekommen, mit dem er in der Vorsaison ähnlich gut harmonierte wie jetzt mit Stindl.

„Ich war sehr traurig. Aber ich kann versichern, dass ich auch ohne ihn Top-Leistungen bringen kann“, sagte Raffael nach Favres Rücktritt – und hielt Wort. Neben seinen vielen Torvorlagen stehen für ihn neun eigene Treffer zu Buche, in der Scorerliste liegt er hinter den Spitzenkräften aus Dortmund (Aubameyang, Mkhitaryan) und München (Lewandowski, Müller) auf Platz fünf.

„Er ist einfach ein unglaublich guter Fußballer – und trotzdem ein unheimlich bescheidener Mensch“, sagt Trainer Schubert über Raffael. Der zweifache Familienvater kann sich seinerseits vorstellen, seinen im Sommer 2017 auslaufenden Vertrag zu verlängern. „Es passt alles, ich bin sehr glücklich hier“, sagt der Mann aus Fortaleza im Nordosten Brasiliens, der sich in Deutschland inzwischen so pudelwohl fühlt, dass er schon über eine Einbürgerung nachgedacht hat.