Gladbachs neues Gesicht
06.03.2011 | 20:50 Uhr 2011-03-06T20:50:00+0100
Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbach gewann zum zweiten Mal in Folge zu Hause. Nach dem 2:0 gegen Hoffenheim ist mit dem neuen Trainer Lucien Favre eine neue Struktur zu sehen - und die Gladbacher haben mehr Selbstbewusstsein.
Auch am Samstag gab es wieder eine Situation, in der Lucien Favre wie ein gutmütiger Professor wirkte. Als erneut die Frage aufkam nach den zwei Gesichtern seiner Gladbacher Borussia, lächelte der neue Trainer freundlich und meinte nachsichtig: „Wir müssen nicht übertreiben.“ Gegen Schalke sei seine Mannschaft gut gewesen, „mehr aber auch nicht“. Und in Wolfsburg hätte die Borussia „das Spiel in der Endphase noch drehen können“. Wo bitteschön, so die unausgesprochene Frage des Trainers, sind da zwei Gesichter? Schließlich habe ihm auch bei diesem überzeugenden 2:0 gegen Hoffenheim noch längst nicht alles gefallen.
Wer will, der kann in diesem Anspruchsdenken ein Erfolgsrezept erkennen. Favre hat präzise Vorstellungen über den Fußball, den er sehen möchte. Und diese Vorgaben will er umgesetzt wissen. Er fordert eine Mannschaft, die kompakt steht, die beweglich, schnell und kreativ ist, die mit wenigen Ballberührungen nach vorne spielt und die bemüht sein muss, nicht die brachiale, sondern die spielerische Lösung zu finden. „Wir brauchen schnellere Ballkontakte, das müssen wir verbessern“, forderte der Schweizer entsprechend nach einem Sieg, zu dem Filip Daems (Elfmeter) und der ungemein bewegliche Igor de Camargo die Tore beigesteuert hatten.
Der Nachfolger von Michael Frontzeck hat seinem Team eine Strukturreform verpasst. Gegen die TSG ließ er mit dem überragenden Thorben Marx, mit Roman Neustädter und Michael Fink gleich drei „Sechser“ auflaufen, die das Mittelfeld gegen erstaunlich schwache Hoffenheimer klar beherrschten. Ballsichere Profis genießen bei Favre eine besonders hohe Wertschätzung. Trotz seines Phlegmas darf Juan Arango ebenso auflaufen wie der quirlige Tony Jantschke, der als Rechtsverteidiger einen altgedienten Arbeiter wie Tobias Levels verdrängt hat.
Favre kann es sich leisten, Roel Brouwers, Patrick Herrmann oder Mo Idrissou auf die Ersatzbank zu setzen. Personell hat er wesentlich mehr Möglichkeiten, und vor allem hat er mit Dante und Martin Stranzl nun eine Innenverteidigung, die sein Vorgänger nur allzu gerne gehabt hätte.
Die Zuversicht steigt. Nach vier Siegen in der Rückrunde formuliert sie Igor de Camargo präzise: „Ich glaube zu hundert Prozent daran, dass wir in der Bundesliga bleiben.“ Und selbst Favre ließ sich zu einem auffälligen Lob hinreißen: „Wir haben die richtige Balance zwischen Offensive und Defensive gefunden.“
Hoffnung auf eine Serie
Mit dem Auftritt in Bremen und dem Heimspiel gegen Kaiserslautern folgen jetzt zwei Spiele gegen direkte Konkurrenten. „Wir müssen eine Serie starten, sonst wird es nicht klappen mit dem Klassenerhalt“, warnt Filip Daems. Doch gerade in Sachen Serien scheint Lucien Favre der richtige Mann zu sein. Den Heimfluch hat er eindrucksvoll beendet. Zugleich feierte die Borussia nach acht Pflichtspielen ohne Sieg den ersten vollen Erfolg gegen Hoffenheim. Was jetzt noch fehlt, ist eine eigene Erfolgsserie. „Ich arbeite daran, dass wir nur noch ein gutes Gesicht haben“, betonte Favre am Samstag. Selbstverständlich freundlich lächelnd.

10:57
Also, der Aufwärtstrend begann schon unter Frontzeck, da muß man gerecht sein. Aber Favre hat ihn nochmal beschleunigt.
Entschieden ist im Abstiegskampf noch gar nichts. Dummerweise punkteten auch die Konkurrenten in den letzten Wochen.