Gladbach will trotz Reus-Millionen keinen Superstar holen
22.01.2012 | 23:14 Uhr 2012-01-22T23:14:16+0100
Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbach will sich dauerhaft in den einstelligen Tabellenrängen der Bundesliga etablieren - aber nicht zehn bis zwölf Millionen in nur einen Spieler investieren. Das sagte Sportdirektor Max Eberl zwei Tage nach der 3:1-Gala gegen den FC Bayern.
Es war kein Abend wie jeder andere. Selbst Max Eberl, der in den vergangenen Monaten ja wirklich einiges erlebt hatte, musste, wie er am nächsten Tag gestand, erst einmal kräftig durchatmen. An Schlaf war nicht zu denken nach diesem 3:1-Triumph gegen Bayern München . Deshalb habe er zu Hause, als die Familie schon längst ins Bett geschlichen war, noch bis spät in den Morgen „stolz auf der Couch gesessen“ und die Gedanken geordnet. Es ist ja auch unglaublich viel, was auf den Sportdirektor von Mönchengladbach gerade wieder einprasselt.
So viel, dass man in diesen Tagen offenbar ganze TV-Sendungen mit dem Thema Borussia füllen kann. Am Sonntag jedenfalls saß Eberl nicht auf der Couch, sondern schon wieder auf einem Sessel in einer Expertenrunde. Und dort, in München beim „Doppelpass“, wurde so detailliert über die Elf vom Niederrhein diskutiert, als hätten die Borussen schon den Bayern den Rang abgelaufen.
Niemand muss sich allzu große Sorgen um die Borussia machen
Die Frage, ob Gladbach, geschockt von dem angekündigten Wechsel von Marco Reus zu Borussia Dortmund, zusammenbricht, war ja bereits eindrucksvoll beantwortet worden. Taktisch klüger, homogener und effektiver kann man kaum spielen gegen eine Mannschaft wie Bayern München.
Beim 3:1 gegen den FC Bayern München war Borussia Mönchengladbachs Trainer Lucien Favre der haushohe taktische Sieger. Favre hat sein System mittlerweile so perfektioniert, dass der Ausfall eines Leistungsträgers wie Dante nicht mehr auffällt. Ein Kommentar.
Natürlich hatte Manuel Neuer, mit einem völlig verhunzten Abspiel, die Borussia in eine komfortable Situation gebracht. Aber die 1:0-Führung, die Marco Reus mustergültig erzielte, muss so abgeklärt erst einmal gelingen. Es war ein wichtiger Treffer, nicht nur für dieses Spiel, sondern als allgemeines Signal. „Das Tor hat den Leuten gezeigt, wir lassen uns nicht beeinflussen“, betonte Eberl. „Der Sieg war ein richtiger Fingerzeig.“
Herrmann könnte die Lücke von Reus bei Gladbach füllen
Ein Fingerzeig, dass sich niemand allzu große Sorgen um die Borussia machen muss. Auf Reus, der vor allem das 3:0 brillant vorbereitet hatte, dürfen die Gladbacher bis zum Saisonende zählen, und mit Patrick Herrmann , der wieder einmal groß aufspielte und zweimal eiskalt verwandelte, hat die Mannschaft einen Mann in der Hinterhand, dem noch Großes zuzutrauen ist.
Tatsächlich zeichnet sich jetzt konkreter ab, was die Zukunft bringen könnte. Sicher ist, so hat es der Sportdirektor am Sonntag bei Sport1 in München bereits unmissverständlich formuliert, dass die Borussen im Sommer vorsichtig einkaufen wollen. Man werde die knapp 18 Millionen Euro, die durch den Reus-Transfer in die Kasse fließen werden, zwar „komplett in den Sport“, aber sicher nicht „in einen Superstar“ investieren.
Gladbach ist ein spannendes Projekt
„Wir versuchen“, sagt Eberl, „das intelligent zu machen und werden keine zehn bis zwölf Millionen auf einen einzigen Spieler setzen.“ Man habe die Chance, „das Team in der Breite weiter zu verstärken“, und die wolle man nutzen. „Das wird eine schwere Herausforderung, und ich freue mich, gemeinsam mit Lucien Favre und dem Verein, diese strategischen Entscheidungen zu treffen.“
Es wird ein spannendes Projekt, es geht konkret darum, den nächsten Schritt zu machen und die Gladbacher dauerhaft in den einstelligen Tabellenrängen der Bundesliga zu etablieren. Ein entscheidender Mosaikstein auf diesem Weg ist Trainer Lucien Favre. Ihn will man halten, unbedingt. Favres Vertrag, der im Sommer 2014 ausläuft, soll schon möglichst bald verlängert werden soll.
Trainer Lucien Favre soll noch lange bei Gladbach bleiben
Ob das klappt? Die Personalie ist schwierig einzuschätzen, auch wenn Eberl alles versucht, um Optimismus zu verbreiten. „Ein Trainer will vertrauen, er will kontinuierlich arbeiten, und all’ das bekommt er bei uns“, so der Sportdirektor, der „überzeugt davon“ ist, „dass Lucien noch sehr lange bei uns in Gladbach bleiben wird.“
Der Schweizer selbst bleibt nach wie vor reserviert. Gerade im Triumph äußert er sich allenfalls zur unmittelbaren Zukunft. Somit zum nächsten Spiel. „Gegen Bayern sind alle topmotiviert, in Stuttgart wird es ganz anders“, prognostiziert er. Man hat es bis zum Überdruss gehört: Gedacht wird von Spiel zu Spiel. Die nächste Herausforderung wartet. Lucien Favre wird sich wieder viele Gedanken machen. Notfalls, wie man in Gladbach weiß, bis spät in die Nacht.

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