Gladbach spielt schön - aber nicht effektiv
16.10.2011 | 21:28 Uhr 2011-10-16T21:28:29+0200
Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbach nahm Bayer Leverkusen auseinander, belohnte sich aber beim 2:2 nicht mit einem Sieg. Die Gladbacher vergeigten serienweise allerbeste Chancen. Für Bayer war der Punkt die maximale Ausbeute.
Es kommt durchaus vor, dass sich Trainer, die vor einer ganzen Ansammlung von Journalisten sitzen, selbst einmal eine Frage stellen. Am Samstag war es Lucien Favre, der Coach von Borussia Mönchengladbach, der still in sich hinein lächelte, den Kopf ein bisschen schüttelte, die Augenbrauen hob und schließlich laut überlegte: „Ist es möglich, besser zu spielen?“ Eine Antwort gab er leider nicht. Nach einer kurzen Pause fügte der Schweizer lediglich hinzu, dass das „eine große Frage“ sei, was dazu führte, dass sich manche Berichterstatter stirnrunzelnd anguckten.
Was will uns der Trainer jetzt wieder sagen? Es war eine Szene, die für Favre beinahe schon typisch ist: Seine Sätze sind nicht immer eindeutig, manchmal spricht er ein bisschen rätselhaft und lässt, bewusst oder unbewusst, Raum für Interpretationen.
Furioses Unentschieden
Am Samstag allerdings, nach diesem furiosen 2:2 im Borussia-Park , bedurfte es nicht viel Phantasie, um zu erkennen, was der Fußball-Lehrer mitteilen wollte: Diese Borussia, die Bayer Leverkusen soeben auseinander genommen hatte wie einen alten Ikea-Schrank, hat am Limit gespielt. Aus diesem Team, mit diesen Profis, ist kaum mehr an Qualität herauszukitzeln.
Besser geht kaum, könnte man tatsächlich bestätigen, wenn, ja wenn die Gladbacher nicht serienweise allerbeste Chancen vergeigt hätten. „Wir hätten vier bis fünf Tore machen müssen“, klagte Mike Hanke. Und sein bärenstarker Angriffspartner Marco Reus bestätigte: „Hätten wir gewonnen, dann hätte ich gesagt, wir haben überragend gespielt.“Es hat aber nicht geklappt mit genügend Toren. Und deshalb hatte man am Ende das Gefühl, eine Platte zu hören, die zuletzt ziemlich oft gespielt wurde: Nach der Partie gegen Kaiserslautern, die mit 1:0 immerhin noch gewonnen wurde, dem Spiel in Freiburg (0:1) und der Begegnung jetzt mit Leverkusen setzte das große Wehklagen ein. Kurzum: Starke Spiele, tausend Chancen und die bittere Erkenntnis, zu wenig aus den Möglichkeiten gemacht zu haben.
Vier Punkte aus den vergangenen drei Partien sind wahrlich eine magere Ausbeute gemessen an den Chancen. Und nicht zuletzt die Einschätzung, mehr Punkte verdient zu haben, wird Marco Reus zu der bemerkenswerten Feststellung veranlasst haben, „noch kein Spitzenteam“ zu sein. Bemerkenswert, weil bislang kaum jemand auf die Idee gekommen wäre, diese Borussia, die gerade erst dem Abstieg entkommen ist, schon als Spitzenteam zu etikettieren
Andererseits bestätigt der Blick auf die Tabelle, die nach dem neunten Spieltag natürlich Tendenzen erkennen lässt, dass Gladbach einen gewaltigen spielerischen Fortschritt gemacht hat. Die Analyse von Leverkusens Trainer Robin Dutt, auf den blitzschnellen Fußball in die Schnittstellen der Bayer-Abwehr „keinen Zugriff“ bekommen zu haben, spricht jedenfalls Bände.
Dass die Leverkusener nicht als verdiente Verlierer vom Rasen schleichen mussten, hatten sie, neben der Gladbacher Torschusspanik, noch zwei weiteren Umständen zu verdanken. Erstens: „Nach den Toren von Marco Reus und Patrick Herrmann haben wir gedacht, die sind tot“, erklärte Lucien Favre. Und zweitens: Andre Schürrle, der den sehenswerten Ausgleich für Leverkusen erzielte, darf man nie aus den Augen lassen. Der Bayer-Profi machte aus einer Null-Chance sein erstes Tor für den Werksklub.
Maximale Ausbeute für die Werkself
Eine maximale Ausbeute , von der man in Gladbach nur träumen kann. Ob bei der Borussia jetzt verstärkt Torschusstraining angesetzt wird? „Das ist die einzige Lösung“, antwortet Lucien Favre lächelnd. „Aber das ist schwer. Im Spiel hat man immer eine andere Situation als im Training.“ Und zumindest das war eine Antwort, mit der jeder etwas anfangen konnte und die keine weiteren Fragen mehr erforderlich machte.

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