Gladbach-Profis Stranzl und Kruse gehen fremd - Schrauber trifft Programmierer

Martin Stranzl (l.) und Max Kruse von Borussia Mönchengladbach verdienen neben dem Fußball noch Geld mit ihren Hobbies.
Martin Stranzl (l.) und Max Kruse von Borussia Mönchengladbach verdienen neben dem Fußball noch Geld mit ihren Hobbies.
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Was wir bereits wissen
Schrauber trifft Programmierer - was Martin Stranzl und Max Kruse von Borussia Mönchengladbach neben dem Platz so beruflich alles treiben.

Mönchengladbach.. Unter Fußballprofis macht sich ein neuer Trend breit. Obwohl sie Millionen verdienen, begeistern sich immer mehr Fußballer für einen Nebenjob. Borussia Mönchengladbach-Star Martin Stranzl ist einer von ihnen. Nicht nur auf dem Platz steht er auf Adrenalin.

Stranzl - ein Leben zwischen Fußball und schnellen Flitzern

Abwehr-Boss bei Borussia Mönchengladbach, Autoliebhaber und Visionär. Gestatten: Martin Stranzl. Vor rund zwei Jahren erfüllte sich der Fußballer einen Kindheitstraum. Er gründete zusammen mit seinem Freund Sebastian Küppers, die Firma Automotive 2.0, in Düsseldorf-Grafenberg. Im Vorfeld setzen sich die Neu-Unternehmer mit Wirtschafs- und Steuerberatern und wichtigen Kennern aus der Automobil-Branche zusammen. Die Beiden entwickelten ein Konzept. „Die Idee kam gut an“, berichtet Stranzl und schiebt nach: „Alle Fachleute waren begeistert von unserem Plan. Das war der Startschuss für unsere erste eigene Firma.“ Die Lokalität, die einst für Yoga-Stunden gedacht war, wurde kurzerhand in eine moderne Auto-Werkstatt umgebaut. Im großen, hellen Showroom sind hochkarätige Luxuskarossen ausgestellt. Gemälde von Sportflitzern und eingerahmte Stranzl-Trikots zieren die hohen Wände. In der angrenzenden Werkstatt werden ebenso wertvolle Autos gewartet und auf Vordermann gebracht. Doch wertvoll, soll hier nicht Voraussetzung sein. „Genauso wie wir Inspektionen für Ferraris, Porsche und Oldtimer anbieten, bieten wir die gleichen Leistungen für kleinere Fahrzeuge an“, schildert der Kapitän. Der Wert des Autos sei keineswegs ein Kriterium, um bei ihm Kunde zu sein.

Horst Heldt und Max Kruse - prominente Stammkunden

Apropos Oldtimer. Schalke 04-Manager Horst Heldt war geladener Gast bei der Eröffnung der Werkstatt. Das Angebot hat ihn so begeistert, dass er ankündigte, seinen Oldtimer dort aufarbeiten zu lassen. Gesagt, getan. „Das war ein toller Auftrag und ein sehr schickes Fahrzeug. Es ist beeindruckend und spannend zu sehen, mit was für Karossen unsere Kunden um die Ecke biegen. Wie autoaffin manche Menschen sind, überrascht mich immer wieder“, erzählt der 34-Jährige mit strahlenden Augen. Auch Teamkollege Max Kruse zählt zu den Stammgästen seiner Firma. Dass er als fester Kunde noch nie auf eine Spritztour auf den Nürburgring eingeladen wurde, enttäuscht ihn. „Das nächste Mal bist du mit dabei“, verspricht Stranzl seinem Freund, der für eine Inspektion vorbeigekommen ist und kann sich das Lachen nicht verkneifen.

Ausgewählte Kunden für Autorennen einzuladen gehört zu Stranzls Aufgabengebiet. Während Küppers für das operative Tagesgeschäft zuständig ist, kümmert sich der Gladbach-Profi um die Vermarktung der Werkstatt, die Öffentlichkeitsarbeit und den Kontakt zu den Kunden. Die Kenntnisse für diese Tätigkeit bringt er mit. In Österreich absolvierte er das Abitur in Kombination mit einer Ausbildung im Wirtschaftsbereich. Eine Sache, die dem Fußballer auch nach der Karriere nützlich sein kann. „Was ich mir aufgebaut habe, ist auch etwas für meine Karriere nach der Karriere. Ich möchte mich aber noch weiterbilden – gerade was den Aufbau von Motoren angeht. Bücher dafür habe ich mir schon besorgt. Aber ich kann auch viel vor Ort von meinem Geschäftspartner lernen.“

Dem Fußball irgendwann voll und ganz den Rücken zuzukehren, kommt für den gebürtigen Österreicher aber nicht in Frage: „So sehr ich Autos auch liebe, Fußball liebe ich auch. Gerne würde ich dem Sport so lange wie möglich erhalten bleiben, als Spieler und später mit einer anderen Tätigkeit.“

Nissan Sunny - der Beginn einer großen Liebe

Dem Fußball zuliebe zog es den gebürtigen Österreicher vor 19 Jahren nach Deutschland. Bei TSV 1860 München schaffte Stranzl den Sprung in die Bundesligamannschaft. Bis das erste Profi-Gehalt auf dem Konto war, fuhr der Verteidiger mit seinem damaligen ersten Auto, einem Nissan Sunny, zum Training. „Das war ein Geschenk meines Vaters“, erzählt Gladbachs Kapitän und muss schmunzeln, als er seinen Blick über die Luxuskarossen schweift, die in seiner Werkstatt zur Schau gestellt werden. Als die erste große Uefa-Cup Prämie ausgezahlt wurde, musste der kleine Nissan für die erste, eigene Luxuskarosse weichen. „Das Auto steht heute noch in meiner Garage. Das werde ich niemals hergeben“, betont er. Da begann sie – die große Liebe zu schicken Sportflitzern. Heute besitzt Stranzl stolze 15 Autos. Zu seinem Fuhrpark zählen in erster Linie alte Schätze und ausgewählte Sondereditionen. Sein Lieblingsauto: ein Aston Martin Oldtimer. „Das ist einer von nur 100 gebauten Modellen weltweit“, erzählt der Autoliebhaber.

Zeit, um jeden Tag bei seinen alten Schätzchen vorbeizuschauen und die Werkstatt zu schmeißen, hat der Fußballprofi nicht. Aktuell ist die Auslastung bei Borussia Mönchengladbach sehr hoch. Training, Bundesliga und DFB-Pokal stehen in Stranzls Terminkalender. „Ich habe die Arbeit anfangs unterschätzt. Es ist eine Belastung zusätzlich zum Fußball. Wir sind mit Borussia im Moment viel unterwegs, auch weil wir bis vor kurzem international gespielt haben. Wenn es die Zeit zulässt, schaue ich natürlich nach dem Training vorbei“, schildert der 34-Jährige. Obwohl die Werkstatt einen zusätzlicher Zeitaufwand darstellt, ist sie zeitgleich der perfekte Ausgleich zum Alltag. Dem Verteidiger sei es wichtig etwas zu machen, was sich komplett vom Fußball abgrenzt. In seinem zweiten Zuhause kann er abschalten, sich mit anderen Themen beschäftigen und sich beruflich weiterentwickeln.

Trotz der Doppelbelastung, möchte der Abwehr-Spieler aber keines seiner Leidenschaften missen. Stranzl erklärt: „Das mit den Autos ist ein bisschen so, wie mit dem Fußball. Wenn ich im Stadion auflaufe, fühlt es sich ähnlich an, als wenn ich eine Spritztour mache. Auf der einen Seite sind es die Motorengeräusche, auf der anderen Seite der Chor der Fans. Das sind pure Emotionen, Glückshormone werden freigesetzt. Das ist in Adrenalin pur“.

Kruse: Vom Pokerface zum Lifestyle-App-Entwickler

Teamkollege Max Kruse ist ebenfalls unter die Nebenverdiener gegangen. Für ihn gilt, ob Fußballer, Entertainer oder Pokerstar: Hauptsache Bluffen!

Er führt ein Leben für drei. Kruse ist längst nicht „nur“ noch Fußballprofi, sondern auch Unternehmer. Vor kurzem hat der 26-Jährige eine App auf den Markt gebracht. Eine Lifestyle-App um genau zu sein. „CheckMe" ist ein Kommunikationsdienst. „Die Anwendung verbindet den jeweiligen Nutzer mit seinen Freunden, zeigt zusätzlich an wer in der Nähe ist und bietet die Möglichkeit Kontakt herzustellen“, fasst der Borusse die Kernelemente seiner neusten Erfindung zusammen. Die Idee, die dahintersteckt ist simpel: „Wie oft sitzt man zu Hause und weiß nicht, was man machen soll. Mit einem Klick weiß man jetzt Bescheid.“

Partypeople - Kruse nutzt seine App täglich

Wo steigt die coolste Party, wo kann man gut essen gehen und wo kann man neue Leute kennenlernen? Auf einfachstem Wege kann herausgefunden werden, wo sich Freunde und Bekannte aufhalten. „Die App eignet sich aber auch für Menschen, die in einer neuen Umgebung sind. Wir wollen sie zusammenbringen und ihnen somit den Einstieg in der neuen Heimat erleichtern“, erzählt der Kicker. Er muss es wissen. Vier Mal wechselte der Gladbacher sein Zuhause. Über Werder Bremen, St. Pauli und den SC Freiburg ging es an den Niederrhein zu Borussia Mönchengladbach.

Neben seiner Fußball-Karriere bei den Fohlen befasste sich der 26-Jährige im letzten Jahr zusätzlich mit Planung und Realisierung der App. Kruse hat sich im Vorfeld mit seinen drei Mitunternehmern über Ideen und Vorschläge ausgetauscht. Als das Gerüst stand, beauftragten sie eine Programmierungsfirma, die den zahlreichen Einfällen den nötigen, technischen Schliff verpasste. Nachtschichten musste der Fußballprofi keine einlegen. „Die Hauptarbeit lag bei den Programmierern, ich habe nur die Ideen geliefert. Von daher konnte ich mich voll und ganz auf den Sport konzentrieren“, betont Kruse.

Eingecheckt in Stranzls Auto-Werkstatt

Auf den Sportler werden sich wohl in Zukunft noch mehr Fußballbegeisterte konzentrieren – vor allem weibliche Fans, denn: Kruse nutzt seine App täglich um sich in den verschiedenen Lokalitäten, die er besucht, einzuchecken. Die User der Anwendung können also sehen, wo sich der Gladbach-Star aufhält. Gestalkt wurde er aber noch nicht. Im Gegenteil. Trotz Aufruf über Facebook („Wer suchet, der findet! Bin gespannt, wer mich zuerst in irgendeiner Location entdeckt.“) wurde der 26-Jährige noch nicht ausfindig gemacht.

Möchte der Stürmer unentdeckt bleiben, kann er sein Profil jederzeit auf den „anonymen Status“ umstellen. „Es gibt für alle User einen Tarnmodus, der dafür sorgt, dass Profilbild und Name nicht angezeigt werden. Dann erkennt man nur das Geschlecht“, berichtet Kruse zum Thema Datenschutz.

Davon werden vermutlich seine Fußballkollegen der Borussia öfters Gebrauch machen. „Ganz Gladbach hat die App zwar noch nicht, aber ein paar von ihnen konnte ich dafür schon begeistern“, schmunzelt der 26-Jährige. Teamkollege und Freund Martin Stranzl ist einer von ihnen. Sein Download zählt zu den bislang 5.500 Downloads innerhalb des ersten Monats.

Sollten die Zahlen weiterhin steigen, könne sich der Fußballer vorstellen, eines Tages mit der App Geld zu verdienen. Gedanken darüber, wie er das anstellen möchte, hat er sich bereits gemacht: „Wir haben uns vorgenommen, mit einzelnen Lokalitäten enger zusammenzuarbeiten. Werbung schalten und besondere Hervorhebungen wären eine mögliche Option.“

Kruse geht All-in beim Pokern

Während das Finanzielle mit der App also noch in Planung ist, verdient der Profi-Sportler viel Kohle mit seinem zweiten Nebenjob: Pokern.

Als seine Nationalmannschafts-Kollegen zur Fußball-Weltmeisterschaft nach Brasilien gereist sind, machte er sich auf den Weg nach Las Vegas. Dort spielte er die WM seines Lebens. Kruse belegte bei einer der unzähligen Veranstaltungen im Rahmen der World Series of Poker den dritten Platz und sahnte knapp 27.000 Euro ab. „Ich wollte schon immer an einem Finaltisch sitzen. Damit habe ich mir einen Kindheitstraum erfüllt. Es war ein unvergessliches Erlebnis und eine coole Erfahrung“, schwärmt der Stürmer, der die Spielvariante erst einen Tag zuvor gelernt hatte. 239 Spieler ließ er hinter sich, darunter alteingesessene Poker-Profis und einen ehemaligen Weltmeister. Woher kommt das Können? Wurde im Hause Kruse abends zum Pokern geladen? „Nein, bei mir gibt es keine Pokerrunden. Die Mannschaft ist nicht so spielbegeistert. Als ich bei Werder Bremen gekickt habe, sah das anders aus“, plaudert der 26-Jährige aus dem Nähkästchen. Transferspekulation

Seine Station in Bremen war Auslöser für seine Leidenschaft zu den Spielkarten. Bei einem Mannschaftsabend im Casino wollte einer seiner Teamkollegen nicht weiter zocken. Kruse bot sich an und schnüffelte zum ersten Mal Poker-Luft. „Da habe ich dann tatsächlich abgeräumt. Somit fing alles an“, erinnert er sich zurück.

Kruse gab Stefan Raab Paroli und pokert für einen guten Zweck

Dass er acht Jahre später in der Hauptstadt der Casinos und Spielautomaten erneut abräumen würde, damit habe er nicht gerechnet. Auch wie schnell der Erfolg nach Deutschland übergeschwappt ist, war für ihn unbegreiflich: „Ich habe nur wenigen Leuten von meiner Reise nach Vegas erzählt. Dass das Finale im Livestream ausgestrahlt wurde, erklärt natürlich woher die Presse Bescheid wusste. Auf einmal war ich überall der Max mit dem Pokerface.“ Entertainer Stefan Raab wurde daraufhin auf den Gladbacher aufmerksam. Er lud ihn kurzerhand zu seiner TV Total Pokernacht ein. Kruse gewann das Duell gegen Raab und räumte eine Summe in Höhe von 50.000 Euro ab. Das Geld spendete er an ein Düsseldorfer Kinderhospiz und ein Hamburger Projekt, das Kinder und Jugendlichen aus sozial schwachen Familien unterstützt.

Gastgeber Raab und die Zuschauer staunten nicht nur über Kruses Pokerface, sondern auch über sein loses Mundwerk. Fast keiner schafft es dem Entertainer Parole zu bieten - es sei denn man heißt Max Kruse. Nervosität vor der Showbranche? Fehlanzeige. „Dass ich nicht verlegen bin, den einen oder anderen Spruch bringe und Leuten Parole bieten kann, wusste ich schon vorher. Ich gebe mich außerhalb des Platzes genauso, wie ich auch auf dem Platz bin. Das ist meine Art“, verrät der selbstbewusste Kicker. Zurzeit sei die Showbranche aber noch nichts für ihn. „Vielleicht später mal…“ [kein Linktext vorhanden]

Von Grioßkreutz bis Beister - andere Fußballer und (Ex-)Profis mit Nebenjob

- Fabian Boll arbeitete während seiner Profi-Zeit bei St. Pauli halbtags als Oberkommissar in Hamburg

- Kevin Großkreutz (Borussia Dortmund) ist vor kurzem unter die Designer gegangen. Er entwarf eine Streetstyle-Marke unter dem Namen #ISSO by Fischkreutz

- Marcell Jansen (Hamburger SV) hat eine eigene Marketing-Firma in Mönchengladbach gegründet (MJ GmbH)

- Marius Ebbers, ehemaliger Spieler des MSV Duisburg, eröffnete in Hamburg eine Mode-Boutique unter dem Namen „ebb & flow“

- Felipe Santana (Olympiakos Piräus, ausgeliehen von Schalke 04), eröffnete eine Tuning-Werkstatt in Dortmund unter dem Namen „Drive and Style“

- Clemens Fritz und Per Mertesacker gründeten zusammen die Immobilien-Firma „CP Immobilien“ mit Sitz in Hannover.

- Maximilian Beister (Hamburger SV) ging unter die Erfinder. Während einer langen Verletzungspause entwickelte er den sogenannten „SnaxCup“, eine Kombination aus Trinkbecher und Teller. Damit können die Fans im Stadion problemlos Currywurst und Bier mit nur einer Hand zum Platz tragen. Zusätzlich gründete er im Jahr 2014 einen Fußballclub unter dem Namen SC Lüneburg 2014.