Gladbach muss gegen die grüne Wand Nerven behalten

Die Ruhe vor dem Sturm, ganz in Grün: Celtic-Fans vor ihren gefürchteten Schlachtgesängen.
Die Ruhe vor dem Sturm, ganz in Grün: Celtic-Fans vor ihren gefürchteten Schlachtgesängen.
Foto: Getty Images
Was wir bereits wissen
Das Stadion von Borussias Mönchengladbachs Champions-Leauge-Gegner Glasgow gilt als lautestes Stadion auf der Insel. Die Fohlen plagen Personalsorgen.

Glasgow.. Die Herausforderung für Borussia Mönchengladbach im Celtic Park wird groß. Riesengroß. Der Kessel von Parkhead gilt nach einer Umfrage der Monatszeitschrift World Soccer als lauteste Arena der Britischen Inseln. Wenn die grüne Fußballfraktion Glasgows im 60 000 Fans fassenden Tempel tief Luft holt und den berüchtigten „Roar” loslässt, stehen einem gern mal sämtliche Haare zu Berge. „Wir müssen auch die Kulisse ruhig stellen“, sagt deshalb Gladbachs Sportdirektor Max Eberl vor dem dritten Gruppenspiel der Champions League am Mittwoch (20.45 Uhr/ live bei uns im Ticker), „am besten kurz vor dem Spielende.“ Mit einem (Sieg-)Tor. Verletztenliste

Einfach wird das nicht gegen den schottischen Meister. Der hat unter dem ehemaligen Liverpooler Cheftrainer Brendan Rodgers in zehn Saisonheimspielen neunmal gewonnen und 37 Treffer erzielt. Das 3:3 gegen Manchester City fiel aus dem Rahmen, ist aber der Mutmacher für weitere Großtaten. Rodgers versucht als bekennender Barca-Stil-Verfechter, seinen Spielern den offensiven Ballbesitz-Fußball einzuimpfen. Weg von der alten Kick-and-rush-Rennerei.

Zieht man das peinliche 0:1 bei Lincoln Red Impact in Gibraltar und die 0:7-Packung im Nou Camp ab, lief der Rest bisher prächtig. Auch die Rangers wurden im ersten Stadtduell seit deren Insolvenz im Jahr 2012 mit einem 5:1 heim nach Ibrox in Glasgows Westen geschickt.

Personalsorgen bei Gladbach

„Stellt sicher, dass Ihr ihn stolz macht!“ hatte Rodgers seinem Team zuvor mit auf den Weg gegeben. „Ihn“, das ist Jock Stein. Die Trainer-Legende, die am Celtic Park als Statue und als Namensgeber einer Tribünenseite gewürdigt wird, feierte den ersten Finalsieg einer britischen Fußballelf im Landesmeister-Wettbewerb: 1967 beim 2:1 in Lissabon gegen Inter Mailand.

Stein, der auf einer Höhe mit den schottischen Kulttrainern Bill Shankly (Liverpool), Matt Busby und Alex Ferguson (beide Manchester United) steht, verstarb 1985 während des WM-Play-off-Rückspiels in Cardiff gegen Wales (1:1). Im Anschluss an Schottlands Ausgleichstor erlag er einem Herzinfarkt.

Ob Brendan Rodgers vor dem Anpfiff wieder an Steins Geist erinnert, ließ er offen. Die Gladbacher werden die Überdosis Celtic-Herzblut auf dem Rasen und auf den Rängen ausblenden müssen. Nerven behalten fällt aber vor allem deshalb schwer, weil es Personalprobleme gibt. Abwehrchef Andreas Christensen hat sich wegen einer Verletzung in der Gesäßmuskulatur abgemeldet.

Raffael, Hazard und Johnson fehlen

Mit Ausnahme des DFB-Pokalspiels in Drochtersen war der 20-jährige Däne in allen Saisonpflichtpartien über die komplette Spieldistanz im Einsatz. Erster Nachrücker dürfte Landsmann Jannik Vestergaard sein. Borussias Defensivverbund muss den 20-jährigen Moussa Dembelé bremsen. „Er ist so gefährlich wie Messi und Agüero“, sagt Christensen über Franzosen, für den Celtic im Sommer schlappe 600 000 Euro an Zweitligist FC Fulham überwiesen hatte. 13 Tore in 18 Pflichtspielen stehen für Dembelé in der Statistik. „Er ist brillant drauf“, sagt Celtic-Trainer Rodgers über den Spieler, „und könnte ein großer Faktor im Spiel sein.“

Was man von Raffael, Thorgan Hazard und vom erkrankten Fabian Johnson im Gladbacher Angriff nicht behaupten kann. Das Trio fällt aus. André Hahn und Lars Stindl sollen es vorne mit Spielgestalter Mahmoud Dahoud richten - und den Celtic-Roar ausknipsen.