Gladbach möchte mal wieder Titel an den Niederrhein holen

Bei Gladbach werden die Wünsche langsam größer.
Bei Gladbach werden die Wünsche langsam größer.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Borussia Mönchengladbach feiert seine tolle Saison. Und denkt insgeheim auch daran, mal wieder einen Titel an den Niederrhein zu holen.

Mönchengladbach.. Patrick Herrmann hat im Verlauf der zurückliegenden Spielzeit viel Routine entwickelt, nicht nur bei der Arbeit in gegnerischen Strafräumen. Elf eigene Tore und fünf Torvorlagen – die Bilanz des gebürtigen Saarländers kann sich sehen lassen. Doch das Murmeltier-Thema, mit dem der leichtgewichtige Flügelflitzer von Borussia Mönchengladbach auch nach dem saisonalen Schlusstusch zuverlässig konfrontiert wurde, erörtert er inzwischen mit einem amüsanten Grinsen. „Nationalmannschaft? Danach werde ich ja oft gefragt, eigentlich vor jedem Länderspiel“, erwähnte Herrmann nach dem 1:3 gegen Augsburg am Wochenende. Aber, so sein ergänzender Hinweis: „Ich sag‘ jetzt nicht, dass ich unbedingt dabei sein muss.“

Analyse Der 24-Jährige hat sich mit den Realitäten in DFB-Dingen längst arrangiert – zumal die Gladbacher Wirklichkeit diese Haltung gerade durchaus erleichtert. Denn trotz der Niederlage gegen den FCA, der sein Glück über die direkte Qualifikation für die Europa League – vor Schalke und Dortmund – kaum fassen konnte, sicherte sich das Team von Lucien Favre souverän den Titel des Rückrundenmeisters. Die 39 Punkte der Borussia in der zweiten Halbserie sind Vereinsrekord. Sie bedeuten aber vor allem: Die Gladbacher haben den Duft des Erfolgs tief inhaliert – und peilen für die nähere bis mittelfristige Zukunft deshalb echte Titel an.

Gladbachs Glück wurzelt in Relegationsspielen gegen Bochum

Im Borussia-Park feierten am Pfingstwochenende beide Mannschaften wie die Weltmeister – und in dem ganzen Trubel suchten sich die VfL-Verantwortlichen dann irgendwann ein ruhiges Fleckchen, um in sich zu gehen. „Wir haben, ganz kurz, auf die letzten vier Jahre zurückgeblickt. Denn diese Saison war ja nicht das Ergebnis von einem Jahr“, berichtete Sportdirektor Max Eberl – und machte die siegreich absolvierten Relegationsspiele gegen Bochum im Frühjahr 2011 als Wurzel des aktuellen Gladbacher Glücks aus: „Die Momente damals haben so viel freigesetzt, so viel entstehen lassen.“

Königsklassen-Einzug Vorläufiger Höhepunkt der Entwicklung ist das erstmals auf den Rautenklub ausgestellte Direktticket in die Champions League. „Um ehrlich zu sein – ich hab‘ das immer noch nicht ganz kapiert und realisiert“, sagte Offensivkraft Herrmann. Für die erste gedankliche Annäherung an mögliche Widersacher und die Erstellung einer Prioritätenliste reichte die Zeit aber doch. „Ich gehe davon aus, dass es verdammt gute Gegner sein werden“, sagt Herrmann, der einen grundsätzlichen Wunsch hat: „Ich würde gerne mal auf der Insel spielen. Gegen welchen Klub ist eigentlich egal – da nehm‘ ich jeden.“

Gladbach will zwei Hochkaräter verpflichten

Deutlich wählerischer wird Sportchef Eberl bei der Bearbeitung seiner Auftragsliste. Einen möglichst jungen, möglichst guten Innenverteidiger und einen adäquaten Ersatz für den nach Wolfsburg wechselnden Angreifer Max Kruse soll er an Land ziehen.

In der Liga oben dabei zu sein ist – bei allem Realitätssinn – nicht das Ende der Gladbacher Ziele. Borussia mal wieder als deutscher Meister? „Na klar, man arbeitet immer daran, das Größtmögliche zu erreichen. Manche mögen jetzt schmunzeln“, sagte Sportdirektor Max Eberl. Und fügt hinzu: „Das Beste ist nun mal eine Meisterschaft oder ein Pokalsieg.“