Gladbach-Manager Eberl kritisiert Bayern: "Talente nicht ernten, bevor sie reif sind"

Eitel Sonnenschein? Zwischen Max Eberl (r.) und Matthias Sommer brodelte es in der Sommerpause. Nun kritisiert der Gladbach-Manager erneut den FC Bayern.
Eitel Sonnenschein? Zwischen Max Eberl (r.) und Matthias Sommer brodelte es in der Sommerpause. Nun kritisiert der Gladbach-Manager erneut den FC Bayern.
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Was wir bereits wissen
Borussia Mönchengladbachs Manager Max Eberl hat Kritik an der jüngeren Transferpolitik von Rekordmeister Bayern München geübt und macht sich Sorgen.

Mönchengladbach.. Mit einem Lächeln quittierte Max Eberl in der Schlussphase der Hinrunde die Fragen nach dem Verhältnis zwischen ihm und Matthias Sammer. „Alles gut“, war darin abzulesen. Doch offenbar war das Lächeln trügerisch.

Nachdem die Wogen zwischen Borussia Mönchengladbachs Manager und dem Sportvorstand der Bayern nach dem Wechseltheater von Talent Sinan Kurt geglättet schienen, kritisiert Eberl nun die aktuelle Transferpolitik des FC Bayern München und warnt vor Schäden für den nationalen Fußball. "Wenn man die Talente erntet, bevor sie reif sind, weiß ich nicht, ob das dem deutschen Fußball gut tut", sagt der Sportdirektor des Tabellenvierten in einem Interview mit der Rheinischen Post am Donnerstag.

Streit wegen Kurt zwischen Gladbach und Bayern

Der deutsche Rekordmeister hatte den A-Jugendlichen von der Borussia losgeeist – nach Eberls Verständnis auf unrühmliche Art und Weise. Die Folge: wochenlanger Streit zwischen beiden Klubs. Für stattliche 1,5 Millionen Euro und diverse Prämienregelungen wechselte der Youngster schließlich im Sommer an die Säbener Straße. Eberl nahm es mit Galgenhumor: "Es ist bezeichnend für unsere hervorragende Nachwuchsarbeit, wenn sich der FC Bayern so vehement für eines unserer Talente interessiert", so der Borusse.

Früher haben die Münchener nur „fertige“ Top-Spieler gekauft, muss Gladbach sich nun auch um andere Talente aus den eigenen Reihen sorgen? Der deutsche Rekordmeister sei in den vergangenen Jahren „mit ihren Jugendmannschaften nicht so erfolgreich“ gewesen, erklärt Eberl und glaubt, dass die Süddeutschen deshalb Michael Reschke als Technischen Direktor installiert haben. Er sei „nicht nur da ein absoluter Experte“, sondern generell ein Stratege.

Auch Kimmich wechselt nach München – was ist mit Ødegaard?

Neben Kurt haben die Bayern zuletzt auch Joshua Kimmich vom VfB Stuttgart verpflichtet. Auch auf den Zuschlag für den erst 16-jährigen Martin Martin Ødegaard hofft der Tabellenführer. Am Dänen sind aber neben Real Madrid und der FC Liverpool auch fast alle anderen europäischen Spitzenteams interessiert.

Trainingslager Neuer Jugendwahn bei den Bayern? Ein Wechsel nach München sieht Eberl als falschen Weg für junge Fußballer. Die „können sich auch anderswo ihre Sporen verdienen und dann zu den Bayern gehen“, so der Sportdirektor in der RP. Es gebe genug Beispiele dafür, dass Talente dem Ruf gefolgt seien und dann wieder in der Versenkung verschwanden, ohne jemals oben angekommen zu sein. Droht dieses Schicksal auch Sinan Kurt? Der U19-Nationalspieler kam nicht einmal bei den Profis zum Einsatz und stand nur zweimal im Kader des FCB. Zwar absolviert er viele Trainingseinheiten unter Star-Trainer Pep Guardiola, Spielpraxis bekommt er aber nur in der A-Junioren-Bundesliga.

Gladbach stolz auf die Nachwuchsarbeit

Der 19-Jährige Pierre-Emile Höjbjerg wurde am Mittwoch wegen fehlender Einsatzzeiten an den Ligakonkurrenten FC Augsburg verliehen und die Youngster Mitchell Weiser und Gianluca Gaudino kommen kaum auf ihre Minuten. „Meine Auffassung ist, dass sich ein Talent genau überlegen sollte, wo es sich ausbilden lässt“, sagt Eberl. Bei Gladbach sei man stolz darauf, dass seit 2004, „20 Talente aus unserer eigenen Jugend den Sprung in die Bundesliga geschafft haben.“ In Mönchengladbach haben junge Kicker „die Möglichkeit, sich zu entwickeln.“ Wenn nicht der FC Bayern anklopft.