Gladbach könnte zum Frühbucher der Champions League werden

Dortmund ging in die Knie, Havard Nordtveit rutschte auf ihnen: Der Norweger sorgte mit dem dritten Tor für die Entscheidung.
Dortmund ging in die Knie, Havard Nordtveit rutschte auf ihnen: Der Norweger sorgte mit dem dritten Tor für die Entscheidung.
Foto: dpa
Nach dem 3:1 über die andere Borussia aus Dortmund hat Gladbach das Ticket für die Königsklasse so gut wie sicher – ob als Dritter oder Vierter, zeigt sich gegen Leverkusen.

Mönchengladbach.. Wer von Lucien Favre vollmundige Ankündigungen erwartet, wird vermutlich solange enttäuscht bleiben, wie der Schweizer seinen Beruf als Fußballtrainer ausübt. Auch wenn es hin und wieder so wirkt, als mache man sich am Niederrhein absichtlich klein, ist der 57-Jährige mit seiner bescheidenen Art bei Borussia Mönchengladbach gut gefahren. Als am Samstag das 3:1 (2:0) über die Dortmunder Borussia in trockenen Tüchern und von der Schalker Nullnummer gegen Freiburg zu hören war, erklärte es Favre für sich selbstverständlich, dem Übermut und hohen Erwartungen entgegen zu treten. „Wir kennen die Tabelle“, sagte der Schweizer und zog dabei die Augenbrauen hoch. Also, bitte keinerlei Fragen mehr nach den Aussichten auf die europäische Königsklasse.

Champions League Sechs Spieltage vor dem Saisonende ist den Fohlen angesichts zwölf Punkten Vorsprung auf den Fünften Schalke die Teilnahme an der Champions League kaum noch zu nehmen. Und wenn doch, „dann höre ich auf mit Fußball“, war wenigstens Granit Xhaka für einen markigen Spruch zu haben. Auch der überragende Patrick Herrmann glaubt fest an die künftige Zugehörigkeit zum feinsten Fußballerzirkel des Kontinents – ob dies nun als Dritter im Direktverfahren oder über den Umweg als Vierter in der Qualifikation dingfest gemacht wird, entscheidet sich wohl am 9. Mai im Heimspiel gegen die derzeit nur zwei Punkte schlechteren Leverkusener. „Dass einer noch auf den fünften Platz abrutscht, kann ich mir nicht vorstellen“, prophezeit Herrmann, „und wir haben es selbst in der Hand, Dritter zu werden.“

Gladbach stellt Weichen für neue Saison

Als Frühbucher eines Europapokalplatzes können die Gladbacher leichter die personellen Planungen für die neue Saison vorantreiben. Diese, das steht seit Samstag fest, beendet die Gladbacher Borussia erstmals seit 1991 vor der aus Dortmund. „Ich bin froh, dass wir Entscheidungen frühzeitig gefällt und die Gespräche gut zu Ende gebracht haben“, sagte Sportdirektor Max Eberl, dessen Arbeit vergangener Jahre imponiert.

Analyse Die Verträge mit Patrick Herrmann, Granit Xhaka, Martin Stranzl und Thorgan Hazard hat er verlängert, dazu den begehrten Hannoveraner Lars Stindl verpflichtet. Auch mit Max Kruse, der trotz eines Arbeitspapiers bis 2017 mit dem BVB in Verbindung gebracht wird, will Eberl nochmal sprechen. „Die Jungs scheinen mit den Verträgen zufrieden zu sein – das geben sie mit den Leistungen wider.“ Und wenn die Champions-League-Millionen sicher sprudeln, wäre noch Geld für weitere Verstärkungen da.

Gladbach und Wolfsburg Kopf an Kopf

Ein zentraler Bestandteil der Gladbacher Zukunft ist Patrick Herrmann, dessen entscheidender Einsatz am Samstag bereits nach 28 Sekunden die 1:0-Führung durch Oscar Wendt gebracht hatte. „Wir sind sehr früh in Führung und machen dann ein Super-Tor“, geriet Favre beim 2:0 durch Raffael (32.) ins Verzückung. Allerdings mehr wegen Herrmanns 60-Meter-Solo aus der eigenen Hälfte, bei dem weder Ilkay Gündogan noch Sebastian Kehl den Gladbacher umgrätschen konnten und Neven Subotic als letzter Dortmunder kopfvoran ein Tackling aus dem American Football hätte bringen müssen, um den Turbosprinter zu stoppen.

Provokation „Ein phantastisches Tor, das war ein Topkonter“, schwärmte Favre. Ob der BVB denn nicht mit einer Verpflichtung des 24-Jährigen dessen Vertragsunterschrift in Gladbach bis 2019 habe verhindern wollen, wurde Trainer Jürgen Klopp hernach gefragt. Das schnöde „Nö“ klang ein bisschen so, als wolle man sich nicht eingestehen, gerade die unattraktivere Borussia für einen Spieler wie Herrmann-Klasse zu sein.

Denn die einst aus Dortmund bekannten überfallartigen Konter machen die Fohlen gemeinsam mit Wolfsburg zum punktbesten Team der zweiten Halbserie (26). Dies ließ Max Eberl nach dem dritten Tor durch Havard Nordtveit (67.) und der Ergebniskorrektur durch Ilkay Gündogan (77.) jedoch nicht von der Gladbacher Linie abweichen, der Großspurigkeit keine Chance zu geben. Auch wenn er gerade hocherfreut sei, „lasse ich mich nicht dazu hinreißen, eine polemische Forderung“ zu formulieren.