Gladbach erwartet in der Europa League ein gefühltes Endspiel

Was wir bereits wissen
Die Partie gegen den FC Sevilla wäre auch ein würdiges Finale. Deshalb hat Borussia Mönchengladbach viel Respekt vor der höhen Hürde. Vor dem Hinspiel in Spanien hat Trainer Lucien Favre alles an Bord.

Mönchengladbach.. Alvaro Dominguez hat vor dem Abflug noch ein Bild getwittert. Was Borussia Mönchengladbachs spanischer Verteidiger da über den elektronischen Kurznachrichtendienst in die Welt gesetzt hat, lässt hoffen, immerhin: Im Hintergrund sitzen Fans vor Weizenbier und Snacks, im Vordergrund sitzt Dominguez mit Torwart Yann Sommer, Stürmer Max Kruse und Rechtsverteidiger Fabian Johnson. Alle vor Wasser und Bananen.

Respekt auf beiden Seiten

Die Runde wirkt so entspannt wie konzentriert, und das ist doch ein gutes Omen. Ohne den richtigen Mix aus Anspannung und Lockerheit wird es für den Gladbacher Fußball-Bundesligisten schwierig werden, in der Runde der letzten 32 Teams in der Europa League an diesem Donnerstag beim FC Sevilla (21.05 Uhr/ live in unserem Ticker) ein achtbares Ergebnis zu erzielen. Wobei achtbar bereits heißt: nicht verlieren.

Der Respekt ist nämlich auf beiden Seiten groß. In der Europa League, dem kleinen Stiefschwesterchen der großen Champions League, gehören Gladbach und Sevilla zu den großen Nummern. Die Spanier sind Titelverteidiger, sehen sich aber gegen die Elf vom Niederrhein nicht als Favorit an – was wiederum die Wertschätzung demonstriert, die die Borussia genießt.

Europa League rückt für Gladbach in den Fokus

Europa League Im Grunde genommen stellt die Partie ein würdiges Finale der Europa League dar. Borussia-Vizepräsident Rainer Bonhof hatte schon nach der Auslosung gestöhnt, dass sein Team eines der schwersten Lose im Pott erwischt habe, Alvaro Dominguez kramte nach dem 1:0-Sieg über den 1. FC Köln am vergangenen Samstag in den Erinnerungen an seine Zeit bei Atletico Madrid und die hitzigen Duelle beim FC Sevilla, und Manager Max Eberl schließlich sprach vor dem Abflug zwar über einen Auswärtssieg, schob aber in einem Atemzug nach: „Da ist wirklich sehr viel Wunsch dabei.“

Ein Tor zu erzielen, wäre für die in Bestbesetzung, also auch mit André Hahn und Martin Stranzl anreisenden Borussen in jedem Fall hilfreich. Naturgemäß weiß man das in Sevilla beim verteidigenden Personal auch: „Das Wichtigste wird sein, keine Gegentore zu kassieren“, sagt Innenverteidiger Daniel Carriço.

Etwas Gutes hat die Partie auf jeden Fall: Sie nimmt den Fokus vom leidigen Platzsturm der Kölner Fan-Gruppe „Boyz“ nach dem 1:0 der Borussia im Derby. Die Zwischenfälle und ihre Aufklärung, an der mittlerweile sogar eine Sonderkommission der Polizei arbeitet, beschäftigten die Borussen in dieser Woche doch mehr als gewünscht. Von der Mannschaft versuchte Lucien Favre wie gewohnt, die Geschichte fernzuhalten, dabei dürfte die Detailarbeit des Trainers hilfreich gewesen sein.

Favres Detailarbeit vor dem 1:0 gegen Köln

W ie akribisch Favre den Fußball studiert, ließ sich gegen Köln wunderbar erkennen. Zum Freistoß in der Nachspielzeit, der das entscheidende 1:0 einleitete, standen Max Kruse und Thorgan Hazard bereit. Kruse wollte ausführen, Favre aber beorderte den Angreifer in die Mitte, in der sich prompt zwei Kölner auf ihn konzentrierten. Hazard brachte den Ball von rechts mit rechts und damit mit Schnitt vom Tor weg nach innen – so wie Favre es wollte. Innen machte Granit Xhaka sein erstes Kopfballtor in der Liga. „Das“, sagte Xhaka, „lasse ich mir eines Tages malen.“

Sollte in Sevilla noch ein Kopfballtor dazu kommen, tut’s zur Not ja auch erst mal ein Twitter-Foto.