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Für Gladbach sind sechs Punkte bis zur Pause keine Utopie

05.12.2011 | 01:28 Uhr
Für Gladbach sind sechs Punkte bis zur Pause keine Utopie

Mönchengladbach.  Borussia Dortmunds Trainer Jürgen Klopp bekundete nach dem 1:1 im Bundesliga-Gipfel am Samstag seinen Respekt vor Borussia Mönchengladbach mit einer anerkennenden Ohrfeige und lobenden Worten. "Gladbach ist schwer zu spielen, die ziehen ihr Ding einfach durch", sagte Klopp.

Es war eine gute Stunde vor dem Spiel, als der Mannschaftsbus von Borussia Dortmund über den Standstreifen der A52 nagelte. Das Warnblinklicht war eingeschaltet, das Tempo hoch, und die erschreckten PKW-Fahrer auf der Autobahn mussten den Eindruck bekommen, als komme da ein Team im sicheren Wissen angebraust, sich nicht stoppen zu lassen. Achtung, weg da, hier kommt der Spitzenreiter, hier kommt der BVB!

Die Hinfahrt spiegelte breites Selbstbewusstsein, die Rückfahrt spiegelte nichts als Normalität. 1:1 hatten die Dortmunder bei der Gladbacher Borussia gespielt , und anschließend, über eine Stunde nach dem Abpfiff, zuckelte ihr schwarzes Gefährt beinahe gemütlich Richtung Heimat. Im Gepäck hatten die Dortmunder die Erfahrung, dass sie ein Spiel, das sie eigentlich schon gewonnen hatten, noch aus der Hand gegeben hatten.

Der Vergleich

Alles eine Frage der Perspektive: Die Dortmunder verweisen darauf, dass sie das vorentscheidende 2:0 hätten machen müssen. Die Gladbacher freuen sich darüber, einen Rückstand gegen den Meister ausgeglichen zu haben. Einig waren sich die Kontrahenten trotzdem in der Analyse: Beide Trainer hatten ein „intensives Spiel“ gesehen, konkret ein gerechtes Unentschieden nach einem anspruchsvollem Duell zweier technisch starker Teams, die sich, auch wenn der BVB alles in allem eine Spur besser war, weitgehend neutralisierten. Gladbach deutete zwar wieder einmal an, dass der Tabellenplatz kein Zufall ist, aber Dortmund untermauerte, trotz Verlust der Spitzenposition, der größte Konkurrent der Bayern im Titelrennen zu sein.

Gladbachs Sturmproblem

Gladbachs Igor de Camargo behauptete vor der Partie, nicht spielen zu können, weil er „älter werde.“ Aber das war natürlich nur ein Scherz. Max Eberl versicherte noch am Samstag, er gehe davon aus, dass der Stürmer jung genug sei, seine Rückenprobleme schnell überwinden zu können. Der Sportdirektor rechnet jedenfalls fest mit de Camargos Einsatz am kommenden Samstag in der Partie beim FC Augsburg. Das dürfte die Anhänger des VfL freuen, denn obwohl Raul Bobadilla nicht enttäuschte , zumal er das Tor zum 1:1 glänzend auflegte, wurde doch überdeutlich, dass der bullige Angreifer allenfalls eine Notalternative zu Igor de Camargo und zu Marco Reus bleiben wird, der nach seinem Zehenbruch wohl noch ein weiteres Spiel pausieren darf.

Einzelkritik
Gladbachs Dante spielte riskant - aber gut

Borussia Mönchengladbach holte einen Punkt im Spitzenspiel gegen den BVB. Beim 1:1 (0:1) war Abwehrchef Dante der beste Gladbacher. Torwart Marc-André ter Stegen rettete mit einer Parade gegen Götze den Punkt, wirkte aber beim Gegentor zu unentschlossen. Unsere Einzelkritik.

Dortmunds Vorteil

Die Frage, warum BVB-Coach Jürgen Klopp so lange freiwillig auf Ilkay Gündogan verzichtet hat, drängte sich beinahe auf. Der Deutsch-Türke vertrat den verletzten Moritz Leitner tadellos. Er spielte reif, fügte sich nahtlos ein und hatte beim BVB die geringste Fehlpassquote. Die insgesamt ordentliche Partie passte ins Bild einer Mannschaft, die in der Lage ist, selbst hochkarätige Ausfälle nahezu ohne Qualitätsverlust kompensieren zu können: So lange Sebastian Kehl und Felipe Santana am Start sind, dürfen Sven Bender und Neven Subotic ihre Verletzungen in aller Ruhe auskurieren. Dies belegt vielleicht mehr als alles andere, dass die Dortmunder den Gladbachern noch einen gehörigen Schritt voraus sind.

Die Chancen

Borussia Dortmund hätte den entscheidenden Schlag setzen können, doch Mario Götze scheiterte nach der 1:0-Führung durch Robert Lewandowski am Gladbacher Keeper Marc-Andre ter Stegen, der großartig parierte und dafür sorgte, dass die beste Chance des Spiels nicht zum vorentscheidenden 2:0 führte. Im Vergleich dazu waren die besten Gladbacher Möglichkeiten durch Raul Bobadilla, Patrick Herrmann und Dante alles andere als zwingend. Immerhin nutzte Mike Hanke, bis zum vergangenen Wochenende viele Spiele torlos, erneut die sich ihm bietende Chance und verwandelte eiskalt zum Ausgleich. Zur Belohnung gab’s nach dem Abpfiff eine anerkennende Backpfeife von Gästetrainer Jürgen Klopp.

Die Perspektive

Der BVB, der am Dienstag in der Champions League auf Olympique Marseille trifft , hat nach wie vor gute Aussichten auf die Herbstmeisterschaft. Am kommenden Sonntag kommt der 1. FC Kaiserslautern, ehe das Team am letzten Spieltag der Hinrunde zum SC Freiburg reist. Sechs zusätzliche Punkte sind bis zur Winterpause alles andere als Utopie. Und das gilt tatsächlich auch für Borussia Mönchengladbach, das in Augsburg antritt und anschließend den FSV Mainz empfängt.

Remis im Borussen-Duell

Wie sagte Jürgen Klopp? „Wir werden jetzt nicht den Verein auflösen, weil wir hier unentschieden gespielt haben.“ Schließlich, so der Coach: „Gladbach ist schwer zu spielen, die ziehen ihr Ding einfach durch.“

Artur vom Stein

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