Etliche Endspiele für Gladbach im Kampf um die Champions League

Die Sehnsucht nach der ganz großen Europapokal-Bühne ist bei Borussia Mönchengladbach groß. Wird der Traum von der Champions League in dieser Saison wahr?
Die Sehnsucht nach der ganz großen Europapokal-Bühne ist bei Borussia Mönchengladbach groß. Wird der Traum von der Champions League in dieser Saison wahr?
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Fußball-Bundesligist Borussia Mönchengladbach will sich den Traum von der Champions League erfüllen. Bis dahin ist es für den Traditionsklub aber noch ein weiter Weg.

Mönchengladbach.. Borussia Mönchengladbach spürt den heißen Atmen von Bayer Leverkusen, Schalke und dem FC Augsburg im Nacken. Der vermeintlich komfortable Vorsprung von vier Punkten auf die Konkurrenz schmolz am 24. Spieltag der Fußball-Bundesliga auf nur noch zwei überhaupt nicht mehr komfortable Pünktchen dahin. Gehetzt fühlt sich der Klub deshalb nicht. Anspannung, Angst oder gar Panik, den Platz an der Sonne – nämlich als Tabellenführer hinter den enteilten Bayern aus München und dem VfL Wolfsburg – zu verlieren, hat man am Niederrhein nicht. Bei der Borussia wird vom „Traum Champions League“ gesprochen. Druck, die Königklasse zu erreichen, hat die Mannschaft von Trainer Lucien Favre nicht.

Die eine Borussia schwächelt, die andere Borussia lauert

„Wir würden uns gegen die Champions League ja gar nicht wehren“, sagt Eberl entspannt, wohl wissend, dass die Chance auf die Königsklasse so groß wie selten zuvor ist. Man müsse immer realistisch bleiben. Gladbach will dann „zur Stelle sein, wenn einer der Großen mal schwächelt“, so der Sportdirektor.

Genau das ist aktuell der Fall: Borussia Dortmund, Vizemeister und Champions-League-Teilnehmer, spielte eine katastrophale Hinrunde in der Liga und hat nun zwölf Punkte weniger auf dem Konto als die Borussia aus Mönchengladbach. Ein Konkurrent weniger für die Fohlenelf, die in der Rückrunde erst einmal als Verlierer vom Platz ging. Das allerdings ausgerechnet beim direkten Tabellennachbarn Schalke.

Gladbach mit schwerem Restprogramm

Big Points, die Gladbach liegen ließ. Die Punkte sammelte der Klub meist gegen die Kellerkinder der Liga oder die Vereine aus dem Niemandsland der Tabelle. Das Restprogramm der Borussia klingt brachial. Dortmund, Wolfsburg, Leverkusen und Augsburg kommen noch allesamt an den Niederrhein, gegen den Ligaprimus aus München muss das Favre-Team auswärts antreten. Was knüppelhart klingt, könnte der Borussia aber mit ihrem schnellen Umschaltspiel und Konterfußball in die Karten spielen. Die kommenden Wochen werden entscheiden, ob der Traum von der Königklasse tatsächlich wahr wird.

Borussia Mönchengladbach muss zweigleisig planen

Die Ansprüche sind beim Traditionsverein in den vergangenen Jahren gewachsen, die Probleme aber sind dieselben wie in der jüngeren Vergangenheit. Den Status, Leistungsträger nicht mehr verkaufen zu müssen, hat mit dem Rekordmeister Bayern nur ein Klub in Deutschland. „Transfererlöse sind ein wichtiges Standbein für den Klub“, weiß Manager Eberl, der sich die Spieler schnappen möchte, die noch zu klein für einen ganz großen Verein sind, aber so gut, dass sie die Borussia weiterbringen. Max Kruse ist ein dieser Kandidaten.

Und ausgerechnet um den Nationalspieler gibt es seit kurzem Gerüchte, er könne und wolle sich im Sommer umorientieren. Ganz offen spricht Eberl über die Gerüchte. Der Stürmer kann den Klub im Sommer für eine Ausstiegsklausel von zwölf Millionen Euro verlassen. Schalke und Borussia Dortmund sollen angeklopft haben. „Zu glauben, dass wir im nächsten Jahr große Transfers stemmen, das haben wir schon intern gesagt, das wird nicht der Fall sein“, erklärte zwar BVB-Boss Hans-Joachim Watzke im Doppelpass am Sonntag und auch Schalkes Manager Horst Heldt dementiert Interesse am Angreifer (Der BVB werde „das Rennen machen“). Interview

Eberl hat „schon zwei, drei gute Ideen“ für eventuelle Kruse-Nachfolge

Sollte Kruse trotz aller Dementis („Ich beschäftige mich mit diesen Themen nicht. Solange ich bei Borussia bin, gebe ich alles für diesen Klub. Und ich hoffe, dass ich noch einige Zeit hier sein werde.“) im Sommer wechseln, habe Eberl „schon zwei, drei gute Ideen“, sagte der 41-Jährige am Samstag beim Bezahlsender Sky. „Die Planungen laufen, wir werden daran arbeiten. Der Kader ist gut, wir werden unseren Weg weitergehen, ohne verrückte Dinge zu machen. Wir wollen weiter und breiter werden. Wir wollen neue Qualität in den Kader bringen.“

Lars Stindl und Dante könnten zwei Ideen des Managers sein. Hannovers Kapitän ist wohl einer der begehrtesten Spieler der Bundesliga. Wie der „Kicker“ berichtet, soll Mönchengladbach die besten Karten haben. Für drei Millionen Euro könnte er den Platz von Weltmeister Christoph Kramer im Mittelfeld übernehmen. Dante, der von 2009 bis 2012 das Trikot mit der Raute trug, wäre eine weitere, weitaus spektakulärere Verpflichtung Eberls. Gerade in der Abwehr muss die Borussia den Markt sondieren. Der Vertrag von Innenverteidiger Roel Brouwers läuft aus, auch Linksverteidiger Filip Daems wird nach der laufenden Spielzeit keine neuen Arbeitspapiere erhalten. Ob sich Gladbach Dante leisten kann und will, steht auf einem anderen Papier und ist ob der soliden finanziellen Planung bei der Borussia eher unwahrscheinlich. Transferspekulation

Schnappt sich Gladbach Bremens di Santo?

Ein Transfer, der eher zu Eberls Handschrift passen würde, wäre Werders Argentinier Franco di Santo. Der Stürmer ist der Garant für Bremens Aufschwung im Jahr 2015 und wäre wohl für sieben bis zehn Millionen zu haben. „Sie sind der Konkurrenz immer einen Wimpernschlag voraus“, lobte Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder das feine Transferhändchen Eberls. So geschehen bei André Hahn, Ibrahima Traoré und auch bei Thorgan Hazard.

Die Planungen am Niederrhein laufen auf Hochtouren – ohne aber finanzielles Harakiri auszurufen. 30 Millionen Euro werde der Verein selbst dann nicht in die Hand nehmen, wenn die Qualifikation für den großen Geldpott Champions League gelingen würde. „Wir wollen weiter sukzessive wachsen“, erklärt Eberl im „Kicker“. Sich „stufenweise zu entwickeln“ würde zwar länger dauern, sei aber der nachhaltigere Weg.