Ein langer Weg zurück - Gladbach darf von der Königsklasse träumen

Das waren noch Zeiten: Gladbachs Henning Jensen zieht ab, Schwarzenbeck und Beckenbauer kommen zu spät.
Das waren noch Zeiten: Gladbachs Henning Jensen zieht ab, Schwarzenbeck und Beckenbauer kommen zu spät.
Foto: IMAGO
Was wir bereits wissen
In den 1970-er Jahren war es der Normalfall, heute ist es fast schon eine Sensation: Mit Mönchengladbach und Bayern treffen der Bundesliga-Zweite und der Tabellenführer aufeinander. Für die Gladbacher ein weiterer Schritt auf dem Weg zurück zu den Großen des deutschen Fußballs. Ein Kommentar.

Essen.. Es ist die Stunde der Fußball-Romantiker und -Nostalgiker: Wenn Borussia Mönchengladbach und Bayern München zum Gipfeltreffen der Bundesliga antreten, werden Erinnerungen an die goldenen Gladbacher Zeiten wach. Und wie bei jedem Rückblick ist auch Wehmut im Spiel. Weil der von Hennes Weisweiler kreierten Fohlen-Elf in den 1970-er Jahren wegen ihrer mitreißenden Spielweise – anders als dem damals eher für Effektivität stehenden FC Bayern – die Liebe des ganzen Fußball-Volkes zuteil wurde, war auch die Anteilnahme am schleichenden Niedergang der Borussen größer als bei anderen.

Solche Entwicklungen, heißt es gewöhnlich, kämen nicht von heute auf morgen. In diesem Fall aber schon: Mag es auch andere Gründe geben – der Gladbacher Karriere-Knick fällt eindeutig mit den im Zuge der WM 1974 errichten Stadion-Neubauten zusammen; den Bayern stand das neue Olympiastadion gar schon 1972 zur Verfügung. Mit dem kleinen Bökelberg-Stadion war die Borussia fortan nicht mehr konkurrenzfähig.

Als 2004 auch Mönchengladbach ein modernes Stadion bekam, spielten die Zuschauerzahlen – dank enorm gestiegener TV-Erlöse und Sponsoring-Einnahmen – eine eher untergeordnete Rolle. Dennoch half der Borussia-Park unstrittig, dem Verein neues Leben einzuhauchen. Ein weiterer Schlüssel war die Verpflichtung von Max Eberl. Dem Sportdirektor gelang mit Lucien Favres Verpflichtung ein Glücksgriff, der das vorgegebene Prinzip der ruhigen Hand perfekt umsetzt.

38.000 Zuschauer gegen den Fußball-Zwerg Apollon Limassol zeigen, wie groß die Sehnsucht in Gladbach nach großem Fußball ist. Zwar ist niemand so verwegen, die Borussia schon wieder als Bayern-Herausforderer zu sehen. Aber Träume von der Champions League sind inzwischen allemal erlaubt.