De Camargos Schauspiel-Talent reicht für Goldene Himbeere
09.02.2012 | 19:52 Uhr 2012-02-09T19:52:11+0100
Berlin. Die Schauspiel-Einlage von Mönchengladbachs Igor de Camargo entschied das DFB-Pokalspiel bei Hertha BSC Berlin, Gladbach gewann 2:0. Vom DFB-Sportgericht ist de Camargo nicht zu belangen, Schiedsrichter Brych hatte eine Tatsachen-Entscheidung getroffen.
Eskimos begrüßen sich, indem sie ihre Nasen aneinander reiben. Igor de Camargo ist kein Eskimo, sondern Brasilianer mit belgischem Pass. Wenn er eine Nase im Gesicht spürt, lässt er sich fallen. Und zwar so, als sei die Nase in Wahrheit eine Eisenkeule.
Und so wälzte sich der Stürmer von Borussia Mönchengladbach beim 2:0-Sieg im Pokal-Viertelfinale gegen Hertha BSC Berlin auf dem Rasen des Olympiastadions. Es sah aus, als würde er jeden Augenblick vor Schmerzen die Besinnung verlieren. Roman Hubnik stand zunächst sprachlos daneben.
Hubnik ist ebenfalls kein Eskimo. Er ist Tscheche, Innenverteidiger der Hertha und hatte de Camargo im Strafraum nach einem Foul und einer kurzen Brüllerei mit seiner Nase an der Stirn berührt. Sogar sein Abwehrkollege Andre Mijatovic urteilte: „Natürlich darf er dort nicht so hingehen.“
War er aber in der neunten Minute der Verlängerung. Zu diesem Zeitpunkt stand es 0:0. Schiedsrichter Felix Brych reagierte ohne zu zögern. Rot für Hubnik, Elfmeter für Gladbach. Filip Daems verwandelte zum 1:0 für die Gäste, am Ende siegten sie 2:0 und stehen im Halbfinale . Hertha ist raus wegen einer Dummheit.
Igor de Camargos Schauspiel-Einlage hat Borussia Mönchengladbach den Weg ins Halbfinale des DFB-Pokals geebnet. Die hohen Sympathiewerte des Klubs vom Niederrhein dürften zumindest kurzfristig fallen. Ein Kommentar.
Grundsätzlich muss niemand Dummheit mit Dummheit beantworten, doch de Camargo tat genau das. Sein Schauspiel-Talent reicht nicht für einen Oscar. Aber es reicht für die Goldene Himbeere, den Filmpreis für den schlechtesten Schauspieler des Jahres. Und es reicht für den Unparteiischen Felix Brych.
Man kann die Regeln streng auslegen: Es war eine Tätlichkeit von Hubnik (seine Nase gehört nicht ins Gesicht des Gegners), und es war im Strafraum. Das bedeutet Rot und Elfmeter. Man kann in einer Pokalverlängerung als Schiedsrichter aber auch Fingerspitzengefühl zeigen, mit den Spielern sprechen und die Gemüter beruhigen. Es kam anders.
Harte Worte von Herbert Fandel
Für seinen Platzverweis erhielt Hubnik am Tag nach dem Spiel vom DFB-Sportgericht die geringste Strafe, die es für eine Rote Karte geben kann: Eine Sperre für ein Spiel. Igor de Camargo ist vom Gericht nicht zu belangen, Brych hatte eine Tatsachen-Entscheidung getroffen. Dennoch fand Herbert Fandel, Vorsitzender der DFB-Schiedsrichter-Kommission, klare Worte gegen die Aktion des Gladbachers: „Der Spieler hat durch seine Theatralik das Fairplay mit Füßen getreten.“
Die Schwalbe von Igor de Camargo im DFB-Pokalviertelfinale hat BVB Verteidiger Hummels mit einem bissigen Facebook-Eintrag kommentiert. Während die meisten Fans die Haltung des Nationalverteidigers unterstützen, kritisierten ihn viele Gladbach-Anhänger. Hummels hat inzwischen den Kommentar gelöscht.
Die Gladbacher hielten sich mit Kommentaren zurück. Stürmer Mike Hanke sagte zwar: „Der Elfmeter war sehr glücklich für uns.“ Doch zur eigentlichen Szene wollte auch er sich nicht äußern.
Ganz Berlin war dagegen auf dem Baum. Trainer Michael Skibbe schimpfte: „Unfassbar. Der Schiedsrichter ist auf einen Bauerntrick hereingefallen.“ Allerdings kam der Pfiff dem Trainer auch nicht ungelegen. Es wurde nämlich nur über die Schauspiel-Einlage diskutiert. Niemand sprach davon, dass Skibbe als neuer Hertha-Trainer seine ersten vier Spiele alle verloren hat.
Brych selbst wollte im Olympiastadion nicht über Nasen in fremden Gesichtern sprechen. Er ging schweigend. Draußen war das Thermometer bereits auf minus 15 Grad gefallen. Eigentlich ein perfekter Abend für Eskimos.

13:15
@dlorego:
yep, da bin ich größtenteils daccord. Schwalben-Andy ist aber damals auch gesperrt worden, trotz "Tatsachenentscheidung". Wäre bei deCamargo mE auch denkbar. Und wäre beim nassforschen Lehmann auch angebracht gewesen.
12:36
@EbbesRache:
Ich finde die Aktion auch überflüssig und unsportlich (wer das nicht so sieht, ist eigentlich blind), aber die Scheinheiligkeit der Argumentation dagegen nimmt überhand.
Und die Aktion mit der versuchten Körperverletzung des Jermaine Jones zu vergleichen, geht gar nicht. Reuß stand normal dort, wie ein Hund schleicht der Schalker um den Spieler und tritt aus dem Hinterhalt. Das geht doch nicht.
Gerade vor dem Hintergrund des Pauli-Spiels, als es kaum Aufregung gab und de Camargo das Opfer war, sollte man den Ball flach halten. Und Schwalben-Andy ist ja auch allen noch ein Begriff, oder nicht?
12:17
Ich gönne Gladbach den Halbfinaleinzug von ganzem Herzen. Ich finde auch nicht, dass sich der ganze Verein samt Anhang dafür schämen muss. Ich habe mich vor einem Jahr auch fürchterlich über die dummdreiste Aussage von Matthias Lehmann von St.Pauli geärgert.
Was mich aber eigentlich (vorhersehbarerweise) jetzt ärgert, ist, dass Szenen, wie man sie leider häufiger auf dem Fußballplatz zu sehen bekommt mit völlig unterschiedlichen Maßen gewertet werden.
Warum man das krass unsportliche und unkollegiale Verhalten eines Jermaine Jones nicht mit dem krass unsportlichen und unkollegialen Verhalten eines Igor deCamargo vergleichen kann, muss mir auch erstmal einer erklären (aber bitte ohne Vereinsbrille).
Dass man Jones nach dem Pokalspiel nicht gleich gelyncht hat, war ja noch alles.
An dem Aufschrei, der jetzt durchs Land geht, trägt letztlich der DFB die Schuld, weil man Jones mit der wettbewerbsübergreifenden Sperre über 8 Wochen viel zu hart bestraft hat. Besonders brisant halt vor dem Hintergrund des Spiels am Samstag.
Dass dies noch Theater nach sich ziehen würde, war klar.
11:37
Ist doch einfach,beim nächsten Bundesligaspiel auf Camargo zugehen, leichten Körperkontakt suchen und sofort umfallen. Dann wird der Knaller hoffentlich auch gesperrt und dann ist das Gejammer bei den Bauern vom Niederrhein groß , wie unfair doch alle sind , Schei... Borussia M`gladbach , denn du bsit ein Schei..verein
10:29
Natürlich hat die Nase von Hubnik nichts in dem Gesicht von De Camargo zu suchen.
Aber diese miese Schauspieleinlage von De Camargo schlägt dem Fass echt den Boden aus.
Leider sieht man solche Szenen in Fußballstadien fast jede Woche, obwohl das vermeintliche "Opfer" eigentlich wissen müsste, dass es von ein Dutzend Kameras gefilmt wird und sich so der Lächerlichkeit preisgibt.
Doch das wird in Kauf genommen, Hauptsache der Gegenspieler bekommt für seine "schlimme Tat" eine rote Karte.
Für mich gehört De Camargo für diese Unsportlichkeit gesperrt.
Aber auf Grund der "Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters" ist das nicht mehr möglich.
Lächerlich.
Außerdem, was hat denn der Herr Brych da gesehen?
Wenn er es genau so gesehen hat, wie die Fernsehzuschauer hätte er nicht so entscheiden dürfen (allenfalls die gelbe Karte für beide) oder wenn er nichts gesehen hat, ist die rote Karte für Hubnik ebenfalls ein Witz.
Nur weil ein Spieler sich am Boden wälzt, ist das noch lange kein Grund, jemand vom Platz zu stellen.
Man sollte vom Schiedsrichter schon verlangen, von einem "echten Treffer" oder mieser Schauspielerei unterscheiden zu können.
Ich kann nur hoffen, dass Gladbach durch eine sehr umstrittene Entscheidung im Halbfinale rausfliegt.
09:38
Leider ist diese Schauspielerei mittlerweile an der Tagesordnung.
Man sieht jede Woche Spieler die am Hals oder sonstwo getroffen werden, sich in Gesicht fassen und wie vom Blitz getroffen umfallen.
Wird diese Szene dann Spielentscheidend, wie in diesem Fall schreien alle auf.
Wieso fallen eigentlich Fussballer dabei immer um. Im Handball geht es viel Härter zu. Dort kommt diese Schauspiellerei fast gar nicht vor.
Sich über den Schiri aufzuregen bringt hierbei nichts. Der sieht die Szene nur einmal und muß sofort entscheiden. Wieso geht Hubnik denn überhaut dahin?
08:40
Herr Birkhan schreibt am 08.02.2012, alleinige Schuld liegt bei Hubnik und am 09.02.2012 sieht das schon wieder ganz anders aus. Dieser de Camargo gehört nachträglich 1/2 Jahr gesperrt. Einfach widerlich diese Schauspiel-Einlage und Gladbach verhält sich so, als ob überhaupt nichts passiert wäre. Das auch so ein souveräner Trainer wie L. Favre plötzlich nichts mehr gesehen hat und das Spiel sofort abgehakt hat, hinterläßt auch einen faden Beigeschmack. Gladbach hat bei mir alle Sympathien verspielt.
07:47
Nur zur Erinnerung: für eine ähnliche Situation erhielt de Camargo in St.Pauli für einen angedeuteten Kopfstoß gegen Lehmann eine rote Karte. Nur war damals er derjenige der auf den anderen zuging, wie auch jetzt Hubnik. Gladbach verlor dieses brisante Abstiegsspiel. Auch Fußballer lernen dazu.....also lasst diese Scheinheiligkeit.....einfach wegbleiben vom anderen und gut ist!
05:36
Bleibt den Gladbachern bei soviel Fairplay nur zuwünschen, das sie im Halbfinale ausscheiden.
So weiter zukommen hat schon einen faden Beigeschmack.
Glückauf
Genau !!!!!!!!!!!
Aber der Felix Brych kann SIe doch auch nicht alle haben! Wie kann ich denn ein Pokalspiel in der Verlängerung mit so einer Entscheidung "entscheiden"!!!!!!!!
In den 70.Jahren war es bei den Bayern ein gutes Mittel gegen Gladbach weiterzukommen. (Dieter Hoeness!!!)
00:31
Tatsachenentscheidung hin oder her:
Leider kann man den Schiedsrichter Brych nicht für den finaziellen Ausfall der Hertha heranziehen.
Aber überleg mal: Beide Pokal-Endspielteilnehmer sind in der CL oder EL, da bist du als Verlierer im Halbfinale noch international!
Schöne Grüße an Greuther Fürth, Mike und Asa: Ihr wisst, wie das geht!
Nicht ganz: Sollten beide Finalisten für die Championsleague qualifiziert sein, kommt der 7te in die Europaleague
http://www.dfb.de/index.php?id=3110