Am Tegernsee kämpfen Gladbach-Spieler um die Gunst des Trainers

Lucien Favre hat bei 25 Spielern im Trainingslager am Tegernsee die Qual der Wahl.
Lucien Favre hat bei 25 Spielern im Trainingslager am Tegernsee die Qual der Wahl.
Foto: Getty Images
Der 37 Mann starke Tross von Borussia Mönchengladbach bezieht in Rottach-Egern das Seehotel Überfahrt am schönen Tegernsee. In den kommenden sieben Tagen kämpfen 25 Borussia-Spieler um die Gunst ihres Trainers Lucien Favre - darunter drei Torwarte und drei Nachwuchsspieler.

Rottach-Egern.. Etagenbetten, Holzbänke, enge Duschen und kaltes Wasser. Der Fußball stand im Fokus, nichts anderes. Spielkonsolen waren maximal den Autoren der Raumschiff Orion-Serie vorbehalten. So war Trainingslager vor 50 Jahren. Zu Zeiten von Sepp Herberger und Helmut Schön.

Heute wohnen die Fußball-Profis in Luxusressorts und werden umsorgt wie Rentner in Florida. Okay, ein paar Dinge haben sich nicht geändert.

Nur wenige Positionen im Vorfeld vergeben

Wie die frühe Nachtruhe zum Beispiel oder und eiserne Disziplin in den Tagen fern der Heimat. Oder auch die Tatsache, dass beim Bundesliga-Auftakt in München gegen den Triple-Sieger und die beste Mannschaft Europas nur elf Gladbacher auf dem Feld stehen dürfen.

Gladbach Der 37-Mann-starke Tross von Borussia Mönchengladbach bezieht heute in Rottach-Egern das Seehotel Überfahrt am schönen Tegernsee und in den kommenden sieben Tagen kämpfen 25 Borussia-Spieler um die Gunst ihres Trainers Lucien Favre - darunter drei Torwarte und drei Nachwuchsspieler.

Nur wenige Positionen sind im Vorfeld bereits vergeben. Ein Überblick.

Das Gladbacher Tor

Torwart: Die Entscheidung, wer in der kommenden Spielzeit das Tor der Gladbacher hütet ist keine wirklich Entscheidung. Zu eindeutig ist die Stellung des gebürtigen Mönchengladbachers Marc-André ter Stegen im Verein.

Keinen Zweifel an der Qualität

Der Nationaltorwart hatte in der vergangenen Saison zwar eine kurze Schwächephase und die Auftritte im DFB-Trikot waren - mit Verlaub gesagt - nicht sonderlich souverän. Dennoch gibt es keinen Zweifel an der Qualität des 21-Jährigen.

Sonst würden sich die hartnäckigen Gerüchte um das Interesse vom FC Barcelona wohl nicht halten. Christopher Heimeroth und Janis Blaswich stehen im zweiten und dritten Glied und akzeptieren diese Rolle.

Die Gladbacher Abwehr

Abwehr: "Never change a eingespielte Abwehrreihe" könnte das Motte von Gladbachs Viererkette sein. Die Rollen in der Reihe vor ter Stegens Kasten sind klar verteilt. Tony Jantschke hat keine Konkurrenz auf der rechten Außenverteidigerposition und ist gesetzt.

Korb könnte Backup sein

Julian Korb könnte sein Backup sein, oder auch Martin Stranzl. Der Österreicher ist allerdings wesentlich besser in der Innenverteidigung und dort wie auch Alvaro Dominguez unangefochten. Der Spanier spielte eine starke erste Bundesligarunde und leistete sich selten Aussetzer. Als Ersatzmann steht immer Roel Brouwers parat.

Links wird es wie in der vergangenen Saison einen Zweikampf zwischen Routinier Filip Daems und Herausforderer Oscar Wendt geben. Letzterer wurde zwei Tage vor dem Trainingslager zum ersten Mal Vater, was sicher neue Energie freisetzt. Aber nicht nur deshalb hat der Schwede die Nase vorne. Die Borussia will den Vertrag mit 27-Jährigen verlängern - spielt er, stehen die Chancen nicht schlecht.

Das Gladbacher Mittelfeld

Mittelfeld: Vor allem in der Schaltzentrale hat Trainer Favre auch in der Breite große Qualität. Dauer(b)renner Havard Nordtveit hat die größten Chancen, mit einem Stammplatz zu rechnen. Der Platz neben dem Norweger auf der Doppelsechs ist hart umkämpft. Granit Xhaka zeigte in der Schlussphase der vergangenen Saison, warum man acht Millionen Euro für den Schweizer Nationalspieler an den FC Basel überwiesen hat.

Gladbach Thorben Marx, Ruhepol und Routinier der Fohlen, sorgte mit seiner Erfahrung für Stabilität in einer Phase der Saison, in der genau das gefehlt hat. Neuzugang Christoph Kramer ist ein Konditionswunder und der Herausforderer auf der defensiven Position. Der ehemalige Bochumer könnte eine der angekündigten Überraschungen zum Saisonstart werden. Für Youngster Mahmoud Dahoud, dem ersten 1996er Jahrgang in der Liga, käme ein Einsatz wohl zu früh, auch wenn der Syrer bislang sein Talent eindrucksvoll unterstrich und viel Lob von Favre und seinen Mitspielern einheimste.

Offensives Mittelfeld bietet größte Auswahl

Auch im offensiven Mittelfeld hat Favre eine größere Auswahl als zuletzt. Patrick Herrmann und Neuzugang Raffael haben einen Bonus und dürften sich schon gedanklich auf das Spiel in der Allianz-Arena vorbereiten. Zauberfuß Juan Arango ist im Herbst seiner Karriere allerdings nicht mehr so unangefochten, wie noch im vergangenen Jahr. Durch Raffael und Neuzugang Max Kruse sind die taktischen Variationsmöglichkeiten der Borussia größer und der Venezolaner könnte diesen zum Opfer fallen. Amin Younes und Lukas Rupp werden weiter Erfahrung sammeln und Ergänzungsspieler sein.

Der Gladbacher Angriff

Angriff: Im Angriff ist die große Frage: Schafft Luuk de Jong in dieser, seiner zweiten Saison seinen Durchbruch in der Bundesliga.

Die variable Taktik und vor allem Kreativdirektor Raffael könnten dem niederländischen U21-EM-Teilnehmer den Ball in die Füße spielen. Ansonsten wartet Neuzugang Max Kruse auf seine Chance. Der Nationalspieler könnte allerdings auch als Mike-Hanke-Ersatz die "Neuneinhalb" geben und zusammen mit de Jong stürmen.

Pechvogel Mlapa muss verletzungsfrei bleiben

Die könnte auch ein anderer spielen: In den ersten beiden Testspielen hat sich allerdings vor allem Branimir Hrgota in den Vordergrund gespielt. Der junge Schwede konnte seine starke Form aus den letzten Spielen der Spielzeit 2012/13 konservieren und traf in der Vorbereitung schon drei Mal.

Pechvogel Peniel Mlapa muss verletzungsfrei bleiben, um Chancen auf Einsätze zu bekommen.

So könnte Gladbach spielen

Im 4-4-2: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dominguez, Wendt - Nordtveit, Xhaka (Marx), Herrmann, Arango - Raffael, de Jong (Kruse/Hrgota)

Oder:

Im 4-2-3-1: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dominguez, Wendt - Nordtveit, Xhaka (Marx) - Herrmann, Raffael, Hrgota (Arango) - Kruse (de Jong)

Oder:

Im 4-1-4-1: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dominguez, Wendt - Nordtveit - Herrmann, Kruse, Raffael, Arango - de Jong (Hrgota)

Eine spannende Frage ist auch, wer die Elf vom Niederrhein in der anstehenden Saison als Kapitän aufs Feld führt. Nach drei Jahren Jahren wird die Rolle von Filip Daems wahrscheinlich erstmals neu vergeben. Martin Stranzl ist ein aussichtsreicher Kandidat, oder auch Schlussmann und Eigengewächs ter Stegen.

Fragen über Fragen und die Grundlagen für die Antworten werden in den kommenden Tagen im Trainingslager in Rottach-Egern am Tegernsee gelegt.