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Sportpsychologie

Gladbach profitiert vom Effekt der gewonnenen Relegation

30.11.2011 | 17:41 Uhr
Gladbach profitiert vom Effekt der gewonnenen Relegation

Essen.  Vor einem halben Jahr trafen Borussia Mönchengladbach und der VfL Bochum in der Relegation aufeinander. Während Gladbach in der Bundesliga durchstartete, befindet sich der VfL in der 2. Bundesliga in einer Dauer-Krise. Wir haben darüber mit dem Sportpsychologen Thomas Graw gesprochen.

Ein halbes Jahr ist es nun her, dass sich Borussia Mönchengladbach und der VfL Bochum in der Relegation auf Augenhöhe begegneten. Im Mai setzten sich die Gladbacher in zwei Spielen (1:0 , 1:1 ) gegen die Bochumer durch und blieben erstklassig. Von Augenhöhe ist jetzt nicht nur wegen der unterschiedlichen Ligen nicht mehr zu sprechen. Die Borussia begeistert die Bundesliga und hat sich in der Spitzengruppe festgesetzt, die Bochumer traten zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte ein zweites Zweitliga-Jahr in Folge an und kämpfen im Unterhaus gegen Abstieg . Hat der Erfolg oder Misserfolg etwas mit dem Relegationsspiel zu tun oder ist die Tabellensituation der beiden Vereine nur Zufall? DerWesten sprach mit dem Sportpsychologen Thomas Graw über die Auswirkungen der Relegation und die Psychologie im Fußball.

Herr Graw, kann man die Tabellensituation von Gladbach und Bochum mit dem Abschneiden in der Relegation erklären?

Thomas Graw: Grundsätzlich ist das nicht leicht zu erklären. Auf jeden Fall ist es nicht rein fußballerisch zu erklären. Fußball ist ein wirklich komplexes System und da können Kleinigkeiten in diesem System schon zu ganz anderen, großen Ausschlägen führen. Man kann diese Situationen der beiden Vereine allerdings gut aus psychologischer Sicht begründen: Auf der einen Seite steht die Verunsicherung beim VfL. Die ist extrem groß. Man brauch sich zum Beispiel nur die Fehlpassquote angucken. Auf der anderen Seite ist das Selbstvertrauen in Gladbach einfach enorm groß . Die gehen etwas selbstverständlicher und geduldiger auf den Platz, vor allem, weil sie sich nicht ständig Gedanken machen müssen. Diese beiden Situationen der Teams sind einfach offensichtlich.

Was ist das Offensichtliche?

Graw: Muss man überlegen, warum die Vereine in den entsprechenden Situationen sind. Das kann ich mir beim VfL Bochum nur so erklären: Der Verein zählt sich grundsätzlich zum Favoritenkreis der zweiten Liga, allein aus historischen Gründen. (Dem VfL gelang nach einem Abstieg immer wieder der direkten Aufstieg - vergangenen Saison ausgenommen. Amn. d. Red.). Außerdem rechtfertigt die Qualität des Kaders diese Einschätzung. Hinzu kommt das Erreichen der Relegation und die Möglichkeit, nach einer guten Aufholjagd, doch noch ins Oberhaus aufzusteigen. Das addiert ergibt den Anspruch,  erstklassig spielen zu wollen. Wenn dieser Anspruch dann scheinbar nicht erfüllt wird, kann das schnell zu Verunsicherung führen. Freude und Leichtigkeit gehen verloren. Diese Freude und Leichtigkeit hat Borussia Mönchengladbach in dieser Saison.

Gladbach ist wieder wer

Was sie gleich zu Spitzenteam macht?

Graw: Nein, aber die Gladbacher glauben einfach wieder mehr an sich. Da herrscht eine Stimmung à la 'wir können es ja doch'. Wenn die Gladbacher Spieler mal einen Fehler im Spiel machen, zuckt die Mannschaft nicht gleich zusammen und verliert den Mut , sondern hakt das schnell ab, macht es in der nächsten Situation einfach besser.

Viel besser als mit einem Sieg gegen den deutschen Rekordmeister Bayern München hätte Gladbach gar nicht in die Saison starten können, oder?

Graw:Das hat auf jeden Fall seine Wirkung. Im Verein und dem gesamten Umfeld verstärkt das noch den Effekt der gewonnen Relegation. 'Wir sind wieder da', 'wir haben sogar Bayern geschlagen', 'wir sind wieder wer' - das kann die gesamte Schmach der vergangenen Spielzeit abschütteln. Das unterstützt positive Mechanismen und Kräfte und dann geht man auch anders auf dem Platz.

Die positive Mechanismen sind: Der Zweitligist will aufsteigen, und hat die Chance, Bundesliga zu spielen - während der Erstligist meist um sein Platz im Oberhaus bangen muss. Häufig rutscht der Bundesligist ja noch unglücklich auf den Relegationsplatz...

Gladbach reicht das Remis in Bochum

Graw: Aber bei Gladbach war es andersherum. Die Borussia ist mit einem positiven Erlebnis in die Relegation gekommen. Nämlich mit dem Eindruck: 'Wir haben es geschafft. Wir haben unsere Endspiele, um eine völlig verkorkste Saison doch noch zu retten'. Ihr Ziel war ja, irgendwie noch diese Chance zu bekommen. Und das Ziel haben sie erreicht. Jeder weiß, wie es sich anfühlt, wenn man ein Ziel erreicht: Das schafft Erleichterung, macht stolz, das kann auch durchaus das Selbstvertrauen stärken. Wäre Gladbach zum Saisonende noch auf den Relegationsplatz abgerutscht, hätte es auch ganz anders ausgehen können. Dann wär mehr Frustration und Resignation im Spiel gewesen.

  1. Seite 1: Gladbach profitiert vom Effekt der gewonnenen Relegation
  2. Seite 2: Frustration und Resignation beim VfL Bochum
  3. Seite 3: Viele Trainer sind nur Laien in Psychologie

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Kommentare
01.12.2011
07:44
An fehlender Meditation mangelt es nicht
von mitLINKSinsVERDERBEN | #2

An fehlender Meditation mangelt es in Bochum ja nicht, schließlich nehmen sich die Spieler ja mindestens 90 Minuten pro Woche Zeit, um zur Ruhe zu kommen und die innere Ruhe zu finden.
Einige gegnerische Spielzüge verleiten sogar den ein oder anderen Spieler zu wahren Yoga-Höchstleistungen: So bleibt viel Raum und Zeit für die Konzentration auf die eigene Körperhaltung und das ablenkungsfreie Durchführen von Figuren wie der Kerze, der offenen Raute, der Bochumer Blindschleiche oder dem wiederholten Fehlpass.

01.12.2011
06:18
Gladbach profitiert vom Effekt der gewonnen Relegation
von Frankybabybillyboy2010 | #1

mit dem unterschied, dass die meisten bochumer spieler kein fußballspielen können!!!! der vfl braucht kein psycho doc, sondern neue spieler!!!!! mfg

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