Gibraltar: Fußball-Territorium mit Tradition

Der letzte Saisongegner der deutschen Nationalmannschaft vor der Sommerpause bietet viel Stoff für Fußball-Romantik. Fernab des glitzernden Profisports wird unter dem berühmten Affenfelsen in 1. und 2. Liga auf Amateurniveau gespielt.

Faro.. Das Duell mit dem Weltmeister am Samstag im portugiesischen Faro ist das größte "Heimspiel" in der erstaunlich langen Verbandshistorie.

Warum spielt Gibraltar seine Heimspiele in Portugal?

In Gibraltar gibt es kein Stadion, das den Anforderungen für offizielle Länderspiele genügt. Deshalb weicht das Team nach Faro aus. Im näher gelegenen Sevilla oder Malaga kann nicht gespielt werden, da Spanien und Gibraltar bedingt durch die Historie ein politisch angespanntes Verhältnis haben. Der spanische Fußball-Verband wehrte sich auch lange gegen die Aufnahme des britischen Überseegebiets in die UEFA. Diese wurde erst nach einem Urteil des Sportgerichtshofs CAS im Mai 2013 vollzogen.

Warum ist Gibraltar kein Mitglied in der FIFA?

Der Antrag ist gestellt. Auf dem letzten FIFA-Kongress äußerte sich Noch-FIFA-Chef Joseph Blatter sogar überraschend wohlwollend. Die FIFA-Statuten sind jedoch strenger als die der UEFA. Sie verlangen eine staatliche Anerkennung des Territoriums, die Gibraltar als britisches Überseegebiet nicht vorweisen kann. In der Qualifikation für die WM 2018 in Russland ist Gibraltar daher wieder Zuschauer. Auch in der FIFA-Weltrangliste sucht man das Team vergeblich.

Wie lange wird in Gibraltar schon Fußball gespielt?

Die Verbindungen nach England haben Spuren hinterlassen. Fußball wird in Gibraltar schon seit dem Ende des 19. Jahrhunderts gespielt - so wie fast überall in Europa. Und auch die organisatorischen Strukturen wurden früh festgelegt. Den nationalen Fußballverband am Affenfelsen gibt es schon seit 1895 und damit fünf Jahre länger als den Deutschen Fußball-Bund. Bis zur Aufnahme in die UEFA konnte man aber keine offiziellen Länderspiele bestreiten. Dafür maß man sich in sogenannten Island Games mit Teams wie Guernsey oder den Bermudas.

Wie ist der nationale Fußball organisiert?

Es gibt eine 1. Liga mit acht Mannschaften und eine 2. Liga mit 14 Teams - zudem noch eine Liga für Reserve-Teams. Die acht Topteams spielen in einer normale Meisterschaftsrunde den nationalen Titel aus. Zudem wird der Rock Cup als nationaler Pokalwettbewerb veranstaltet. Diesen "Felsenpokal" gewann in dieser Saison der Spitzenclub Lincoln Red Imps FC, dem mit dem Meistertitel auch das Double gelang.

Auf wen muss die deutsche Mannschaft am Samstag achten?

Ohne respektlos sein zu wollen: Der größte Gegner ist für die DFB-Auswahl die eigene Einstellung. Ist diese auch nur halbwegs intakt, wird der Weltmeister hoch gewinnen. Einer der wenigen Spieler mit einem Profivertrag in Israel war zuletzt Liam Walker, der mittlerweile auch wieder in der Heimat bei Lincoln spielt. Aber obacht, eben jener Walker hätte beim 0:4 in Nürnberg mit einer Bogenlampe beinahe Weltmeistertorwart Manuel Neuer überrascht.