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Generation Gold beim DFB

10.08.2010 | 17:38 Uhr
Generation Gold beim DFB
Begeisterten die Welt bei der WM in Südafrika: Sami Khedira, Thomas Müller und Mesut Özil.

Essen.Namen wie Sami Khedira, Thomas Müller oder Mesut Özil stehen für deutschen Fußball, der wieder Spaß macht. Doch woher kommen eigentlich die Talente des DFB-Teams? Eine Spurensuche.

Horst Hrubesch weinte. In jener Nacht, als der deutsche Fußball am Boden lag. In jener Nacht, in der sich die Nationalelf gegen Portugal bis auf die Knochen blamierte. In jener Nacht, in der sie mit 0:3 verlor und bei der Europameisterschaft 2000 bereits in der Vorrunde ausschied.

Hrubesch stand am 20. Juni 2000 in Rotterdam mit Teamchef Erich Ribbeck hilflos und wortlos an der Seitenlinie. Technisch und taktisch unterlegen war das deutsche Team, gespickt mit Spielern, die ihren Zenit längst überschritten oder nie erreicht hatten. Lothar Matthäus, Marko Rehmer oder Carsten Jancker standen damals in der Startelf. Ingz Hertzsch, Lars Ricken und Thomas Broich galten als die hoffnungsvollsten Talente. War dieser deutsche Fußball noch zu retten?

Dabei hatte Weltmeister-Trainer Franz Beckenbauer nach dem Triumph von 1990 die deutsche Mannschaft als „auf Jahre hinaus unschlagbar” gesehen. Eine große Fußballnation stand nur zehn Jahre später vor einem Scherbenhaufen, der Horst Hrubesch die Tränen in die Augen trieb.

Die Tränen von Rotterdam sind längst getrocknet, weil die Verantwortlichen die richtigen Lehren zogen und die Talentförderung in Deutschland umkrempelten. Bei der WM 2006 im eigenen Land und kürzlich in Südafrika machte der deutsche Fußball wieder Spaß. Dank einer jungen, spielstarken und leichtfüßigen Mannschaft, dank Spielern wie Manuel Neuer, Thomas Müller oder Sami Khedira.

Eine als golden gefeierte Spielergeneration, deren Stern heute hell erstrahlt, obwohl ihre Geburtsstunde in der dunkelsten des deutschen Fußballs in jener Nacht von Rotterdam lag. „Damals hat man sich gesagt: Das kann nicht so weitergehen”, erinnert sich Herbert Hrubesch. „Und dann hat man diese Talentförderung aus dem Boden gestampft”, sagt der jüngere Bruder von Horst Hrubesch. Er ist DFB-Stützpunkt-Koordinator in Westfalen, betreut 17 Fußballschulen zwischen Gelsenkirchen, Bochum und Dortmund.

Mesut Özil zieht das Interesse europäischer Spitzenklubs auf sich.

Zwei-Säulen-System

Seine Aufgabe: Aus Talenten von heute die Stars von morgen zu formen. Hrubesch steht für eine der zwei Säulen, auf denen das deutsche Nachwuchssystem fußt: Hoffnungsvolle junge Spieler sollen zum einen in den Stützpunkten des Deutschen Fußballbundes und zum anderen in professionellen Leistungszentren der Bundesligisten ausgebildet und gefördert werden.

Ein Blick in die Nachbarländer wies den Weg: Ajax Amsterdam beherrschte mit seiner „Ajax-Schule” mitte der 90’er Jahre den internationalen Vereinsfußball. Frankreich züchtete in professionellen Fußballinternaten die Generation, die sich mit dem WM-Titel 1998 selbst vergoldete. Strukturen, die in Deutschland fehlten. „Die Vereine haben jahrzehntelang vor sich hin gewurschtelt. Ohne übergeordnetes Konzept, alle nebenher statt miteinander”, sagt Herbert Hrubesch.

„Flächendeckend” ist das Netz, das sich über das ganze Land erstreckt. In 366 Stützpunkten betreuen fast 1000 hauptamtliche Trainer über 14 000 junge Talente. Einmal wöchtentlich steht neben dem Vereinstraining zusätzlich Technik und Taktik auf dem Plan. Jedes Talent soll sich präsentieren können, vorhandene Talente sollen noch besser werden.

„Wir brauchen diese Breite, damit in der Spitze ausreichend Spieler ankommen”, sagt Hrubesch. 10 Millionen Euro lässt sich der DFB die Talentförderung jährlich kosten.

Doch der Verband ist nur die erste von zwei Säulen. Seit der Saison 2002/03 hat die Deutsche Fußball-Liga (DFL) den Profi-Vereinen die Auflage erteilt, ihre Jugendarbeit in einem Leistungszentrum zu führen. Andernfalls gibt es keine Lizenz. In die Zentren ist bislang fast eine halbe Milliarde Euro geflossen, im vergangenen Jahr allein 83 Millionen.

Thomas Müller wurde bei der WM Torschützenkönig und bester junger Spieler.

Zwischen zwölf und 23 Jahre sind die 5500 Spieler, die in den Nachwuchsteams der Profivereine ausgebildet werden. „Ein steiniger Weg. Den Sprung in die Bundesliga schaffen nur wenige”, sagt DFL-Direktor Andreas Nagel, der für die Talentakademien zuständig ist.

Aus dem Internat zur WM

Einige, die es geschafft haben, hängen vor dem Büro von Uwe Scherr in Gelsenkirchen. Der Leiter der Nachwuchsabteilung des FC Schalke hat 24 Portraits von ehemaligen Talenten im Flur des Leistungszentrums aufhängen lassen.

Jeder einzelne von ihnen wurde Bundesligaprofi. Spieler wie Manuel Neuer, Mesut Özil oder der Kameruner Joel Matip waren bei der Weltmeisterschaft in Südafrika am Ball. Die Bilder sind gleichermaßen Erinnerung an die erfolgreiche Entwicklung der Stars von heute und das Versprechen einer strahlenden Zukunft an die von morgen.

Die Talente streben den Weg in den Profi-Fußball an, die Clubs wollen perfekt ausgebildete Spieler. Das Ziel ist unterschiedlich, der Weg der gleiche. Und er führt nur über intensives, professionelles Training. Vom Busfahrer bis zum Trainer kümmern sich auf Schalke knapp 100 Mitarbeiter um den Nachwuchs.

Bereits Siebenjährige können sich bei den Großvereinen wie Dortmund, Bochum oder Schalke beim Probetraining empfehlen: „Wir wollen gute junge Leute aus dieser Region frühzeitig an den Verein binden”, sagt Scherr.

Ab der U12 trainieren die Talente bereits viermal in der Woche, ab dem 15. Lebensjahr ziehen die Besten ins vereinseigene Internat. Diese „Kaderschmieden” der Clubs ähneln den vom DFB geführten „Eliteschulen des Fußballs”. Zwischen Deutsch und Mathe steht Fußball auf dem Stundenplan.

Trauma überwunden

Die vielschichtige Jugendförderung trägt Früchte. Für die Vereine und die Nationalmannschaft. Die DFB-Junioren-Teams schafften, was noch keiner Nation gelang: Im vergangenen Jahr wurden sie Europameister in allen Altersklassen, von der U17 über die U19 bis zur U21. Trainer der älteren beiden Jahrgänge war übrigens Horst Hrubesch. Das Trauma von Rotterdam inklusive aller Nachwuchssorgen dürfte er vorerst überwunden haben. Auch zum Erfolg der A-Nationalmannschaft trug Hrubesch bei. „Sechs Spieler aus unserem WM-Kader wurden ein Jahr zuvor in Schweden U21-Europameister”, erklärt DFL-Chef Christian Seifert: „Das sind die Spieler, die 2002, als wir mit der Talentförderung begonnen haben, zwölf oder 13 Jahre alt waren.”

Beeindruckend: Von 23 Spielern haben 19 die Leistungszentren der Bundesligisten durchlaufen. Der deutsche Fußball erntet jetzt, was er vor Jahren säte. Und der Ertrag könnte noch weiter steigen: Von 552 Bundesligaspielern kamen in der abgelaufenen Saison 122 aus den Nachwuchszentren der Vereine, 22 Prozent. Tendenz steigend.

Eine Gefahr lauert jedoch im Hintergrund: „Es ist ein schmaler Grat zwischen Zufriedenheit und Selbstzufriedenheit”, sagt Seifert. Der aktuelle Erfolg könne blenden, zum Schludern verleiten. Es war DFB-Sportdirektor Matthias Sammer, der mehrfach betonte: „Im Erfolg macht man am leichtesten Fehler.”

Janis Brinkmann, Christoph Winkel

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Kommentare
11.08.2010
17:58
Generation Gold beim DFB
von suendenbock | #8

Die sollen sich alle ein Beispiel an Magath nehmen, lauter junge Burchen holen einen 2. Platz und erhalten nun die notwendige Hilfe der Erfahrenen und Weltstars um sich weiter zu entwickeln.

11.08.2010
10:45
Generation Gold beim DFB
von BlubbOmat | #7

Kann heidimaus nur zustimmen, ich finde das es in der Bundesliga noch nicht weit genug geht, es könnten so viele Verein noch auf etliche Transfers verzichten und ihre Jugend fördern. Aktuelless Beispiel Stuttgart: holen den Audel, 26, Franzose für die Linke Seite.
Ich denke das ist rausgeschmissenes Geld die haben Didavi, Rudy, Harnik, Gebhart, Walch, Cacau, und vielleicht noch welche aus der zweiten bzw. Ajugend jetzt wollen die noch den Weiss holen und dann hätte ein Spieler wie Didavi oder Rudy keine Chancen mehr.
Hätten sie Weiss geholt ok Jung super Talent aber nen 26Jährigen und dann noch Weiss ist für die eigene Jugend schlecht.

@Gpunkt: so genau kann ich das nicht überblicken wie das bei den einzelnen DFB-Stützpunkten vorsich geht, aber wenn das so ist wie du schreibst gibt es da sicherlich noch Luft nach oben.
Es ist ja auch so das der DFB ja noch mehr Stützpunkte errichten könnte und so mehr Kindern die Chancen geben kann.

11.08.2010
10:32
Generation Gold beim DFB
von Blocked | #6

sonst nicht sondern ^^

11.08.2010
10:29
Generation Gold beim DFB
von Blocked | #5

@Otto99: ich glaube EbbesRache meinte das Goldene Generation eher ein Begriff ist der für kleinere Länder reserviert ist.
Deutschland ist so groß hat so viele Einwohner von denen extrem viele Fussballinteressiert sind, da muss eigentlich immer eine gute Mannschaft von internationalem Format spielen können.
Ein Land wie z.B. Tschechien, wo der Begriff wahrscheinlich herkommt, hat nur ungefähr ein achtel der Einwohner, da ist es nciht so sicher das man immer internationale Topspieler hat.


Die Jugendarbeit so wie sie im Moment ist, ist schonmal sehr gut und wird ein paar Jahre lang noch Top bleiben, aber man muss halt immer alles erneuern und verbessern sondern schläft irgendwann unser Fussball wieder ein und wir werden von anderen Nationen gnadenlos überholt.

11.08.2010
09:14
Generation Gold beim DFB
von Gpunkt | #4

Wer sich mal etwas genauer mit der Thematik befaßt, der merkt recht schnell , das nicht alles Gold ist was glänzt. Kinder die in kleineren Vereinen spielen, werden zwar zu den Stützpunkttrainings eingeladen, haben dort aber nur eine kleine Chance in die Auswahl zu kommen. In Duisburg ist es so , das in der Auswahl mindestens 8 Kinder ( von 15 ) vom MSV spielen MÜSSEN. Egal ob andere Kinder besser sind oder nicht, egal ob diese Kinder am Stützpunkttraining teilnehmen oder nicht. Die anderen Plätze verteilen sich dann auf Hamborn 0/,VfB Homberg und TuRa 88. Da bleibt dann eventuell noch 1 Platz für Kinder aus kleineren Vereinen. Oder aber die Kinder wechseln den Verein, was aber auf Dauer die kleinen Vereine kaputt macht.

11.08.2010
07:40
Generation Gold beim DFB
von Otto99 | #3

#1 EbbesRache

Ganz genau.

Diese Generation muß erst einmal richtig was leisten, bevor man sie golden nennen kann. Da reichen 2 dritte Plätze nicht.
PRO Revierrivalität

11.08.2010
06:31
Generation Gold beim DFB
von heidimaus | #2

Das ist ein schöner Artikel über die Jugendförderung in den Leistungszentren des Ruhrgebietes.Die Vereine merken ja langsam selbst, dass es sich immer lohnt, auf die eigene Jugend zu sezten, anstatt für teures Geld mittelmäßige Ausländer zu holen.
Da wünschte ich mir manchmal noch mehr Mut von den Trainer,diese Spieler auch weiterhin in der Liga zu fordern und zu fördern. Denn nur durch Spielpraxis können sich junge Spieler weiterentwickeln, nicht als Alibi-Deutsche im Kader oder auf der Bank.
Dann ist mit dem Deutschen Fußball auch weiterhin zu rechnen.
PRO Revierfußball!
Glück auf!

11.08.2010
00:18
„Generation Gold“ beim DFB
von EbbesRache | #1

Ja, der letzte Satz bringt es auf den Punkt.
Genau das war das Problem nach 1990.
Ich mag auch den Begriff goldene Generation nicht.
Ein Land wie Deutschland muss immer goldene Generationen haben, da wir 82 Mio Einwohner, riesnegroße Fußballbegeisterung, jede Menge Vereine, eine Top Infrastruktur und -mittlerweile- auch ein professionelles Förderkonzept haben.
Wenn von einer goldenen Generation die Rede ist, heißt das für mich, vorher war nix, und wenn nicht bald was passiert wirds nie wieder was mit einem Titel.
Deutschland hat in den letzten Jahrzehnten aber fast immer um Titel mitgespielt und wird dies auch wohl in Zukunft können...

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