Kommentar

Was Joachim Löw von Chiles „Rebellen“ lernen kann

Ließen sich mit Recht nach ihrem Sieg über Spanien feiern: Chiles „Rebellen“. Foto: Getty
Ließen sich mit Recht nach ihrem Sieg über Spanien feiern: Chiles „Rebellen“. Foto: Getty
Foto: Getty Images

Weltmeister Spanien entthront und dabei gespielt, als ob es für sie kein Morgen gäbe: Von Chiles Fußballer kann auch Bundestrainer Joachim Löw noch lernen, wie man sein eigenes Ding durchzieht. Ein Kommentar.

Essen.. In einer Einschätzung waren sich nahezu alle Experten – bei ansonsten höchst unterschiedlichen Prognosen – vor dieser WM einig: Um in Brasilien erfolgreich zu sein, müssen die Team angesichts der klimatischen Verhältnisse mit ihren Kräften haushalten. Sprich: 90 Minuten Powerfußball geht nicht.

Geht nicht? Ausgerechnet eine Mannschaft, die noch bei keiner WM eine Rolle spielte, hat diese Voraussage pulverisiert: Die Art und Weise, in der Chile von der ersten bis zur letzten Minute den entthronten Titelverteidiger Spanien schon am eigenen Strafraum attackierte (neudeutsch: Pressing) war buchstäblich atemberaubend. Gaben sie doch den ballverliebten Spaniern keine Zeit zum Luftholen.

"Selbstmörderisches" Spiel der Chilenen

„Selbstmörderisch“ hat Spanien-Coach Del Bosque das Spiel der Chilenen genannt. Die Nachrufe freilich galten nicht Chile, sondern seinem Team, das – wohl mental ermüdet von der jahrelangen eigenen Dominanz – nicht mehr in der Lage war, zu reagieren. Obwohl sich um Spaniens Fußball keiner ernsthaft sorgen muss angesichts neuer heranwachsender Talente – das (vermutliche) Ende der Tiki-Taka-Ära bleibt mit Wehmut und Dankbarkeit für große Fußball-Stunden verbunden.

Deutsches Team Unterdessen feiern sich die Chilenen als „Rebellen des Turniers“ (Trainer Jorge Sampaoli). Aber selbst wenn – was wahrscheinlich ist – auch in diesem Fall die Revolution am Ende ihre Kinder frisst, soll heißen: der Kräfteverschleiß demnächst seinen Preis fordert, haben die Südamerikaner bei dieser WM ein Zeichen gesetzt. Indem sie sich nicht um Bedenken und Warnungen scherten und ihr Ding durchzogen.

Zur Erinnerung: Dass Joachim Löw bei der EM 2012 im Halbfinale gegen Italien mit fatalen Folgen von seinem Prinzip abgewichen war, sich nicht nach dem Gegner zu richten, wirkt bis heute in der Beurteilung des Bundestrainers nach. In diesen Tagen wird sich zeigen, wie viel er daraus gelernt hat. Das Beispiel Chile könnte ihm dabei helfen.

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