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Friedhelm Funkel fühlt sich „für den Ruhestand zu jung“

21.12.2012 | 19:09 Uhr
Friedhelm Funkel will wieder an der Seitenlinie stehen. Foto: Foto: Monika Kirsch / WAZ FotoPool

Essen.   Seit fast 40 Jahren ist Friedhelm Funkel eine Konstante der Bundesliga. Doch nun droht er den Anschluss zu verlieren: Seit einem Drievierteljahr ist er ohne Job. Die Kollegen von RevierSport unterhielten sich mit ihm über die Zeit des Wartens, mangelnde Anerkennung und die Erfolge eines titellosen Trainers.

Friedhelm Funkel, haben Sie die Sorge, dass Sie endgültig vom Trainer-Karussell gefallen sein könnten?

Friedhelm Funkel: Ich habe eine tolle Zeit als Trainer bisher hinter mir und will auch noch eine vor mir haben. Für den Ruhestand fühle ich mich zu jung. Ich bin erholt und körperlich topfit. Ich warte einfach ab. Aber es ist nicht so, dass ich deprimiert bin, wenn ein Verein bei seiner Suche nicht auf mich kommt.

Wie gehen Sie denn mit der Rolle des Wartenden um?

Funkel: Man muss eine notwendige Geduld haben. Dann wird auch irgendwann etwas kommen, das passt. Ob das im Winter oder im Frühjahr ist, ob in Deutschland oder im Ausland – das kann ich nicht sagen. Aber ich habe keine Zwänge mehr und weiß, dass ich in meinem Leben nicht mehr verhungern werde. Dementsprechend kann ich ruhig und gelassen sein.

Hätten Sie 1973 geahnt, dass Sie der Bundesliga beinahe durchgängig bis heute erhalten bleiben?

Funkel: Das hätte ich noch nicht einmal zu träumen gewagt. Ich hatte das Glück, dass ich von schweren Verletzungen und Krankheiten verschont geblieben bin.

War es also nur Glück?

Funkel: Nein. Ich hatte immer den eisernen Willen, das zu schaffen, was ich mir vorgenommen habe. Wenn man in diesem Geschäft so lange dabei ist, hat man vieles richtig gemacht. Es können schließlich nicht viele von sich behaupten, dass sie ihr Hobby über vier Jahrzehnte zum Beruf gemacht haben.

Gibt es Parallelen zwischen dem Trainer und dem Spieler Funkel?

Funkel: Ich bin in beiden Positionen auf- und abgestiegen, war jeweils im DFB-Pokalfinale und im Europapokal. Die größte Parallele ist aber die Art und Weise, wie ich mit meinem Beruf umgegangen bin. Ich war immer ehrgeizig, aber auch dankbar für das, was ich erreichen konnte.

Wann wurde Ihnen klar, dass Sie Trainer werden wollen?

Kommentar
Funkel ist der ewige Feuerwehrmann

Er kommt, wenn es brennt: Friedhelm Funkel genießt den Ruf, der Feuerwehrmann des deutschen Profifußballs zu sein. Als Retter ist er gern gesehen, doch danach kühlt die Zuneigung ab - mancher Verein bereut dies später. Ein Kommentar.

Funkel: Erst gegen Ende meiner Karriere. Genau genommen 1984, als Kalli Feldkamp Trainer in Uerdingen wurde. Ich habe auf dem Spielfeld schon wie ein Trainer gedacht, aber erst er hat mich darauf gebracht. Er hat mich schon in Kaiserslautern trainiert, wir haben viel über Fußball gesprochen. Und irgendwann sagte er mir: „Du wirst mal Trainer.“ Erst danach habe ich mich damit beschäftigt.

Wie ging es weiter?

Funkel: In den letzten beiden Jahren meiner Profikarriere habe ich zeitgleich meinen Stammverein VfR Neuss trainiert. Ich wollte ausprobieren, ob mir das überhaupt liegt und ob ich rüberbringen kann, was ich auf dem Platz automatisch umgesetzt habe. Wir hatten eine erfolgreiche Zeit. Und danach habe ich den Mut gefasst, in den Trainerzirkus einzusteigen.

Wie groß war Ihre Sorge, dass es schief gehen könnte?

Funkel: Ich habe mich keinen Illusionen hingegeben, als ich 1991 nach einem Jahr als Assistent Cheftrainer bei Bayer Uerdingen wurde. Wenn ich in meiner ersten Station gescheitert wäre, dann wäre es sehr schwierig geworden. Ich bin glücklicherweise direkt im ersten Jahr in die Bundesliga aufgestiegen und habe in dem Geschäft Fuß gefasst.

Sie waren früh festgelegt auf die Rolle des Trainers, der nach dem Abstieg den Wiederaufbau betreibt.

Funkel: Ich habe es fünf Mal geschafft, Vereine zurück in die Bundesliga zu bringen. Und mit Frankfurt ist es mir immerhin gelungen, den Verein fünf Jahre dort zu halten.

War es im Nachhinein falsch, Eintracht Frankfurt zu verlassen?

Funkel: Das war meine schönste Zeit. Die Zusammenarbeit mit der Mannschaft und den Verantwortlichen um Heribert Bruchhagen war einfach phantastisch. Aber fünf Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Und irgendwann wurden die Ansprüche höher. Man war nicht mehr mit einem achten, neunten oder zwölften Platz zufrieden. Da wurde auch mir gegenüber ein großer Frust spürbar. Daher war es die richtige Entscheidung, zu gehen.

War es eine späte Genugtuung für Sie, dass der Verein ohne Sie abgestürzt ist?

Funkel in der Achterbahn

Funkel: Ja, mit Sicherheit – jedenfalls das, was damit einherging. Anderthalb Jahre nach der Trennung steckte der Verein in Abstiegssorgen. Von denen, die mich damals kritisiert hatten, habe ich dann gehört: „Wenn du noch da wärst, würden wir nicht absteigen.“ Das sind versteckte Komplimente, die ich gerne mitgenommen habe. Manchmal weiß man eben erst, was man an jemandem gehabt hat, wenn er nicht mehr da ist.

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    Seite 2: Beim 1. FC Köln waren die Erwartungen direkt zu groß

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